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Wurzen Werden Crystal-Lieferungen in Colditz per Böller angekündigt?
Region Wurzen Werden Crystal-Lieferungen in Colditz per Böller angekündigt?
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09:59 15.07.2016
Wenn der Dealer dreimal böllert: Wird in Colditz Crystal-Lieferung angekündigt? (Symbolfoto)  Quelle: dpa
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Colditz

 Kündigen Drogendealer in Colditz Crystal-Lieferungen an, indem sie extra laute Chinaböller zünden? Das zumindest vermutet laut Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) die Einwohnerschaft. Weil die Polizei aber keinen besonderen Handlungsbedarf sieht, wirft ihr Pensionsbesitzer Ralf Gorny Untätigkeit vor.

Böllert es schon wieder? Ralf Gorny hört genau hin. Quelle: Thomas Kube

Hinweise auf Böller kämen fast ausschließlich von Gorny, erklärt Polizeisprecher Andreas Loepki. „Dies spricht nicht gerade für eine tatsächliche Beeinträchtigung der übrigen Colditzer“, teilt er auf Anfrage mit. Außerdem sei Crystal eine Droge, die wegen der Grenznähe zu Tschechien leicht zu beschaffen sei und deren aufputschende Wirkung für zahlreiche Menschen vermeintliche Vorteile birgt. So könnten Stressgeplagte ihr Leistungsvermögen befördern und Vertreter der Partygeneration das ganze Wochenende durchmachen. „Daraus ergibt sich wiederum ein hoher Verbreitungsgrad, der mit Sicherheit auch nicht am Ortseingangsschild von Colditz Halt macht“, meint Loepki.

Wird das Crystal aber über akustische Signale verbreitet? Dazu gibt es vorerst keine Erkenntnisse. Nur das Volk hat sich seine Meinung gebildet. „Wenn es knallt, heißt es, dass wieder neuer Stoff eingetroffen ist“, sagt Bürgermeister Schmiedel. Und es knallt nach seinen Worten öfter, als die Polizei annimmt. „Drei- bis viermal pro Woche werden nachts Böller in Colditz gezündet“, so Schmiedel. „Sie sind so laut, dass ich sie sogar in Hausdorf höre.“ In der großen Gartenanlage am Freizeitzentrum Fema scherble es öfter, auch in anderen Gartenanlagen am Wettiner Ring. „Das ist schon krass für eine Kleinstadt“, kommentiert der Rathauschef.

Die Polizei registrierte die drei Sachbeschädigungen, die es dieses Jahr durch Böller gegeben hat. Ziel der Anschläge, so Loepki, seien im Januar ein Kleidercontainer sowie im April die Europasäule und die Scheiben von Gornys Pension zur alten Stadtmauer gewesen. Zur Europasäule würden die Ermittlungen gegen Unbekannt laufen. Die Tätervermutung, die Gorny in Bezug auf sein Haus abgegeben habe, beruhe darauf, dass der Betreffende mehr als drei Stunden vor der Explosion an der Pension vorbeigelaufen sei. Insgesamt schätze das Polizeirevier Grimma ein, dass Colditz für das Kriminalitätsgeschehen im Vergleich zu anderen Ortslagen keinen herausragenden Schwerpunkt bildet“, erklärt Loepki.

Die Europasäule kurz nachdem sie am 23. April 23.40 Uhr zerstört wurde. Quelle: Stadtverwaltung Colditz

Für Ralf Gorny eine inakzeptable Betrachtung der Situation. Zwei Wochen lang postierte er sich im Auto nachts auf dem Lidl-Parkplatz, um das Umfeld und aus der Ferne das Geschehen an seiner Pension zu beobachten. „Junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren schlichen um mich herum, manchmal sah ich sie auch an meiner Pension“, sagt Gorny. „Es handelt sich um stadtbekannte Gesichter. Ich fragte herum, wer sie kennt. Wenn die Polizei mitspielen würde, wären die Namen längst bekannt. Stattdessen werfen mir die Beamten vor, ich würde überreagieren. In der heutigen Welt müsste ich damit klarkommen und die Böllerei aushalten.“

Diesen Vorwurf will Loepki nicht stehenlassen. Gorny sei im Polizeiposten Colditz bekannt, dort gebe es beinahe im 14-Tage-Rhythmus Gespräche mit ihm. „Hierbei haben die Beamten stets ein offenes Ohr für seine Belange, welche – sofern sie relevanten Inhalts sind – nachfolgend als Information an den Streifen- beziehungsweise den Kriminaldienst des Polizeireviers Grimma geleitet und dort entsprechend gewürdigt werden“, informiert der Polizeisprecher. Der Streifendienst agiere im Rahmen der objektiven Möglichkeiten, um besonders zeitnah auf Hinweise aus Colditz reagieren zu können. „Es bleibt aber auch festzuhalten, dass Personen im Alter von 18 bis 30 Jahren sich zu jeder Tages- und Nachtzeit frei in Colditz bewegen können und daraus keine Verdachtsmomente erwachsen, die polizeiliche Kontrollen rechtfertigen würden“, so Loepki.

Bei Gorny bleibt die Angst. Er sieht sich von Drogendealern und Rauschgiftabhängigen bedroht, weil er den Mund aufmacht. „Sie wollen, dass ich aus der Stadt verschwinde“, mutmaßt er.

Von Frank Pfeifer

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