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Region Wurzen Wurzen wieder im Normalmodus: Antifa-Demo hinterlässt hohe Kosten durch Polizeiaufgebot
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00:18 06.09.2017
Der friedliche Verlauf der Demo wurde immer wieder von Provokationen gestört, wegen derer die Polizei einschreiten musste.   Quelle: Thomas Lieb
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Wurzen

 Die Stimmung in Wurzen – gereizt. Der Antifa-Block aus etwa 350 Teilnehmern fühlte sich durch immer neue Ordnungsauflagen der Versammlungsleitung und der Polizei schikaniert. Als die Polizei die Identität eines Teilnehmers feststellte, weil der einen Aufkleber mit Nazipropaganda von einem Wahlplakat kratzte, war das für die Antifa ein gefundenes Fressen. „Genau deswegen sind wir hier“, tönte es aus den Lautsprechern im Block. Teils sturzbetrunkene Rechtsradikale spielten mit dem Demonstrationszug Hase und Igel – in den Seitenstraßen entlang der Route durch die Wurzener Innenstadt postierten sich die Gegner immer wieder und provozierten. Am Bürgermeister-Schmidt-Platz wird die Situation einmal unübersichtlich, als Wurzener Neonazis die direkte Konfrontation mit den Demonstranten suchen. Das Sicherheitskonzept der Polizei greift – ein Aufeinandertreffen kann in allen Fällen verhindert werden.

Bereits Wochen vor der Demo hatte es in Wurzen Diskussionen über die von Andreas Blechschmidt angemeldete Demo gegeben. Blechschmidt ist ein Sprecher der Hamburger Roten Flora und hatte während des G-20-Gipfels die „Welcome to Hell“-Demonstration mitorganisiert. Unter dem Motto „Das Land – rassistisch, Der Frieden – völkisch, Unser Bruch – unversöhnlich“ solle die 16 000-Einwohner-Stadt bei Leipzig „entnazifiziert“ werden, hieß es in einem Aufruf des Bündnisses.

Ein Großaufgebot der Polizei, etwa 350 Demonstranten, die dem Aufruf des Bündnisses „Irgendwo in Deutschland“ folgten, immer wieder Provokationen von rechten Gegendemonstranten entlang der Strecke und einige bunte Aktionen von Wurzenern, die für eine tolerante und vielseitige Stadt warben – der 2. September in Bildern.

Auf den Flyern, die Demo-Teilnehmer dann am Sonnabend in Wurzen verteilten, wurde unter anderem auf Angriffe auf linke Projekte in Wurzen verwiesen. Auf den Zwischenkundgebungen während der Demonstration klärte das Bündnis über bestehende Neonazi-Strukturen in Wurzen (etwa das Netzwerk um den Rechtsrock-Versand „Front Records“) und Sachsen auf. Zudem forderte die Antifa „die Abschaffung des Tags der Sachsen“. Mit Blick auf das an diesem Wochenende stattfindende Volksfest in Löbau kritisierten die Redner des Bündnisses, dass „der Tag der Sachsen auch Rechtsextremen eine Plattform bietet.“ In Löbau seien „Flüchtlinge ausdrücklich nicht erwünscht“ gewesen, wie in einem Redebeitrag behauptet wurde.

Wie Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) gegenüber dieser Zeitung erklärte, sei ihm aus Sicherheitsgründen davon abgeraten worden, an der Kundgebung teilzunehmen. Über den friedlichen Verlauf war er sichtlich erfreut. „Unsere Erwartungen haben sich bestätigt. Wurzen sah am Sonntag noch so aus wie am Freitag.“ Vor Demo-Beginn ließen mehrere Bürger rund 500 Ballons steigen, um ein Zeichen für ein buntes Wurzen zu setzen.

Am Morgen des Demonstrationstages hatten Unbekannte eine Strohpuppe an einer Eisenbahnbrücke in Wurzen aufgehangen. Auf der Puppe war ein Schriftzug mit den Buchstaben „AFA/FCK“ und auf der Brust ein durchgestrichenes Antifasymbol aufgemalt. Die Polizei ließ die Puppe entfernen – die Antifa bekam sie nie zu Gesicht.

Aus Leipzig waren viele Teilnehmer der Versammlung mit dem Zug angereist und trafen sich vor dem Bahnhof der Ringelnatzstadt. Dort positionierte sich auch eine Einheit des SEK neben einem Wasserwerfer – insgesamt fünf waren nach Wurzen abkommandiert worden. „Das war unnötig und wirkte bedrohlich“, sagte später Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel, die am Samstag in Wurzen mit dabei war. Im späteren Demoverlauf hielt sich die Polizei dann aber spürbar zurück und setzte auf Deeskalation.

„Mehrere Leute haben die Demoteilnehmer verbal provozierte und auch versucht, zu den Demonstranten durchzukommen. Dabei kam es kurz zu vereinzelten Rangeleien“, so Polizeisprecher Uwe Voigt. Das Aufgebot mehrerer Hundertschaften mit (Spezial-)Kräften der Polizeidirektion Leipzig, des Bereitschaftspolizeipräsidiums, des Landeskriminalamtes, des Polizeiverwaltungsamtes, der Polizeidirektion Dresden, der Polizei Thüringen und der Bundespolizei war massiv. Die Polizei rechtfertigte das Vorgehen. Voigt: „Bei größeren Demos werden im Hintergrund immer zusätzliche Kräfte vorgehalten – für den Fall, dass es eskaliert.“

Von Thomas Lieb und Lucas Grothe

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