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Wurzen, Grimma und Borna tragen Titel, der gut klingt – in der Praxis wenig bringt

Große Kreisstädte Wurzen, Grimma und Borna tragen Titel, der gut klingt – in der Praxis wenig bringt

Es ist ein Status, der unübersehbar für jeden nachlesbar ist, der sich auf einer Straße dem Ortseingangsschild nähert: Große Kreisstadt. Ein Titel, den im Landkreis Leipzig Wurzen, Grimma, Markkleeberg und Borna führen dürfen und der in der Praxis nur wenig bringt.

Das Grimmaer Rathaus.
 

Quelle: Andreas Röse

Borna/Grimma/Wurzen.  Es ist ein Status, der unübersehbar für jeden nachlesbar ist, wer sich auf einer Straße dem Ortseingangsschild nähert: Große Kreisstadt. Ein Titel, den im Landkreis Leipzig Wurzen, Grimma, Markkleeberg und Borna führen dürfen – im Freistaat Sachsen derzeit insgesamt 50 Kommunen. Ein Titel, der gut klingt, aber in der Praxis wenig bringt, wie sich die Rathauschefs von Borna, Grimma und Wurzen einig sind. Die Gefahr, das schmückende Beiwerk auf dem Ortseingangsschild zu verlieren, ist gleich null.

Auch in Wurzen, das mit seinen aktuell reichlich 16 000 Einwohnern längst unterhalb der Schwelle von 17 500 Einwohnern liegt, die in Sachsen Voraussetzung ist, um Große Kreisstadt zu werden. Dieser Status kann einer sächsischen Kommune ohnehin nicht gegen ihren Willen entzogen werden, heißt es dazu aus dem Dresdner Innenministerium. Das wird also nicht passieren, weiß der Wurzener Stadtchef Jörg Röglin (parteilos). Er darf sich wie seine Amtskollegen in Borna und Grimma auch Oberbürgermeister nennen, das bringt der Staus einer Großen Kreisstadt mit sich. Wurzen erhielt den Status im Jahr 1994, als der Kreissitz nach 42 Jahren muldeaufwärts Richtung Grimma flöten ging. Ein Ausgleich oder ein verbales Trostpflaster, das im Fall von Wurzen lediglich die praktische Konsequenz hat, „dass wir Untere Verkehrsbehörde sind“, sagt Röglin. Heißt: Die Stadtverwaltung Wurzen kann Schilder aufstellen, um etwa einen Straßenabschnitt zur verkehrsberuhigten Zone zu erklären. Röglin räumt deshalb ein, „dass wir nicht so sehr viel mehr Aufgaben übernehmen können als Brandis“. Brandis ist keine Große Kreisstadt. Immerhin hat Wurzen einen gemeinsamen Standesamtsbezirk mit den Gemeinden Bennewitz und Lossatal.

Für Röglins Kollegen Matthias Berger (parteilos) in Grimma ist der Titel Große Kreisstadt verzichtbar. Neben einigen baurechtlichen Möglichkeiten gebe es nicht viel, was sich für die einwohnerstärkste Stadt im Landkreis mit nunmehr über 29 000 Einwohnern an Kapital herausschlagen lässt. Berger erinnert sich noch daran, dass es sich bei der Vergabe des schmückenden Titels um ein Instrument handelte, um 2007/08 die Zustimmung zur Kreisreform zu erreichen. „Große Kreisstadt zu sein, ist nicht wichtig.“ Was zähle, sei der Kreissitz. Das bedeute eine gewisse Zentralisierung, „denn dort sitzt der Landrat“. Grimma habe seinerzeit den Kreissitz auch mit der Begründung der geringeren Zentralität als Borna verloren. Und jetzt würde das Finanzamt von Borna und das Amtsgericht von Wurzen nach Grimma verlagert, „wegen unserer größeren Zentralität“. Berger. „Genaugenommen hätte Borna niemals Kreisstadt werden dürfen.“ Der Verlust, der den Grimmaer Oberbürgermeister auch heute noch schmerzt, habe aber auch positive Nebeneffekte. „Bei uns ist es mittlerweile unpolitisch.“ Die große Politik interessiere sich nicht mehr für die Grimmaer Stadtpolitik.

Borna ist Kreisstadt und Große Kreisstadt. Letzteres die Folge der ersten sächsischen Kreisreform im Jahr 1994. Seither hat die Stadt eine Bauordnungsbehörde. Die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke): „Wir dürfen jeden Bauantrag auf unserer Gemarkung bearbeiten.“ Damit sei Borna die einzige Kommune im gesamten Landkreis. Das habe ihr Vorvorgänger Bernhard Schubert (SPD) seinerzeit beantragt. Ansonsten sei der Titel Große Kreisstadt nicht mehr als schmückendes Beiwerk. Ein Titel, den nach Angaben des sächsischen Innenministeriums im Prinzip jede Kommune im Freistaat beantragen kann, sofern sie 17 500 Einwohner oder mehr hat.

Worauf es ankommt, macht der Wurzener Oberbürgermeister Röglin deutlich. „Dass wir weiterhin Mittelzentrum bleiben.“ Eine landesplanerische Kategorie, die zur Folge hat, dass eine Stadt mit Feuerwehr, Schulen, Altenpflege Einrichtungen und Kindertagesstätten Einrichtungen hat, mit denen sie Funktionen auch für ihr Umland hat. Das stehe aber für Wurzen außer Frage, sagt Röglin. Außerdem ist er stolz, dass Wurzen sozusagen die Boomtown im Landkreis ist. „Wir haben einen familiengeführten Mittelstand, bei uns ist der Euro noch etwas wert.“

Von Nikos Natsidis

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