Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Wunden in der Püchauer Aue
Region Wurzen Wunden in der Püchauer Aue
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:36 19.05.2015
Besuch aus Fernost: Takahiro Sato besichtigt den gebrochenen Deich am Püchauer Schusterbusch. Die Schäden in der Aue sind laut Bürgermeisterin Doreen Lieder (l.) erheblich. Quelle: Simone Prenzel

Das Wasser konnte ungehindert gen Ortschaft fließen und erneut das Unterdorf fluten. An öffentlichen Wegen und Brücken sind die Schäden immens.

Auch Gäste aus der Partnerstadt Linden sind entsetzt: "Es ist unbeschreiblich, was Wasser anrichten kann", meint Günter Weiß, Vorsitzender der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Linden-Warabi, der aus dem Hessischen an die Mulde geeilt ist. Ungläubig steht auch Takahiro Sato aus Warabi, Vertreter der japanischen Partnerkommune Lindens, an der riesigen Bruchstelle. Wo das viele Wasser herkommt - so weit von der Mulde entfernt? Bei strahlend blauem Himmel und Vogelgezwitscher muss der Besuch aus Fernost den Erklärungen seiner Begleiter wohl oder übel glauben. Die Mulde - in Friedenszeiten von hier aus nur zu erahnen - hatte in der Nacht zum 3. Juni mit dem Deich leichtes Spiel. Auf hundert Metern fetzte der Fluss den Damm weg. An einer anderen Stelle fehlen 30 Meter. Wirtschaftswege enden im Nichts, auch vom Mulderadweg, der sonst von Bennewitz kommend in Richtung Canitzer Brücke und weiter via Eilenburg führt, kündet nur noch ein kleines grün-weißes Hinweisschild. Touristen müssten dieser Tage allerdings schon die Eigenschaft haben, übers Wasser zu gehen. Eine Bank, die müde Pedaleure und Angler bislang einlud, ragt wenige Meter weiter aus der braunen Brühe. An einer anderen Sitzgelegenheit türmt sich das Treibgut. "Die Verwüstungen an der öffentlichen Infrastruktur sind mit denen von 2002 vergleichbar", erläutert Doreen Lieder. An Wegen, Brücken und Straßen sind in der Gemeinde Machern Schäden von rund 750 000 Euro entstanden. Unterspült ist die Brücke in der Auenstraße, der Zufahrt in die Flussniederung. Auf einem Feldweg nahe des zerstörten Deiches klafft ein Krater. Auch hier hat die Mulde gewütet.

Unmittelbar vor der Flut war Macherns Bürgermeisterin bei den hessischen Partnern zu Gast und verabschiedete gemeinsam mit Amtsvorgänger Frank Lange den langjährigen Lindener Stadtchef Ulrich Lenz. Dessen Nachfolger erreichte gleich an seinem ersten Arbeitstag ein Hilferuf von Doreen Lieder, die die dramatische Lage schilderte. "Die Stadt Linden hat inzwischen ein Spendenkonto für Machern eingerichtet", freut sich die 40-Jährige über die Solidarität. Bereits 2002 hatten die Lindener 45 000 Euro gesammelt, ein Teil stammte auch aus Warabi, der 70 000-Einwohner-Stadt bei Tokio. Mindestens genau wichtig sei aber auch, den Menschen wieder Mut zuzusprechen, findet Doreen Lieder. Schon aufgeben wollte Hans Berger, dessen Heim im Püchauer Unterdorf die Mulde zum zweiten Mal überflutete. "Ich habe mir eine Wohnung in Eilenburg angesehen", berichtet der Senior, "mich dann aber doch zum Bleiben entschlossen." Eine der guten Nachrichten an diesem Tag.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.06.2013

Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bennewitz/Nepperwitz/Dögnitz/Püchau. Die Flut hat geschafft, was jahrelanges zähes Verhandeln nicht vermochte: Die letzten Unterschriften für den Deichbau zwischen Grubnitz und Dögnitz sind plötzlich da.

19.05.2015

Gerhard Baum macht in Hohburg seinem Namen alle Ehre. Er gilt als der Holzmichel. Schon geht im Ort das Gerücht, der 79-Jährige habe auf seinem Grundstück so viel Holz gestapelt, dass er es bis zu seinem Lebensende nie und nimmer schaffe, alles zu verfeuern.

20.06.2013

Zu Vorwürfen, der 120-Seelen-Ort Nepperwitz sei geopfert worden, um flussabwärts liegende Einrichtungen zu schützen, hat sich gestern Axel Bobbe, zuständiger Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV), geäußert.

19.05.2015
Anzeige