Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen „Wer heute die Diagnose bekommt, hat einen Vorteil“
Region Wurzen „Wer heute die Diagnose bekommt, hat einen Vorteil“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:38 30.05.2018
Neurologe Dr. Alexander Niklas. Quelle: Cooklmage
Anzeige
Borna

Das Motto des diesjährigen Welt-MS-Tages „Unheilbar optimistisch“ trifft die Situation der Betroffenen recht gut. Wer heute die Diagnose erhält, hat viel bessere Chancen, gut mit dieser chronischen Krankheit zu leben als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Das sagt Dr. Alexander Niklas im Interview. Der 46-Jährige ist in der Bornaer Sana-Klinik Oberarzt für Neurologie und spezialisiert auf die Erkrankung Multiple Sklerose.

MS wird die Krankheit mit den tausend Gesichtern genannt. Was ist dabei so besonders?

Es handelt sich um eine Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks. Die Symptome sind häufig davon abhängig, welches Hirnareal entzündet ist. Deshalb kann es zu ganz unterschiedlichen Symptomen kommen. Schwierig sind auch die unsichtbaren Symptome wie Müdigkeit, Fatigue genannt, Konzentrationsstörungen und Stimmungsschwankungen

In den vergangenen Jahren bemühte sich die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft um intensive Aufklärung. Ist das gelungen?

Ja, die Krankheit ist bekannter geworden. Wenn ich heute einem jungen Patienten die Diagnose stelle, weiß er etwas damit anzufangen. Oft jedoch sieht er das Bild des Rollstuhls. Ich kläre dann sofort auf, dass ein Drittel der Patienten einen guten Verlauf hat, ein weiteres Drittel einen mittelschweren und nur ein Drittel mit einem wirklich schweren Verlauf leben muss.

Betroffene schilderten in der Vergangenheit oft, dass sie sich von ihrer Umgebung unverstanden fühlen. Gibt es hier einen Trend zur Besserung, auch durch die verstärkte Aufklärung?

Ehrlich muss ich hier antworten: Das ist schwierig. Zum Beispiel lässt sich die Fatigue sehr schwer erklären, weil man es den Patienten eben nicht ansieht. Das stößt auf Akzeptanzprobleme. Betroffene haben bei dieser extremen Müdigkeit oft Angst, ihren Job zu verlieren. Viele trauen sich gar nicht, ihre Diagnose dem Arbeitgeber mitzuteilen.

Was kann die Sana-Klinik für Betroffene tun?

Wir haben eine stationäre und ambulante Versorgung. Der Vorteil der Klinik ist, dass sie sieben Tage die Woche und 24 Stunden für die Patienten da ist. Das ist bei solch einer chronischen Erkrankung, die in Schüben auftreten kann, ein großer Vorteil. Die Patienten haben eine Notfallnummer, das gibt ihnen einen guten Rückhalt. Wir können hier jede Form der MS-Therapie anbieten und können einzelnen interessierten Patienten die Möglichkeit zur Teilnahme an einer klinischen Studie, zum Beispiel im Leipziger Universitätsklinikum, vermitteln.

Welchen Stellenwert haben Ihrer Meinung nach Selbsthilfegruppen?

Einen sehr hohen. Sie sind ein wichtiges Netzwerk, wo sich viele Betroffene gut aufgehoben fühlen. Sie können sich dort austauschen, gegenseitig beraten und machen Unternehmungen miteinander.

Das Motto des diesjährigen Welt-MS-Tages heißt „Unheilbar optimistisch“. Dabei geht es auch darum, auf aktuelle Forschungen hinzuweisen. Gibt es für die Zukunft doch Hoffnung auf Heilung oder zumindest starke Linderung?

Auf Zweitgenanntes kann ich eindeutig mit Ja antworten. Wer heute seine Diagnose bekommt, hat einen großen Vorteil, wenn man dies mit der Situation vor zehn, fünfzehn Jahren vergleicht. Es gibt heute gute und wirksame Medikamente. Und das wird sich in der Zukunft weiter verbessern. Was jedoch die Heilung betrifft, muss ich die Erwartungen dämpfen.

Von Claudia Carell

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Büroleiter Frank Rübner ist einer der engsten Mitarbeiter von Landrat Henry Graichen. „Meine Aufgabe ist es vor allem, den Chef zu entlasten und den Kontakt zum Bürger zu verbessern“, berichtet der 39-Jährige über seine Aufgabe an der Spitze des Landkreises.

02.06.2018

Am Mittwoch wird zum zehnten Mal der Welt-MS-Tag begangen. Mehr als 200 000 Menschen leiden in Deutschland an Multipler Sklerose (MS). Eine Selbsthilfegruppe in Geithain gibt Betroffenen Halt.

30.05.2018

Historische und botanische Erkenntnisse warteten auf die Spaziergänger, die der Einladung des Geschichtsverein Wurzen zu einer Führung durch den Stadtpark gefolgt waren. Der Verein hatte sich dazu mehrere Experten zur Seite geholt.

29.05.2018
Anzeige