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Wurzen Wurzen lässt Bischof Johann VI. von Saalhausen wieder auferstehen
Region Wurzen Wurzen lässt Bischof Johann VI. von Saalhausen wieder auferstehen
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00:23 24.04.2018
Die stadtbildprägende Pfarrkirche St. Wenceslai wird ab Mai der Standort der Ausstellung. Eigentlich hatte die Stadtverwaltung zunächst das Wurzener Schloss dafür vorgesehen. Jedoch fehlt es dort noch an bestimmten Voraussetzungen.Archiv
Wurzen

Der Termin steht schon fest und ebenso die Optik der Plakate. „Wir sind derzeit dabei, die entsprechenden Verträge für Leihgaben zu unterzeichnen“, informiert Stadtsprecherin Cornelia Hanspach, die zugleich Ideengeberin und Cheforganisatorin der neuen Ausstellung ist. Denn am 21. Mai will Wurzen mit Johann von Saalhausen – Bischof, Bauherr und Landesvater – inner- und außerhalb der Stadtgrenzen die Besucher anlocken.

Für die Schau unter dem Titel „Mein Glaube meine Macht“ hat sich die Verwaltung gleich zwei Fachberater ins Haus geholt – den promovierten Kunsthistoriker Matthias Donath und Pfarrer Heiko Jadatz. Mit im Boot sitzt ferner die Werbeagentur für Innendesign Whitebox. Das junge Team aus Dresden gestaltete unter anderem 2017 die Dauerausstellung „Standfest.Bibelfest.Trinkfest“ im Torgauer Schloss Hartenfels oder 2016 die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ in Weimar.

Das Schloss Wurzen wurde vom Bauherrn Johann von Saalhausen erbaut. Quelle: Frank Schmidt

„Obwohl das Reformationsjahr ja vorbei ist und Luther bekanntlich einen weiten Bogen um Wurzen schlug, wollen wir mit der aktuellen Exposition unseren Teil als Stadt am Lutherweg beitragen und zeigen, worauf wir stolz sein können“, erläutert Hanspach die Beweggründe des Projektes. Eigentlich war das Vorhaben zunächst als Dauerausstellung im Schloss Wurzen geplant. Doch da es dort noch an bestimmten Voraussetzungen fehlt und die Zeit aber drängt, findet die Eröffnung jetzt in der Stadtkirche St. Wenceslai statt.

Was es in drei Monaten unterm Dach des Gotteshauses zu sehen gibt, weiß Hanspach mit Blick ins Whitebox-Konzept nur allzu genau. Vor allem freut sie sich über die Leihgaben, darunter ein Flügelaltar aus Niederstriegis (Landkreis Mittelsachsen) oder ein Messbuch aus Kamenz. Zu den Artefakten rund um das Wirken von Bischof Johann von Saalhausen, dessen Todestag sich 2018 zum 500. Mal jährt, gehören ferner Noten und Schriften, ein Rechnungsbuch des Schlosses von 1519 sowie eine spätgotische Monstranz. Das kostbare liturgische Schaugerät stellt das Hochstift Meißen zur Verfügung. Sämtliche Stücke, so Hanspach, ranken sich folglich mehr oder minder um den katholischen Würdenträger, der 1444 in Thammenhain geboren wurde, und natürlich um die damalige Zeit.

Als Johann VI. übernahm von Saalhausen das wirtschaftlich heruntergekommene Bistum, vermehrte in seiner Amtszeit die Einkünfte und förderte besonders die Landwirtschaft. Darüber hinaus zeichnet sich der Prälat als Bauherr aus. Saalhausen ließ von 1491 bis 1497 das Schloss Wurzen errichten und den hohen Chor des Domes St. Marien. All das und weitaus mehr verankert die Ausstellung, in deren Zentrum ein Turm nach oben ragt, von dem aus Stoffbanner zu den einzelnen Themenkomplexen führen, berichtet Hanspach weiter. Sogar die Eröffnung am 21. Mai habe der Veranstalter, die Stadt Wurzen, mit bedacht gewählt. „Denn Pfingstmontag ist der Tag der Ökumene.“ Insofern werde es wahrscheinlich einen ökumenischen Gottesdienst geben. Im Übrigen, schließt Hanspach, verzichtet der Veranstalter auf Eintritt, sondern bitte lediglich um Spenden für die Stadtkirche.

Wie bereits berichtet, fließt ein Großteil der Ausstellungskosten von insgesamt 113 900 Euro über Zuschüsse durch den Kulturraum Leipziger Raum, der Sparkassenstiftung und des Landkreises Leipzig. 11 400 Euro trägt die Verwaltung aus der kommunalen Tasche. Später sollen verschiedene Exponate den Gästen im Schloss Wurzen die Geschichte der Muldestadt nahebringen.

Dauerausstellung „Mein Glaube meine Macht“ – Johann von Saalhausen, Bischof.Bauherr.Landesvater vom 21. Mai bis 3. Oktober 2018, Stadtkirche St. Wenceslai, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr

Von Kai-Uwe Brandt

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