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Region Wurzen Wurzen findet neue Form des Gesprächs miteinander
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21:01 15.05.2018
OBM Jörg Röglin und die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates stehen im große Saal des Kulturhauses Schweizergarten den Bürgern Rede und Antwort. Moderiert wurde der Abend von Hartwig Kasten, Präsident des Sozialgerichtes Leipzig. Quelle: Thomas Kube
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Wurzen

Wie beurteilen Sie die aktuelle Stimmung in der Stadt? – Mit dieser Frage eröffnete Moderator Hartwig Kasten, Präsident des Sozialgerichtes Leipzig, im großen Saal des Kulturhauses Schweizergarten eine neue Form der Kommunikation: das Wurzener Gespräch. Der Einladung zur Premiere durch die Stadtverwaltung folgten am Mittwochabend circa 70 Personen, die nicht nur die Gelegenheit zum Zuhören nutzten, sondern vor allem zum Mitdiskutieren. Und zwar unter dem Motto: „Das wird man doch noch sagen dürfen!“

OBM und Abgeordnete stehen Rede und Antwort

Aus Anlass von Demonstrationen in der jüngsten Zeit, Übergriffen auf Flüchtlinge, der Gründung des Neuen Forums für Wurzen, Kritik am Netzwerk für demokratische Kultur, des Angriffes auf zwei Gaststätten und eines negativen Medien-Echos bundesweit standen dem Publikum am runden Tisch „auf Augenhöhe“, wie es Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) formulierte, das Stadtoberhaupt selbst sowie die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates Rede und Antwort – Matthias Rieder (CDU), Heinz Richerdt (SPD), Jens Kretzschmar (Linke) und Sabrina Ryborsch (Bürger für Wurzen).

Stimmung hat sich verschlechtert

In einem waren sich die Gesprächspartner gleich zu Beginn einig: Die Stimmung in der Stadt habe sich deutlich verschlechtert. Aus Sicht von Röglin sei das Vertrauen und die „Akzeptanz der anderen Meinung“ abhanden gekommen. Dennoch, so Rieder, erfahre er gerade im sozialen Netzwerk Facebook sehr wohl, dass Wurzener ihre Stadt mögen. Doch sobald es um politische Themen gehe, werde der Ton rauer.

Nach der blutigen Auseinandersetzung zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen in der Dresdener Straße Anfang des Jahres lag die Stimmung für Kretzschmar am Boden und weckte Erinnerungen an die Zustände wie kurz nach 1990 in Wurzen. Mittlerweile aber, dank verschiedener Veranstaltungen, wachse in ihm wieder Zuversicht.

Versäumnisse auf Bundesebene

Der Unmut bei den Bürgern verwundere keineswegs, betonte Ryborsch. Allerdings sei sie sich sicher: „Was auf Bundesebene versäumt wurde, räumen wir nicht aus dem Weg.“

Kurz darauf richtete Thomas Müller als Erster aus dem Publikum das Wort an die Parlamentarier. Ihm fehle, dass sie etwas für die Stadt bewegen wollen. Zum Beispiel beim Parkkonzept – „wo ist da das Problem?“

Beispiele gelungener Integration

Wolf-Rüdiger Jacoby, Zahnarzt und CDU-Stadtrat, sprach Hass und Gewalt an, die „nicht aus Wurzen kommen, sondern von außen reingetragen werden“. Zugleich übte er Kritik an jenen Ausländern, die sich hier eben nicht integrieren wollen. Kretzschmar stieß die Äußerung bitter auf. Schließlich kenne er viele gute Beispiele gelungener Integration – trotz mancher Probleme. Richerdt hingegen verwies darauf, dass schon aus rechtlichen Aspekten viele Flüchtlinge gar keine Arbeit ausüben dürfen.

Das Stimmungstief begründe sich weniger in der Stadtpolitik als vielmehr in der Bundespolitik, verdeutlichte Martina Schmerler, Geschichtslehrerin am Gymnasium und Stadträtin mit SPD-Mandat. Ihr zum Beispiel falle es zunehmend schwerer, auf Fragen von Schülern zu antworten.

Wille und Akzeptanz als Integrationsmotor

Zum Schluss wollte Moderator Kasten wissen, wer oder was Integrationsmotor sein könnte? Rieder zufolge müsse von beiden Seiten – Deutschen wie Ausländern – der Wille da sein. Und es müsse ebenso akzeptiert werden, wenn das der eine oder andere eventuell nicht will. Dass viele Wurzener Vereine bereits ihren Teil zur Integration beitragen, versicherte für die Turner und Schwimmer der Wurzener Torsten Gläser.

Nach gut zwei Stunden endete die Premiere des Wurzener Gesprächs. Eine Fortsetzung soll demnächst folgen.

Von Kai-Uwe Brandt

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