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19:31 18.11.2012
Demonstrationszug durch die Stadt: Gut 100 Wurzener Bürger laufen friedlich vom Jacobsplatz bis zum alten Friedhof. Quelle: Klaus Peschel
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Wurzen

„Nee, jetzt nicht, ich bin auf der Demo", platzte Punk Lucas genervt in sein wiederholt klingelndes Handy. Der junge Mann aus Wurzen führte den Demonstrationszug an. Angst, Gesicht gegen Rechts zu zeigen, kenne er nicht – und das, obwohl ihm nach einer Bandprobe in Bennewitz schon mal Rechtextreme aufgelauert hätten. Der Wurzener Pfarrer Martin Schiefer fand auf dem Markt deutliche Worte: „Wir haben viel zu lange geschwiegen. Was Neonazis alles anrichten konnten, und keiner will etwas bemerkt haben." Sichtlich bewegt erinnerte Schiefer an die vergangene Silvesternacht: „,Komm‘ raus, du Judensau!‘ hatten sie vor meinem Haus gebrüllt. Es war nicht die einzige Menschenverachtung, die wir hinnehmen mussten." Der Christ rief die Bürger dazu auf, dem „braunen Pack" mit Phantasie und Hoffnung entgegen zu treten: „Lasst uns zusammen stehen, bis die braune Pest besiegt ist. Wir brauchen die Farbe braun nicht in unserer Demokratie!" Schiefer erntete genau so viel Beifall wie Miro Jennerjahn, Landtagsabgeordneter von den Bündnisgrünen: „Das vergangene Jahr war kein einfaches. Das Auffliegen des so genannten Nationalsozialistischen Untergrunds hat viele Fragen aufgeworfen. Fragen nach dem Zustand unserer Demokratie, Fragen nach dem Handeln von Behörden." Vor allem, so Jennerjahn, habe das beinahe abgelaufene Jahr Vertrauen zerstört: „Geheimdienste, die auf ihrem Wissen sitzen und es nicht an Ermittlungsbehörden weiter reichen und die rechtswidrig Akten schreddern. Ermittlungsbehörden, die sich sehr schnell sicher waren, dass es um so genannte Ausländerkriminalität geht und die Angehörigen der Ermordeten kriminalisierten. Die Idee, dass die Taten einen rassistischen Hintergrund haben könnten, wurde großzügig ignoriert." Klaus Meißner, Fraktionsvorsitzender der Linken im Wurzener Stadtrat, verwies auf einen Spruch, der seit Wochen in großen Lettern vor einem Einkaufsmarkt zu lesen sei: „BRD GmbH abschalten, Deutschland erwache!" Und er fragte: „Müssen wir mit diesem braunen Ungeist leben, ihn tolerieren?! Faschisten sind heute wie vor 70 oder 80 Jahren Todfeinde der Demokratie, wie es Goebbels 1933 formulierte." Während Meißner sprach, entzündete Ulrike Ernst an den Stolpersteinen in der Wenceslaigasse kleine Lichter für die dort einst verschleppten jüdischen Mitbürger. Christa Hennicker vom Verein Zuversicht schenkte auf dem alten Friedhof heißen Tee aus. Am Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs bezeichnete Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) Wurzen als bunt. Als Beispiele nannte er die Treffen von Gymnasiasten, Berufsschülern und Sportlern mit Jugendlichen aus europäischen Ländern. „Es stimmt mich hoffnungsvoll, dass wir zum diesjährigen Volkstrauertag keine Anmeldung für eine Nazi-Demo hatten. Wir sollten uns darüber freuen, doch nicht glauben, dass der Spuk vorbei ist." Er wusste, wovon er spricht. Vergeblich forderte er zu Beginn der Veranstaltung zwei Rechtsextreme auf, den Demonstrationszug zu verlassen. Beide schlugen die Bitte in den Wind, liefen mit und legten am Denkmal rote und weiße Nelken nieder.

Haig Latchinian

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