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Wurzener Ärztin mit der künstlerischen Ader

Malerei Wurzener Ärztin mit der künstlerischen Ader

Allgemeinmediziner Beatrix Göttsching aus Wurzen liebt die Malerei. Ihre Bilder zieren die Praxisräume und verkürzen Patienten die Wartezeit. Auch die Neujahrsgrüße der Ärztin sind handgemalt und etwas ganz Besonderes.

Ärztin Beatrix Göttsching vor einer Auswahl ihrer Bilder. Es sind Motive aus Wurzen und Umgebung.

Quelle: Haig Latchinian

Wurzen. Wovon träumt eine Ärztin nach Feierabend? Klar, von einer heilen Welt. Ob Wachtelberg, Schloss oder Wurzens Silhouette, ob mit Feder, Pinsel oder Ölkreide – von all dem Schönen macht sich Hobbymalerin Beatrix Göttsching ihr ganz eigenes Bild. Die 53-Jährige ist Allgemeinmedizinerin mit ausgeprägt künstlerischer Ader. Kein Wunder, dass ihre Praxisräume in der Albert-Kuntz-Straße beinahe einer Kunstausstellung ähneln.

Über den Tresen gehen längst nicht nur Chipkarten, sondern auch gemalte Neujahrsgrüße der Frau Doktor. Und das seit nun schon knapp 20 Jahren: In diesen Tagen war der vervielfältigte Scherenschnitt von Wurzens Türmen fast genauso begehrt wie sonst nur der gute alte Rezeptschein. Es gibt nicht wenige Patienten, die sammeln inzwischen die gedruckten alljährlichen Wünsche ihrer Ärztin.

Die geliebten Sommerastern vom Wurzener Markt, Sohn Claudius auf der Wagendeichsel stehend, die alte Kaserne am Stadtpark – die meisterhaften Arbeiten an den Wänden verkürzen auch die längste Wartezeit. Die Patienten können nicht nur in der SUPERillu blättern, sondern zudem in den gesammelten Werken ihrer Ärztin.

Mit 17 bewarb sich die im sächsischen Lichtenstein geborene, in Zwickau aufgewachsene und bei Edgar Klier in die Lehre gegangene Hobbymalerin an der Dresdener Kunsthochschule – vergeblich. „Das war keine Schande, da wurden wirklich nur ganz wenige genommen, meist im Alter von 30 plus“, winkt Beatrix Göttsching ab. Sie studierte Medizin, machte ihren Facharzt am Wurzener Krankenhaus und ist seit 1997 niedergelassen. Ihrer heimlichen Liebe, der Malerei, blieb die zweifache Mutter treu: Fürs einstige Informationsblatt der Entbindungsstation entwarf sie das Titelblatt, für einen Sponsorenabend im Gymnasium die Ringelnatz-Collage „Schief ins Leben gebaut“. Und: Kein Ausflug ohne Skizzenbuch im Fahrradkörbchen! Die Meisterin der Aquarelle liebt das Wasser, die Mulde genauso wie die Ostsee: Ihr Sohn Claudius lernte über den Wurzener Schüleraustausch seine Freundin in Schweden kennen. Über vier Jahre lebte er dort, weshalb die Mutter ihn einige Male besuchte und etliche Ansichten Stockholms zu Papier brachte. Dazu immer wieder Bilder von Warnemünde, Barth und vom Darß: „Mein Vater stammt von der Ostsee, als Kind war ich sehr oft da.“

Es gibt Mathematiker, die gute Musiker sind, genauso wie Ärzte auch Künstler sein können – nicht umsonst veröffentlicht die Fachzeitschrift „Der Allgemeinarzt“ eine entsprechende Rubrik. In der Serie „Kunst und Medizin“ wurde unlängst auch die Wurzener Ärztin Beatrix Göttsching vorgestellt. Sie schwärmt von der tief stehenden Sonne am geliebten, fast exotisch wirkenden Spitzberg, von eigens für die Praxisterrasse getöpferten Giraffe, Nashorn und Co., vom erzgebirgischen Schwibbogen, den Ehemann Ekkehard nach ihren Entwürfen gesägt hat.

Während andernorts Patienten nach Kunstfehlern prozessieren, kommt Ärztin Göttsching mit den Wurzenern sogar über ihre Kunst ins Gespräch: „Was gibt es Schöneres?! Das lockert auf und schafft Vertrauen.“

Von Haig Latchinian

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