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Wurzen wird nicht berühmt

Wurzen wird nicht berühmt

Wurzen. In gelben Gummistiefeln steht Matthias Rummer in der Baugrube. Eine Baugrube ist es eigentlich nicht, denn es wird nicht gebaut, sondern geschürft.

. Und: sie ist nur rund 40 Zentimeter tief. Dieser knappe halbe Meter reicht dem Grabungsleiter jedoch, um das zu finden, was die Ahnen der Wurzener und deren Vorfahren im Boden hinterlassen haben. „Wir sprechen von Suchstreifen, in denen wir unsere Untersuchungen machen", erklärt Rummer. Ein zahnloser Bagger hatte die drei bis vier Meter breiten Streifen „repräsentativ" ins Lidl-Gelände gefräst. Zahnlos natürlich, um mögliche Funde nicht zu vernichten.

Tiefer schürften die Archäologen nicht, denn Lidl will seinen Supermarkt auf eine Bodenplatte stellen. Alles, was an möglichen archäologischen Spuren in größeren Tiefen liegen könnte, bleibt vom Baukörper unberührt und damit auch für die Dresdener „Maulwürfe" uninteressant.

Nach der Baggerarbeit kamen zunächst dunkle Bodenverfärbungen zum Vorschein. „Das sind die Bereiche, die für uns Archäologen besonders interessant sind", erklärt Heiermann. „Es sind Spuren, die Menschen hinterlassen haben." In den vergangenen vier Wochen hat Grabungstechniker Matthias Rummer Stück für Stück die Befunde unter die Lupe genommen. „Es lassen sich drei grobe Fundgruppen einordnen", erläutert er. „Wir haben Gruben erschlossen, in denen sich einige wenige Keramikscherben fanden – grün und glasiert. Sie stammen aus der frühen Neuzeit, also aus dem 16. Jahrhundert, der Renaissance oder etwas später. Es könnte sich um Fragmente von Ofenkacheln handeln." Hinweise auf Wohnhäuser gruben die Archäologen nicht aus. Keine Spur also von den Töpferhäusern, die manche Wurzener in diesem Bereich vermuteten? „Nein", lautet Rummers klare Antwort. „Möglich gewesen wär‘ es schon", ergänzt Heiermann, „denn feuergefährliche Gewerke wurde immer außerhalb der Stadtmauern betrieben." Zum Vorschein kam dafür prähistorisches Scherbenmaterial, das aus der Zeit vor der Stadtgründung stammt. „Die gebrannten roten Lehmstücke waren vielleicht mal Teile eines Gewichts eines Webstuhls", vermutet Rummer. Und wie alt sind die Stücke? Der Archäologe lächelt: „Vielleicht um Christi Geburt", um dann nachzuschieben, „plus, minus 500 Jahre".

Insgesamt eine eher magere Ausbeute aus wissenschaftlicher Sicht am Lidlareal. Auch die beiden Gefäßdeponierungen, die poröses Steingut enthielten, das frühestens aus der Renaissance stammt, macht den Kohl nicht fett.

Jetzt beginnt die theoretische Arbeit. Profilzeichnungen, Fotos, Beschreibungen und digitale Messdaten werden in einer Dokumentation zusammengefasst und im Landesamt in Dresden verwahrt.

Unterdessen ist Marcus Dahlem auf die Grabungsstätte geeilt. Der Architekt betreut seit anderthalb Jahren das Projekt für Lidl. Er ist froh über das Fazit, das die Archäologen ziehen: Eine zweite Grabung ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nötig, so dass Lidl im Grunde zeitnah beginnen kann. „Es wird jetzt kurzfristig Gespräche zwischen Stadt und Lidl über die weiteren Termine geben", kündigt Marcus Dahlem an.

Drago Bock

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