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Wurzener Brüche sind ein Geheimtipp für Romantiker

Badeseen Wurzener Brüche sind ein Geheimtipp für Romantiker

An Badeseen mangelt es im Landkreis Leipzig nicht. Aber wenn die Sonne hoch am Horizont steht, kann es an den Ufern der Waldbäder und Tagebauseen schon mal eng werden. Dann ist gut beraten, wer die geheimen Badeorte kennt – die Brüche bei Wurzen, verboten schön!

Das Waldbad Mark Schönstädt.

Quelle: Andreas Döring

Wurzen. . Ein Bad muss man sich verdienen. Also rauf aufs Rad und von Wurzen aus durch den Planitzwald bis kurz vor Altenhain gestrampelt. Im dortigen Schwarzen Bruch, so heißt es, kann man sich das Sonnenöl getrost sparen. Ein (Schutz)-Film schwimmt dort ständig auf der Wasseroberfläche. „Als Stifte hatten wir Steinchen reingeworfen. Nach einiger Zeit stieg Öl an der Stelle auf. Dann konntest du beobachten, wie der Fleck mit dem Wind kreiste“, sagt Volker Killisch vom örtlichen Heimatverein, der im Naturschutzgebiet regelmäßig Müll sammelt. Kurz vor Kriegsende sei Teermasse aus den bombardierten Leuna-Werken in den stillgelegten Steinbruch gepumpt worden. Wenig später, die Amis waren schon da, sei der Bruch in Brand geraten. Die verrußten Wände hätten dem Schwarzen Bruch seinen Namen gegeben. Ein erfrischendes Bad – reine Geschmackssache, vor allem schnuppert man das Öl noch immer. Der Blaue Bruch ist eine echte Alternative. Das Wasser schimmert blau, solange der Himmel blau ist. Keine Menschenseele, das ist verlockend. Nichts wie rein! Zum Glück klärt Volker Killisch erst hinterher auf: Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher alias Peter Sodann hat hier schon mal ermittelt. „Tiefer Fall“ hieß Folge 601 – der achtjährige Tommy wird tot im Waldstück gefunden ... Gruslig.

Beide brachen auf zu neuen Ufern: Der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus entdeckte 1492 Amerika – der Leipziger Wandersmann F. W. Franke vor über 175 Jahren die Hohburger Schweiz. Franke schwärmte in seinen Reisebeschreibungen von Löwenberg und Bärenloch, Bischofsschloss und Geheimgang, von Quellen mit siedendem Wasser und Fernsichten, die so weit reichten, dass man durch ein gutes Fernrohr gar die Schiffe auf der Elbe bei Torgau „gehen“ sah. Zwar hätte F. W. getrost als Bruder von Münchhausen durchgehen können, aber bei aller Übertreibung: wunderschön ist es hier an der Wurzener Seenplatte. Gefühlt alle fünf Minuten erreichst du den nächsten idyllischen ehemaligen Steinbruch mit kristallklarem Wasser. Wo genau die vielen blauen Augen blinzeln, soll ein Geheimnis bleiben, sonst wären die wildromantischen Seen, die fast an die Rocky Mountains erinnern, ja auch kein Geheimtipp mehr. Und außerdem: „Das Baden dort ist verboten“, warnt Stefan Rüppel von der Lüptitzer Basalt AG. Die Brüche seien tief, die Fluten entsprechend kalt. An den Klippen könne man abstürzen, auf den Felsvorsprüngen abrutschen. „Wenn was passiert, kann dir kaum einer helfen, es gibt keine Rettungswege. Deshalb sind Verbotsschilder und Zäune aufgestellt.“ Kurz: Verboten schön, die Brüche bei Wurzen.

Zwischen Kleinzschepa und Röcknitz liegt etwa der Haasensbruch, benannt nach dem einstigen Steinbruchsbesitzer Haase mit Doppel-a. Als ich ankomme, legt der gleichnamige „Hoppel“ mit einem ,a’ die Ohren an und ergreift hinter Kieshalden die Flucht. Das Wasser ist türkisblau. Matthias Müller vom Steinarbeiterhaus Hohburg weiß, dass es hier schon zu DDR-Zeiten FKK gab und es sich auch herum gesprochen habe. Christian Fest, ein junger tollkühner Wurzener, erzählt, dass er früher mit Kumpels von ganz oben runter gesprungen sei: „Wir hatten die Werbung vom Duschbad Cliff nachgespielt“, lacht er. Auf dem Weg zum einzigen Einstieg geht es durch hohes Gras. Achtung: Zeckengefahr!

Der Wolfsbruch, im Volksmund Wolfser genannt, ist die „große Badewanne“ der Lüptitzer. Von oben aus sieht man Schwärme mit riesigen Fischen. Es ist ein bisschen wie Seaworld in San Diego oder wie im Meereskundemuseum Stralsund. Das Angeln aber ist nur mit Vereinskarte des SFV Hohburg erlaubt. Sauberkeit ist groß geschrieben. Alle paar Meter hängen blaue Abfalltüten. Den Einstieg erleichtert aufgeschütteter Kies. Uwe Weigelt, Bürgermeister der Gemeinde Lossatal, weist darauf hin, dass hier genauso auf eigene Gefahr gebadet wird wie in der Kaoline bei Hohburg und im ehemaligen Waldbad in Mark Schönstädt. Die Qualität des Wassers werde regelmäßig überprüft, sagt Weigelt. Die Kommune habe sich einiges kosten lassen, den Weg rund um den Kaolinsee durchgängig passierbar zu machen. Erst letztens wurde bei einer spektakulären Aktion die Brücke „eingeschwommen“. Es gibt schmucke Bungalows, Liegewiesen und einen kleinen Sandstrand. Tipp: Je früher in der Saison man in der Kaoline badet, desto klarer das Wasser. Irgendwann ist der lehmige Untergrund so stark aufgewühlt, dass es trüber wird. Idylle pur in Mark Schönstädt: Wenn du einen Indianerfilm drehen möchtest, ist das hier der beste Ort. Es scheint fast so, als würde Gojko Mitic oben im dichten Wald stehen, um sich mit kühnem Köpper jeden Moment in die glasklaren Fluten zu stürzen. Der See hat eine Insel in der Mitte, Bänke und Müllkübel. Außerdem eine Waldbühne, wo früher Kinofilme über die Leinwand flimmerten. Und die einzig erhaltene Steinarbeiterkantine weit und breit.

Wem das alles viel zu abenteuerlich ist und wer lieber Eintritt zahlt, der ist im Naturbad Luppa genau richtig. In der einstigen Kiesgrube herrschen in einem Meter Tiefe derzeit 23 Grad Celsius Wassertemperatur. Bei Lufttemperaturen ab 20 Grad ist täglich von 9 bis 20.30 Uhr geöffnet. Pro Nase kostet der Spaß zwei Euro, Kinder bis sieben Jahre dürfen gratis rein. Wer Geld sparen möchte, kommt mit dem Rad, dann entfallen die Parkgebühren von zwei Euro. Pächter Holger Kühn bietet Volleyball, Fußball und Tretboote. „Die Wasserqualität ist ausgezeichnet, drei Punkte vom Amt“, freut sich der Betreiber, dessen Stammgäste nicht nur aus der Region, sondern sogar aus Zwickau, Chemnitz und der Sächsischen Schweiz anreisen. Sollte es am Vortag ein starkes Begängnis gegeben haben, zieht der Herr des Sees ganz früh am Morgen den Sandstrand mit der Egge ab. Ja, es ist ein bisschen wie am Meer. Nur grüßt am Horizont nicht der Leuchtturm, sondern der Aussichtsturm des Oschatzer Collms.

Von Haig Latchinian

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