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Wie sich Ex-Bürgermeister und -Landräte nach dem Ende ihrer Amtszeit fühlen

Von Gangloff bis Gey Wie sich Ex-Bürgermeister und -Landräte nach dem Ende ihrer Amtszeit fühlen

Die Zeiten sind vorbei, in denen Maria Gangloff am Sonntagnachmittag ihren Kalender wälzte, um sich auf die kommende Woche einzustellen. Seit einem Dreivierteljahr. Seit dem 1. September ist die 65-jährige Linke nicht mehr Bürgermeisterin in Böhlen. Nach insgesamt 18 Jahren. „Mir geht es gut“, sagt die lebensfreudige Frau.

Nach ihrem Abschied vom Amt hat Maria Gangloff Zeit für Handarbeiten.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Landkreis Leipzig.  Die Zeiten sind vorbei, in denen Maria Gangloff am Sonntagnachmittag ihren Kalender wälzte, um sich auf die kommende Woche einzustellen. Seit einem Dreivierteljahr. Seit dem 1. September ist die 65-jährige Linke nicht mehr Bürgermeisterin in Böhlen. Nach insgesamt 18 Jahren. „Mir geht es gut“, sagt die lebensfreudige Frau. Sie hat den Absprung geschafft, was unter Leuten, die etwas davon verstehen, keineswegs als Selbstverständlichkeit gilt. Es hängt wohl damit zusammen, dass sie ihren Abschied selbst bestimmt hat. „Ich bin ja nicht abgewählt worden“, sagt die Frau, die nach wie vor für die Linken im Kreistag sitzt.

So wie ihr früherer Wurzener Amtskollege Jürgen Schmidt (CDU). Der promovierte Agrarpädagoge war schon davon ausgegangen, dass die Wurzener seinen Arbeitsvertrag 2008 um weitere sieben Jahre verlängern würde. „Ich hatte damals keinen Plan B“, sagt Schmidt, Jahrgang 1951. Dabei hatte er seinerzeit immerhin 14 Jahre an der Spitze des Wurzener Rathauses hinter sich, zunächst als Beigeordneter und später als Oberbürgermeister. Immerhin fand er recht schnell ein neues Betätigungsfeld. Er gab Aussiedlern an der Volkshochschule Deutschunterricht. Schmidt rückte zudem an die Spitze des Wurzener Geschichtsvereins und später auch des Fördervereins Großzschepa, und wer ihn dann über die Erfolge dieser Arbeit reden hört, glaubt, dass er dem Nummer-eins-Posten in der Wurzener Stadtverwaltung nur noch mäßig nachtrauert. In der Politik ist er aber weiter aktiv: als Kreisrat mit Schwerpunkt Finanzpolitik.

Nicht mit seiner Abwahl gerechnet hatte seinerzeit Reinhard Kühnl. Der heute 67-Jährige war bis zum Jahr 2001 Bürgermeister auf SPD-Ticket in Rötha. Gesundheitlich geht es ihm nicht so gut, aber er beobachtet die Dinge heute recht entspannt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Rathaus ging Kühnl in den Vorruhestand.

Wie geplant ging Peter Bringer im vorigen Jahr in den Ruhestand. Ein Mann, der im Einheitsjahr 1990 für die SPD als Bürgermeister ins Pegauer Rathaus einzog nach und drei erfolgreichen Wiederwahlen wohl auch vor Jahresfrist wieder Bürgermeister geworden wäre. Nach einer Amtszeit von einem Vierteljahrhundert. Bringer, damals schon ohne Parteibuch, wollte aber nicht mehr und erklärt heute auf Anfrage: „Mir geht es gut.“ Für einen großen Rückblick aus der Distanz auf seine Bürgermeisterjahre ist es aber noch zu früh, findet Bringer, der demnächst 66 wird.

Zurückgeblickt hat Gerhard Gey (CDU) vor wenigen Monaten. Nach seinem Abschied vom Landratsamt nach 25 Jahren als Führungskraft. Der Landrat, der drei Landkreisen vorstand, hat losgelassen und setzt neue Prioritäten: Er hat das private Archiv entmüllt, kümmert sich um die Enkel und besucht mit Gattin Inge regelmäßig ein Fitnessstudio. Zudem ist Gey, der zusammen mit seinem langjährigen Delitzscher Amtskollegen Michael Czupalla einer der dienstältesten sächsischen Landräte war, Präsident des Trägervereins „Geopark Porphyrland“.

Geys einstiger Landratskollege Werner Hubrich wiederum, mittlerweile 82, zog nach dem Ende seiner Amtszeit als erster und letzter Wurzener Landrat in den Dresdner Landtag ein. Auch dort ließ sich viel bewegen, erinnert er sich, was dem gebürtigen Schlesier den Abschied als Spitzenkraft der Wurzener Kreisverwaltung definitiv erleichterte. Hubrich war lange Jahre stellvertretender Vorsitzender des Europaausschusses.

Für die einstige Bornaer Landrätin Petra Köpping (SPD) war der Einzug in den Dresdner Landtag nach ihrer Wahlniederlage gegen Gey bei der Landratswahl im Zuge der Kreisreform im Jahr 2008 im Höchstfall die zweitbeste Lösung. Immer wieder ließ die 57-Jährige in ihrer Zeit als einfache Landtagsabgeordnete durchblicken, dass die Parlamentsbänke für eine Frau wie sie, die sich als Macherin versteht, nicht das ideale Sitzmöbelstück sind. Und so fügte es sich, dass Köpping schließlich doch noch Mitglied der sächsischen Staatsregierung wurde – nach der Bildung einer neuerlichen schwarz-roten Koalition vor anderthalb Jahren. Sie erhielt das Integrationsministerium, das gleich aus zwei Gründen wie geschaffen für die Ex-Landrätin scheint. Das Thema lag ihr schon immer am Herzen, und mittlerweile ist es das Thema Nummer eins schlechthin. Für die Frau, die sowohl zu sozialistischen Zeiten als auch nach der Wiedervereinigung Bürgermeisterin von Großpösna war, eine schöne Fügung.

Auf Erfahrungen als Bürgermeister in zwei Systemen kann auch Kurt Schwuchow (parteilos) zurückblicken. Der 69-Jährige war von 1979 bis 1990 Dorfchef in Nischwitz, nach der Wende kamen dann mit Röcknitz und Böhlitz die heutigen Ortsteile der Gemeinde Thallwitz dazu. Nach gesundheitlichen Problemen schied Schwuchow, in den 90er-Jahren so etwas wie der Prototyp des guten Dorfbürgermeisters, aus dem Amt aus, ein Jahr später auch aus dem Kreistag. Er ist zufrieden, „aber mir fehlt der Druck“. So, wie seiner einstigen Böhlener Amtskollegin Maria Gangloff die Informationen fehlen, die sie als Rathauschefin zwangsläufig und gratis bekam. Mittlerweile ist sie auf dem Weg zur Hausfrau, obwohl das nicht ihrem ureigenen Wesen entspricht. „Ich schäle Kartoffeln.“ Sie geht einmal in der Woche schwimmen, frühstückt in Ruhe mit ihrem Mann, liest die LVZ und hat die Zeit, die sie früher nicht hatte.

Auch Kurt Schwuchow nimmt Teil am politischen Leben, vor allem über die Zeitung. „Wir machen viel Urlaub.“ Vor allem an der Ostsee, wo der Mann, der jahrzehntelang die Weichen in und um Thallwitz gestellt hat, geboren wurde.

Von Nikos Natsidis

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