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Wurzen Wurzen muss sparen: Neue Personalstudie kostet knapp 82 000 Euro
Region Wurzen Wurzen muss sparen: Neue Personalstudie kostet knapp 82 000 Euro
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00:22 28.10.2017
Leere Stuhlreihen im Wurzener Plenarsaal: Weil der Stadtrat im ersten Anlauf aufgrund zu vieler fehlender Stadträte nicht beschlussfähig war, musste die Sondersitzung hinter verschlossenen Türen tags darauf wiederholt werden. Quelle: Archiv
Wurzen

Die Stadtverwaltung Wurzen lässt sich das Erstellen eines Personalentwicklungskonzeptes 81 728,72 Euro kosten. Und zwar mehr als zwei Jahre nachdem das Landratsamt die Kommunalbehörde aufforderte, die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren. Damals im August 2015 reagierte die Rechtsaufsicht in Borna auf die desolate Finanzlage der Muldestadt. So sollte das Stadthaus bis zum 31. Januar 2016 nicht nur ein Haushaltstruktur-, sondern zugleich ein Personalkonzept vorlegen.

Jene Frist ließ sich Wurzen zunächst verlängern, da der Sachsentag vor der Tür stand. Monate später – am 8. Juni 2016 – präsentierte Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) dem Parlament dann endlich ein Papier seines Fachbereichsleiters Thomas Boecker, das aber die personelle Zielvorgabe im Freistaat Sachsen von 2,5 Vollzeitäquivalenten pro 1000 Einwohner mit einer Kennziffer von 3,67 schlichtweg ignorierte. Zugleich sah das Konzept eine neue Organisationsstruktur im Dienstsitz Friedrich-Ebert-Straße 2 vor – nämlich die Verringerung von vier auf drei Fachbereiche. Zumindest diesen Part setzte Röglin mit dem Votum des Stadtrates noch rasch im Dezember 2016 um. Jedoch musste er Ende Januar 2017 seinen Volksvertretern verkünden, dass das Landratsamt die Wurzener Expertise für null und nichtig erklärte, da die Stadtverwaltung auch weiterhin 16 Leute zu viel beschäftige. Weil der erste Versuch mit hauseigener Studie scheiterte, verlangte Borna nunmehr, das Erstellen einem externen und darauf spezialisierten Consultingunternehmen zu übertragen.

Daher schrieb das Stadthaus am 27. Juni die Leistung öffentlich aus. Bis zur Abgabefrist 31. Juli gaben fünf Bewerber ihre Angebote ab. Drei wurden nach Vorprüfung zum Bietergespräch eingeladen, lediglich zwei erschienen am 8. September. Aus Sicht der Verwaltung zeigte sich die Firma B & P – Gesellschaft für kommunale Beratung mbH aus Dresden als „bestens qualifiziert“. Sie soll jetzt nach dem Willen des Stadtrates ein „Organisations- und Personalentwicklungskonzept“ für 81 728,72 Euro brutto erarbeiten sowie Stellenbeschreibungen für je 300 Euro pro Arbeitsplatz.

Allerdings ging die Zustimmung der Volksvertreter keineswegs reibungslos über die parlamentarische Bühne. Die Sondersitzung am 9. Oktober hinter verschlossenen Plenarsaaltüren platzte – aus Mangel an Entscheidungsträgern. Darüber machte sich am gleichen Abend der Fraktionschef der Linken, Jens Kretzschmar, Luft. Im sozialen Netzwerk Facebook schrieb er: „Gerade eben komme ich von einer Sitzung des Wurzener Stadtrates nach Hause. Immer noch aufgebracht über so viel Missachtung eines Stadtparlaments, eines Oberbürgermeisters und vor allem seiner eigenen Wählerschaft. Die größte Fraktion in unserem Stadtrat verweigert faktisch die Mitarbeit.“ Was war passiert? Lediglich zehn von insgesamt 26 Abgeordneten kamen und nur drei von eigentlich 13 aus den Reihen der CDU. „Ein höchst bedauernswerter Zustand ob der wichtigen anstehenden Entscheidung.“ Und weiter appellierte Kretzschmar vorm Hintergrund der Bundestagswahl: „Wir sind gerade vor einem Wahlergebnis erschrocken, das nach meiner Ansicht entstanden ist, weil Politiker aller Ebenen ganze Landstriche sich selbst überlassen haben ... In diese Räume springen immer Demokratiefeinde. Macht es ihnen doch nicht so leicht!“ Die Auseinandersetzung mit Sachthemen sei zwingend notwendig. Und „dazu braucht es die CDU. Wie soll sonst ein demokratischer Schlagabtausch stattfinden? Wie soll der Wähler sonst wählen können?“

Am nächsten Tag nach der gescheiterten Tagung, also am 10. Oktober, setzte Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) sofort den zweiten Termin zum selben Thema an. Mehr Räte als zuvor kamen auch da nicht. Aber im Wiederholungsfall reicht es laut sächsischer Gemeindeordnung, wenn lediglich drei Kommunalpolitiker anwesend sind. Der Beschluss ging trotz Rumpfmannschaft durch.

Von Kai-Uwe Brandt

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