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Wurzen Woche der pflegenden Angehörigen in Hohburg
Region Wurzen Woche der pflegenden Angehörigen in Hohburg
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11:06 29.11.2018
Das Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz lädt dieser Tage zur „Woche der pflegenden Angehörigen“ ein. Wie hier stellen sich auch Anbieter vor, die Hilfsmittel für den Pflegealltag anbieten. Quelle: Frank Schmidt
Lossatal/Hohburg

Das Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz lädt dieser Tage zur „Woche der pflegenden Angehörigen“ ein. Neben Großenhain, Wernesgrün und Weißwasser war am Dienstag auch das Lossatal eine Station. Im Kulturhaus Hohburger Schweiz präsentierten sich Sozial- und Wohlfahrtsverbände mit ihren Offerten für eine häusliche Pflege, aber auch Anbieter von diversen Produkten, die in der häuslichen Pflege hilfreich sein können und sollen.

Zum Portfolio der Veranstaltung gehörten verschiedene Fachvorträge, die sich unter anderem mit Vorsorgevollmachten und Patientenverfügung beschäftigten, aber auch Wohnraum verbessernde Maßnahmen und Gewalt in Pflegebeziehungen thematisierten.

Die Woche der pflegenden Angehörigen hat im Lossatal Station gemacht. Für viele Angehörige ist es eine enorme Belastung sich um pflegebedürftige Familienmitglieder zu kümmern. Besonders im ländlichen Raum ist die häusliche Pflege kompliziert.

Der Job wird zur Nebensache

„Gutes Leben im Alter bedeutet für viele Menschen auch, gut gepflegt zu werden“, ließ die Gastgeberin der Veranstaltung, Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) über einen Ministeriumsvertreter in einem Grußwort übermitteln. Und: „Wer sich für die häusliche Pflege entscheidet, ermöglicht seinem Angehörigen in gewohntem Umfeld in Würde und so selbstbestimmend wie möglich zu altern.“

Welche Hürden dafür überwunden werden müssen, war von Betroffenen zu hören, die sich unter den Besuchern befanden. „Für mich ist es eine enorme Belastung, meinen bettlägerigen Vater zu pflegen. Das ist seit knapp drei Jahren zur Hauptaufgabe geworden, der Job hingegen zur Nebensache“, sagte eine 54-jährige Frau aus Machern. Und die Herausforderung dabei bestehe darin, „bei den Ämtern und bei der Krankenkasse zum Bittsteller zu werden“, fügte sie anklagend an. Gerda Hainich aus Wurzen fühlt sich „im Moment noch“ ausreichend unterstützt, ihren demenzkranken Ehemann in den heimischen vier Wänden zu pflegen.

Mehr Wertschätzung

Pflege ist ein Geschäft. Egal, ob in den eigens dafür geschaffenen Senioreneinrichtungen oder in den eigenen vier Wänden – sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum. Die vom sächsischen Sozialministerium initiierte Veranstaltung zur „Woche der pflegenden Angehörigen“ in Hohburg sollte diesem Eindruck etwas entgegensetzen. Für Betroffene standen die Sorgen und Nöte im Mittelpunkt der Veranstaltung. Sie erhofften sich Hilfe zur Selbsthilfe – nicht nur für einen Tag auf solch einer Veranstaltung, sondern weit darüber hinaus. Hilfe, die alltagstauglich und nachhaltig ist. Dass es genau daran mangelt, ist kein Geheimnis, angesichts Personal- und Fachkräftemangel in der Pflege. Gleichwohl darüber gefühlt schon hundert Jahre diskutiert wird, fühlen sich Betroffene mit ihren Problemen nicht immer und überall verstanden. Doch auf diesem Forum wurde von der Politik signalisiert, dass sie verstanden hat. Eine Art der Selbsterkenntnis, die nicht von ungefähr kommt. Denn mit jedem einzelnen Betroffenen, der im häuslichen Bereich von Familienmitgliedern gepflegt wird, wird das Defizit an Pflegekräften kompensiert. Dabei spielt der Politik in die Karten, dass es den pflegenden Angehörigen nicht wirklich an Motivation mangelt, denn sie opfern sich für ihre Nächsten liebend gerne auf, Tag und Nacht. Was ihnen aber fehlt, auch das wurde auf der Veranstaltung thematisiert, ist die nötige Wertschätzung durch die Politik. Und die sollte sich nach Ansicht der neu formierten „Interessenvertretung pflegender Angehöriger“ auch in finanzieller Unterstützung niederschlagen. Damit Betroffene nicht um dringend benötige Hilfsmittel betteln müssen – und dabei nicht das Geschmäckle aufkommt, Pflege sei ein Geschäft.

Pflege-Probleme wiegen auf dem Land besonders schwer

„Im Moment noch“ bedeute, „dass wir bis auf die Dusche noch keine größeren baulichen Maßnahmen vornehmen mussten“. Physisch und physisch aber spüre sie eine deutliche Mehrbelastung. Um dieser entgegen zu wirken und persönlich eine „kleine Auszeit“ nehmen zu können, bringe die 74-Jährige ihren Mann einmal die Woche in die Tagespflege. Auch das war ein Thema des Tages.

Die häusliche Pflege im ländlichen Raum sei nicht mit der in Ballungszentren zu vergleichen, erklärte der Lossataler Bürgermeister, Uwe Weigelt (SPD). Auf dem Land habe ein Pflegebedürftiger das Problem, was er mache, wenn die Kinder auswärts arbeiten. Da sei man auf den mobilen Pflegedienst angewiesen, der jedoch wegen sehr langer Wege zeitintensiv sei. Gut die Hälfte aller Pflegebedürftigen auf dem Land werde in den eigenen vier Wänden gepflegt, wusste Bettina Belkner vom DRK Muldental zu berichten.

Pflegediensten fehlen die Fachkräfte

Und hier zeige sich, dass immer mehr Familienangehörige, die ihre Lieben so lange und gut wie möglich bei sich haben wollen, an ihre Grenzen kommen. Hilfe komme von Pflegediensten verschiedener Wohlfahrtsverbände, die aber unter Fachkräftemangel leiden, sagte Belkner. „Ich würde mir von der Politik wünschen, dass der Pflegeberuf attraktiver gemacht wird. Dazu gehört eine einheitliche Vergütung“, sagte sie.

Unter den Gästen war auch Annelie Wagner von der „Interessenvertretung pflegende Angehörige in Sachsen“, die sich gerade im Aufbau befindet. „Im gesamten Freistaat gibt es etwa 120.000 Pflegebedürftige, die zu Hause umsorgt werden, Tendenz steigend.“ Ihre Kompetenz bringt die 60-Jährige aus dem eigenen Umfeld mit, wo sie zu Hause ihren Vater gepflegt hat und die damit verbundenen Probleme hautnah zu spüren bekam.

Annelie Wagner von der „Interessenvertretung pflegende Angehörige in Sachsen“. Quelle: Frank Schmidt

„Die Politik hat das Problem Armut durch Pflege erkannt und reagiert darauf. Da ist inzwischen einiges in Bewegung geraten“, freute sich Wagner. Dennoch kritisierte sie unverhohlen, dass diese Veranstaltung noch zu sehr ein „Plätschern an der Wasseroberfläche“ sei. Im Kern müsse es darum gehen, die häusliche Pflege nicht nur attraktiv, sondern auch menschlich zu machen, forderte sie abschließend.

Von Frank Schmidt

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