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Wer ist schneller: Der beste Läufer oder der LVZ-Reporter auf dem alten Damenrad?

Muldentaler Städtelauf Wer ist schneller: Der beste Läufer oder der LVZ-Reporter auf dem alten Damenrad?

Er war einmal mehr ein voller Erfolg: der Muldentaler Städtelauf über gut 21 Kilometer von Wurzen nach Grimma. Rund 850 zumeist Freizeitsportler gingen gestern an den Start. Der LVZ-Reporter machte den Test: Wer ist schneller: Der beste Läufer oder der Zeitungsfritze auf dem Fahrrad?

Start in Wurzen: Etwa 850 Feizeitsportler machen sich auf den 21 Kilometer langen Weg nach Grimma.
 

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen/Grimma.  Manches habe ich beim Muldentaler Städtelauf schon erreicht: Einen Platz im Mittelfeld, einen als Schlusslicht – nun muss endlich einer an der Sonne her – ein Spitzenplatz! Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wegen „Meniskus“ steige ich aufs Rad. Wer also ist schneller: der beste Läufer oder ich, der Mann auf dem alten klapprigen Damenrad vom Typ „Holland“. Hase gegen Igel? Mal sehen. Top, die Wette gilt!

Was für ein Morgen! Ein Auto schwebt durch den Wurzener Badergraben. Diana Henke und Dirk Häring vom Ordnungsamt lassen den falsch geparkten Wagen von A nach B umsetzen. Nun ist die Strecke frei. Wurzens OBM Jörg Röglin gibt den Startschuss. 850 Läufer setzen sich in Bewegung. Ein Klassefeld, gespickt mit internationalen Stars: Adam Van Casteren (31) aus Newcastle (England) ist genauso mit dabei wie Jack Lester (43) aus Seattle (USA). Beide sind Wissenschaftler am Max-Planck-Institut Leipzig. Jens Schlosser (54) aus Bennewitz bereitet sich auf den Vancouver-Marathon in vier Wochen vor. Wegen einer Erkältung trägt er ein Nasenpflaster: „Dadurch drückt es die Nasenflügel auseinander, und man bekommt mehr Luft.“

Während die Läufer noch ihre Ehrenrunde durch Wurzen drehen, strample ich schon in Dehnitz um mein Leben – für mich war das offensichtlich ein bisschen verfrühte Glockengeläut von St. Wenceslai das Startsignal. Vor lauter Hochachtung den Läufern gegenüber wage ich es nicht, deren heiligen Bahnradweg zu nutzen. Ich weiche auf die Straße aus.

Alle jagen sie mich: Der Grimmaer Holger Polzin (41) etwa, der seinen Kampf gegen den Krebs gewonnen hat und nun auf den Triathlon in Moritzburg hinarbeitet: „Wir schwimmen am 11. Juni so richtig im Teich am Schloss, dort, wo ,Drei Haselnüsse für Aschenbrödel’ gedreht wurde.“ Die Verfolgung nimmt auch der 16-jährige Otto Gurtler aus Taucha auf. Er läuft an der Seite seines Vaters Steffen (48).

Ab und an kreuzt die Landstraße den Radweg. Von den Läufern jedoch keine Spur. Lediglich in Oelschütz kann ich die Burkartshainer Cheerleader von weitem erahnen – in Neichen dringt die Stimme von Moderator Bernd Fichtner aus der Ferne bis an mein Ohr. Von der Schalmeienkapelle in Nerchau bekomme ich nichts mit, da die Straße einen zu weiten Bogen um den Bahnhof schlägt.

Einsam ziehe ich meine Kreise. Über eine Gangschaltung verfügt mein uraltes Hollandrad leider nicht, dafür aber über einen Speichenschutz. Der schützt zwar dafür, dass sich eine Hosenbein verheddert, nützt mir aber auf der Kohlenstraße nichts. Denn ich verordne mir – der Fairness halber – eine Strafrunde über Döben, als Wiedergutmachung für die ausgelassene Ehrenrunde in Wurzen. Wer die Kohlenstraße nicht kennt: Sie ist so etwas wie die Steile Wand von Meerane des kleinen Mannes. Da hilft nur noch schieben.

Die Läufer haben es da leichter. Adrian Alekow, der 18-jährige Brandiser, nähert sich dem Ziel trotz seiner Achillessehnenverletzung mit Sieben-Meilen-Stiefeln. Auch Christian Wiederhold (35) aus Leipzig, der von Mutter Gabriele und Vater Uwe angefeuert wird, hält sich wacker. Gut im Rennen liegt Matthias Vogel, der sportliche Leiter des Muldental-Triathlons. Meter macht auch der Borsdorfer Thomas „Manni“ Störel, der Frontmann des Leipziger Kabaretts SanftWut. Der Muldentaler Städtelauf gibt ihm die zweite Luft, die er auf der Bühne braucht. Sein aktuelles Programm: „Lieber schön bescheuert als hässlich mit Diplom“.

Die letzten Meter. Mit Karacho fliege ich die Schlossstraße hinunter. Nach einer Stunde und 13 Minuten erreiche ich in Grimma die Pöppelmannbrücke. Eine einzige Minute eher als der beste Läufer, Marc Werner (38) aus Beucha. Der Teufelskerl gratuliert mir und gesteht: „Ich habe abgekürzt, brauchte nur gerade aus rennen, du aber musstest die ganzen Kurven nehmen.“ Recht hat er. Alle 850 Teilnehmer bekommen eine Medaille, nur ich gehe leer aus. Mit Ach und Krach darf ich zumindest einen Becher Sprudelwasser leeren, denn der sei eigentlich nur für die Läufer. Nein, auch einen Siegerpokal muss ich mir abschminken. Dafür wartet in Nerchau eine Schüssel mit Brigittes Linsen auf mich. Ich verlange siebenmal Nachschlag, schließlich muss ich – während sich die Läufer feiern lassen – mit dem Rad wieder zurück bis Wurzen.

Von Haig Latchinian

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