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Wurzen: Zeuge eines drohenden Völkermordes

Wurzen: Zeuge eines drohenden Völkermordes

„Ich bin fasziniert von dem, was der Mann alles erlebt hat", sagte Sebastian Fleischer voller Respekt und Bewunderung über Rüdiger Nehberg. Der gelernte Bäcker ist bekannt geworden als Globetrotter und gerne bereit, die breite Masse an seinen Abenteuern teilhaben zu lassen.

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Ein Überlebenskünstler erzählt: „Sir Vival“, wie Rüdiger Nehberg auch genannt wird, blickt auf sein Leben als Aktivist und Menschenrechtler zurück.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Und das machte er in der Wurzener Chilibar anhand eines Dia-Vortrages.

„Ich erlebe Nehberg nicht das erste Mal. Und einige seiner Bücher sind bei uns in der Familie der Renner", erzählte Fleischer weiter. „Aber ihn live erzählen zu hören, ist spannender als jeder Actionfilm." Und Margit Aurich meinte, „dass es einfach interessant ist zu erfahren, wie man ohne Zivilisation überleben kann".

In der Tat, Nehberg weiß sich und seine Erlebnisse zu vermarkten. Sowohl in Form zahlreicher Druckerzeugnisse als auch mit seinen Auftritten – wie eben in Wurzen. Dabei tänzelt der 77-Jährige wie ein Youngster ständig auf der Bühne und benutzt beides gleichermaßen stark – sein Mundwerk und seine Arme. Das Publikum war von Beginn an nicht nur dabei, es war mittendrin in den Abenteuern, die Nehberg wortreich rüberbrachte. Dabei erwies er sich als geistreicher aber auch witziger Erzähler, sodass manches gar märchenhaft und unglaublich erschien. Doch mit seinen Dias stellt er das Gesagte auf ein reales Fundament.

„Ich erzähle über mein Leben. Vom Bäcker zum Abenteurer mit all den vielen Reisen, bis hin zum Menschenrechtler, dessen Werdegang von einem tiefen Sinn bestimmt worden ist", sagte Nehberg. Und als wäre es erst gestern passiert – so sehr steht er offenbar noch immer unter dem Eindruck des Erlebten – erzählt er davon, „Zeuge eines drohenden Völkermordes in Brasilien" geworden zu sein. „Da sind Goldsucher gegen die letzten frei lebenden Indianer, die Yonomami-Indianer, vorgegangen." Für sein Tun und Handeln glaubt er weder an Gott noch an Allah. „Ich glaube an eine Schöpfungskraft, aber nicht im Sinne der Religion mit Himmel und Hölle." Und Nehberg will auch nichts wissen von einem Schlüsselerlebnis, das ihn schon als Teenager zum Abenteurer machte. „Das ist mir einfach angeboren. Die Neugier an dieser Welt, der Spaß am Reisen und der Mut zum Risiko – das waren meine Motivationen." Erst nach den Geschehnissen in Brasilien habe ein Umdenken eingesetzt. „Ich hatte Wut auf das, was da passierte. Es hat mich zwar geschockt, aber nie lähmen können. Später machten mich erste Erfolge glücklich. Denn die Indianer haben eine Lobby bekommen. Greenpeace machte mit, Amnesty International machte mit – da mussten die Goldsucher alle raus aus dem Gebiet der Indianer, das so groß ist wie die Schweiz."

Als hätte Nehberg nicht schon genug erlebt – oder wohl gerade deshalb –, gründete er mit seiner Frau Annette die Menschenrechtsorganisation „Target" (steht für Ziel). Damit prangert er die Genitalverstümmelung von Mädchen an. Und was es darüber zu erzählen gab, machte das Publikum im zweiten Teil des Vortrages betroffen. Auch der beeindruckenden Bilder wegen, von denen Nehberg nur die öffentlich zeigte, „die zumutbar sind".

Frank Schmidt

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