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Wurzen Wurzen weiht Gedenktafel für schwedische Krankenschwester Elsa Brändström ein
Region Wurzen Wurzen weiht Gedenktafel für schwedische Krankenschwester Elsa Brändström ein
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06:00 09.03.2016
Die schwedische Honorarkonsularin Petra Löschke hat die Gedenktafel gestiftet. Quelle: Thomas Kube
Wurzen

Als Leipzigerin würde sie ihr Völkerschlachtdenkmal gern gegen „Wurzens Elsa“ eintauschen, schwärmte Schwedens Honorarkonsulin Petra Löschke vom Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Seit Dienstag ist das Mahnmal im Alten Friedhof um eine erklärende Tafel reicher. Diese weist darauf hin, dass es sich bei der Frauenplastik um die schwedische Rot-Kreuz-Schwester Elsa Brändström handelt: „Sie hatte damals den Künstlern Arthur Lange und Georg Wrba Modell gestanden.“

Zu Ehrung von Elsa Brändström wurde am Kriegerdenkmal im Bahnhofspark zu Wurzen eine Stiftertafel enthüllt.

Heide Ulich, Großnichte von Robert Ulich, Ehemann von Elsa Brändström, reiste aus Berlin an. Sie zeigte sich überwältigt von der Plastik: „Ich bin das erste Mal in Wurzen und kann bestätigen: Ja, es ist Elsa.“ Sie überbrachte die Grüße von Konrad Ulich, dem Stiefsohn von Elsa Brändström. „Er ist 92 und lebt in den USA. Er lässt ausrichten, dass das Denkmal oft Thema in der Familie war.“

Unter den zahlreichen Gästen in Wurzen war auch Schriftstellerin Norgard Kohlhagen aus Hamburg, die ein Buch über Elsa Brändström schrieb und daraus im Wurzener Gymnasium lesen wird. Anwesend auch Ingalill Zeek, Lehrerin der schwedischen Partnerschule in Gävle. Sie unterstützte die Wurzener Schüler bei der Übersetzung der Dokumentation zu Leben und Wirken von Elsa Brändström. „Mit unserem Beitrag in russischer, englischer und schwedischer Sprache beteiligen wir uns am Bundeswettbewerb“, sagte die Wurzener Lehrerin Violetta Wollny.

Oberbürgermeister Jörg Röglin betonte, es bleibe weiterhin das Denkmal der Gefallenen, man werde es nicht umbenennen. „Aber es wird dazu anregen, sich mit dem außergewöhnlichen Leben des Engels von Sibirien auseinanderzusetzen.“ Das Denkmal stehe als Symbol der Hoffnung, des selbstlosen Einsatzes für andere. „Und da wir nun auch wissen, wer der abgebildete Soldat ist, um den sich die Schwester kümmert, steht das Denkmal auch als Symbol der Liebe und der Trauer über den durch Gewalt und Krieg verursachten Tod.“ Heimatforscher Jens Haubner, der seit Jahren hartnäckig zum Denkmal forscht: „Einiges spricht dafür, dass es sich bei dem Soldaten um den deutschen Kriegsgefangenen Rudolf handelt, in den sich Elsa verliebte und der an Typhus gestorben war.“

Norbert Gerntke von der Freiwilligen Feuerwehr Schmeckwitz kam mit drei Kameraden extra aus der Lausitz: „Seit 2008 tragen wir den Namen Elsa Brändström, da sie in unserem Ort ein Sanatorium für Kriegsheimkehrer gründete.“ Sanjaya Karki, ein Arzt aus Nepal, war in Wurzen, um seine Verbundenheit mit Elsa Brändström zu zeigen. Professor Harald Englisch, einstiger Wissenschaftler an der Uni Leipzig, betreut auch den nepalesischen Informatiker Pradip Kahdka, der ebenfalls nach Wurzen kam: „Er arbeitete bereits für Ärzte ohne Grenzen, jene Organisation, in deren Sinne sich Elsa bereits vor 100 Jahren engagierte.“

Staatsminister Sebastian Gemkow schlug den Bogen in die Gegenwart. „Es ist kein Widerspruch, heimatverbunden und weltoffen zugleich zu sein. So wie Elsa Brändström, die in St. Petersburg geboren wurde, Schwedin war und doch so viel für unser Land und seine Menschen getan hat.“ Püchaus Schlossherrin Benita Goldhahn versprach am Dienstag, eine ihrer nächsten Schlossführungen ganz Elsa Brändström zu widmen: „Eine ihrer engsten Freundinnen war Gräfin Alexandrine von Üxküll-Gyllenband, eine Tochter der in Püchau geborenen Valeria von Hohenthal und Tante des späteren Hitlerattentäters Stauffenberg.“

Von Haig Latchinian

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