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Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Es lässt sich gut in Polenz leben

Brandiser Ortsteil Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Es lässt sich gut in Polenz leben

Am 21. Juni wird Polenz ab 11.30 Uhr von der Kommission unter die Lupe genommen. Der Brandiser Ortsteil beteiligt sich am zehnten Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ des Landkreises Leipzig. Zur jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates stand die Vorbereitung des Dorfrundganges deshalb obenan.

Der Brandiser Ortsteil beteiligt sich am Dorfwettbewerb des Landkreises.

Quelle: Ines Alekowa

Brandis/Polenz. Am 21. Juni wird Polenz ab 11.30 Uhr von der Kommission unter die Lupe genommen. Der Brandiser Ortsteil beteiligt sich am zehnten Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ des Landkreises Leipzig. Der Wettbewerb, in dem das Engagement der Einwohner im Fokus steht, soll die Menschen auf dem Land motivieren, die Zukunft ihrer Dörfer mitzubestimmen und sich bei der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Entwicklung ihres Dorfes zu engagieren.

Zur jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates stand die Vorbereitung des Dorfrundganges deshalb obenan. „Wir werden sicher nicht gleich den ersten Platz belegen“, bleibt Ortsvorsteher Andreas Böhme (Linke) auf dem Boden, „aber entscheidend ist mitzumachen und dadurch auf sich aufmerksam zu machen.“ Beim Überlegen, was man der Jury alles präsentieren könnte, zeigte sich schnell, dass das 500-Seelen-Dorf, das 2005 seine Ersterwähnung vor 600 Jahren feierte, eine Menge zu bieten hat. Im Dreiseithof in der Straße der Einigkeit fand vergangenes Jahr das mittlerweile 100. Konzert statt. „Es hat Strahlkraft weit über Polenz hinaus“, weiß der Ortsvorsteher. Gleiches gilt für das Andalusiergestüt am anderen Ende des Dorfes, das erst im Mai wieder zum Tag des Pferdes eingeladen hatte. Zu punkten gedenkt man auch mit dem schmucken Feuerwehrgerätehaus, in der Kirche will man die neue Orgel zeigen. „Die wurde nur möglich durch die Spendenbereitschaft der Polenzer“, betont Böhme. Natürlich soll die Strecke am Gewerbegebiet vorbeiführen, „denn das gehört zur Zukunft dazu“, betont Böhme, genauso wie die seit Jahrhunderten ansässige Schafhaltung, wodurch Polenz wenigstens einen kleinen Teil Landwirtschaft behalten habe. Am Altersheim im Schlösschen wiederum zeigt sich, dass das Dorf von Wald und Feld umgeben ist. „Viele Flächen sind als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, durchzogen von Wegen, die zum Wandern, Radeln, Reiten einladen“, schwärmt Böhme. „Es lässt sich hier gut leben, auch wenn die meisten ihren Lebensunterhalt anderswo verdienen müssen.“

Beginnen soll der Rundgang aber im alten Gemeindeamt An der Rodelbahn. „Denn das ist der Dreh- und Angelpunkt für viele Aktivitäten“, sagt Böhme. Hier hat der Heimatverein sein Domizil, proben Männer- und Frauenchor, findet im Advent nach dem Liedersingen in der Kirche das gemeinsame Kaffeetrinken der Dörfler statt. Im Versammlungsraum tagt der Ortsrat, der Raum kann auch für Feiern angemietet werden. Und im Keller befindet sich der Jugendclub, dessen Mitglieder auch schon mal bei Veranstaltungen mit anpacken. Doch so lebendig das Innenleben, so marode die Hülle des Hauses mit der wechselvollen Geschichte. Es war Schule, diente zu Wohnzwecken, war bis zur Eingemeindung nach Brandis 1991 Gemeindeamt, dann für kurze Zeit Kindergarten. „Jetzt ist es stark sanierungsbedürftig, und die Substanz verschlechtert sich von Jahr zu Jahr“, verweist Böhme auf das defekte Dach, fehlenden Putz, neue, aber nicht richtig eingebundene Fenster…. Er mag sich gar nicht ausmalen, was geschieht, wenn eine Sanierung nicht gelingt. „Ohne das alte Gemeindeamt würde Polenz zum reinen Schlafdorf.“ Um so mehr hofft Böhme auf eine gute Platzierung beim Wettbewerb, aus der dann vielleicht Fördermittel resultieren. „Auch dann wird eine Sanierung sicher nicht auf einen Schlag gehen, aber in Jahresscheiben wäre schon gut.“

„Saniert, könnte das alte Amt zusammen mit der benachbarten Kegelbahn zum kulturellen Zentrum des Dorfes entwickelt werden“, beschreibt Böhme die Visionen des Ortschaftsrates und spricht von Buchlesungen, Kabarettaufführungen, einer Büchertauschstelle. Natürlich sei Ortsrat und Bürgern klar, dass zur Unterhaltung des Objektes auch entsprechende Einnahmen gehören. Denkbar wären die Bereitstellung von Räumlichkeiten für medizinische oder physiotherapeutische Zwecke – insbesondere mit Blick auf die älter werdende Bevölkerung –, Kurse der Volkshochschule, Ausbau der oberen Etage zu Wohnraum, zumal, wie der Ortsvorsteher kritisch anmerkt, „erheblicher Handlungsbedarf“ bei der Schaffung von Wohnungen und Bauplätzen für Ansiedlungswillige besteht. „Die Umfunktionierung in ein multiples Haus wird von den Polenzern als Chance begriffen, wenn der Ort seinen ursprünglichen Charakter behalten will, der wesentlich durch die vielfältigen Aktivitäten seiner Vereine“ – immerhin zehn an der Zahl –, „der Feuerwehr und der Kirchgemeinde geprägt ist“, sagt Böhme. „Diese Institutionen schaffen die kulturellen Höhepunkte und stärken damit den Zusammenhalt.“

Von Ines Alekowa

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