Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Wurzen wird nicht berühmt

Wurzen wird nicht berühmt

Wurzen. In gelben Gummistiefeln steht Matthias Rummer in der Baugrube. Eine Baugrube ist es eigentlich nicht, denn es wird nicht gebaut, sondern geschürft.

. Und: sie ist nur rund 40 Zentimeter tief. Dieser knappe halbe Meter reicht dem Grabungsleiter jedoch, um das zu finden, was die Ahnen der Wurzener und deren Vorfahren im Boden hinterlassen haben. „Wir sprechen von Suchstreifen, in denen wir unsere Untersuchungen machen", erklärt Rummer. Ein zahnloser Bagger hatte die drei bis vier Meter breiten Streifen „repräsentativ" ins Lidl-Gelände gefräst. Zahnlos natürlich, um mögliche Funde nicht zu vernichten.

Tiefer schürften die Archäologen nicht, denn Lidl will seinen Supermarkt auf eine Bodenplatte stellen. Alles, was an möglichen archäologischen Spuren in größeren Tiefen liegen könnte, bleibt vom Baukörper unberührt und damit auch für die Dresdener „Maulwürfe" uninteressant.

Nach der Baggerarbeit kamen zunächst dunkle Bodenverfärbungen zum Vorschein. „Das sind die Bereiche, die für uns Archäologen besonders interessant sind", erklärt Heiermann. „Es sind Spuren, die Menschen hinterlassen haben." In den vergangenen vier Wochen hat Grabungstechniker Matthias Rummer Stück für Stück die Befunde unter die Lupe genommen. „Es lassen sich drei grobe Fundgruppen einordnen", erläutert er. „Wir haben Gruben erschlossen, in denen sich einige wenige Keramikscherben fanden – grün und glasiert. Sie stammen aus der frühen Neuzeit, also aus dem 16. Jahrhundert, der Renaissance oder etwas später. Es könnte sich um Fragmente von Ofenkacheln handeln." Hinweise auf Wohnhäuser gruben die Archäologen nicht aus. Keine Spur also von den Töpferhäusern, die manche Wurzener in diesem Bereich vermuteten? „Nein", lautet Rummers klare Antwort. „Möglich gewesen wär‘ es schon", ergänzt Heiermann, „denn feuergefährliche Gewerke wurde immer außerhalb der Stadtmauern betrieben." Zum Vorschein kam dafür prähistorisches Scherbenmaterial, das aus der Zeit vor der Stadtgründung stammt. „Die gebrannten roten Lehmstücke waren vielleicht mal Teile eines Gewichts eines Webstuhls", vermutet Rummer. Und wie alt sind die Stücke? Der Archäologe lächelt: „Vielleicht um Christi Geburt", um dann nachzuschieben, „plus, minus 500 Jahre".

Insgesamt eine eher magere Ausbeute aus wissenschaftlicher Sicht am Lidlareal. Auch die beiden Gefäßdeponierungen, die poröses Steingut enthielten, das frühestens aus der Renaissance stammt, macht den Kohl nicht fett.

Jetzt beginnt die theoretische Arbeit. Profilzeichnungen, Fotos, Beschreibungen und digitale Messdaten werden in einer Dokumentation zusammengefasst und im Landesamt in Dresden verwahrt.

Unterdessen ist Marcus Dahlem auf die Grabungsstätte geeilt. Der Architekt betreut seit anderthalb Jahren das Projekt für Lidl. Er ist froh über das Fazit, das die Archäologen ziehen: Eine zweite Grabung ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nötig, so dass Lidl im Grunde zeitnah beginnen kann. „Es wird jetzt kurzfristig Gespräche zwischen Stadt und Lidl über die weiteren Termine geben", kündigt Marcus Dahlem an.

Drago Bock

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wurzen
  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

24.08.2017 - 06:49 Uhr

Der Fußball-Verband der Stadt organisiert 6500 Spiele pro Jahr. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer des Fußballverbandes der Stadt Leipzig Uwe Schlieder. 

mehr