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Wurzener Gefallenendenkmal erhält Stiftertafel wieder – als Duplikat

Relief in Beton Wurzener Gefallenendenkmal erhält Stiftertafel wieder – als Duplikat

Stippvisite in Großzschepa: Mitten in der Werkstatt von Joachim Hahn liegt auf dem Boden der Kautschukabdruck der Hermann-Ilgen-Stiftertafel. Gleich links davon das bronzene Original, welches unbekannte Täter am 11. Juni 2013 aus der Verankerung am Gefallenendenkmal auf dem Alten Friedhof rissen.

Besuch im Bauunternehmen Hahn: Firmenchef Joachim Hahn (l.), Stadtchronist Wolfgang Ebert (M.) und der Vorsitzende des Wurzener Geschichtsvereins, Jürgen Schmidt begutachten den Abdruck der Ilgen-Stiftertafel in Großzschepa.
 

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen/Großzschepa.  Mitglieder des Wurzener Geschichts- und Altstadtvereins fanden tags darauf die Tafel im Gebüsch. Den Dieben war die über 30-Kilogramm-Platte wohl zu schwer, sie ließen sie einfach liegen. Seither bemüht sich der Geschichtsverein darum, das bedeutende Denkmal wieder zu komplettieren.

Zuletzt mahnte Jürgen Schmidt, Altbürgermeister und Vereinschef, per Brief an Stadtoberhaupt Jörg Röglin (parteilos) eine rasche Lösung an (die LVZ berichtete). Und schlug zugleich vor, hierfür den 8. März zu nutzen. An diesem Tag soll im Beisein von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) und Honorarkonsulin Petra Löschke der schwedischen Krankenschwester Elsa Brändström gedacht werden, die als Skulptur vor dem sterbenden Soldaten dargestellt ist. Die kritischen Worte des Geschichtsvereins fruchteten. Mittlerweile wurde der Auftrag vom Stadthaus ausgelöst und an das Bauunternehmen Hahn in Großzschepa vergeben. Eben hier erkundigten sich jetzt Schmidt und Stadtchronist Wolfgang Ebert zum Stand der Arbeiten.

Firmenchef Hahn legt übrigens selbst Hand an, erklärt seinen neugierigen Gästen, dass die Ilgen-Tafel aus speziellem Beton gegossen wird. „Mit einem hohen Zementanteil und ganz feinen Glasfasern.“ Dafür verwendete der 60-Jährige zunächst einen Kautschukabdruck vom Original, der zwei Tage aushärten muss. „Die anthrazit-farbene Oberfläche des Gusses wirkt später wie Naturstein und patiniert mit der Zeit.“ Auf dem Relief zu sehen sind die Porträtköpfe Hermann Ilgens und seiner Frau Anna Mathilde, geborene Steffen. Von der Tafel ließ der Apotheker und spätere Mäzen – der 1856 in der Altstadt 9 geboren wurde und 1940 in Dresden verstarb – gut und gern zwei Dutzend anfertigen, erzählt Vereinsvize Ebert. „Heute gibt es nur noch drei oder vier – in Leipzig und Dresden.“ Schon deshalb nimmt der Geschichtsverein die Wurzener Rarität nunmehr in Obhut und sorgte für das Duplikat am Denkmal.

Bereits im Vorfeld hatten Schmidt und Ebert ihr Vorhaben mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt und fanden im verantwortlichen Mitarbeiter Tim Tepper einen wohlwollenden Unterstützer. „Auch Herr Tepper vergewisserte sich bereits vor Ort von unserem Projekt“, so Schmidt. Hahns Wissen und Geschick überzeugten. Kein Wunder, denn die Referenzliste des Betriebes ist lang und voller historischer Gebäude, denen der Hochbaumeister und seine Mitarbeiter wieder zu früherem Glanz verhalfen. Dazu gehören das Leipziger Hôtel de Pologne in der Hainstraße, das Salamanderhaus in der Petersstraße, das Wohnhaus von Kurt Masur oder die Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. Doch nicht nur außerhalb der Kreisgrenzen hinterließ die Firma ihre Spuren, sondern ebenso in Wurzen – am Schloss und Stadthaus sowie am Gebäude der ehemaligen Ringelnatz-Buchhandlung, Markt 11. Bevor sich Hahn Anfang 1994 selbstständig machte, arbeitete er bei der einstigen Elbo Bau AG in der Dresdener Straße. Heute beschäftigt er acht Leute.

Auf die letzte Frage an Schmidt, wer die Stiftertafel eigentlich finanziert, antwortet er: „Das Geld kommt von der Stadt, sie ist Eigentümer. Wir als Geschichts- und Altstadtverein fühlen uns diesem kunsthistorisch einmaligen Denkmal verpflichtet und wollen es deswegen vollständig sehen.“

Von Kai-Uwe Brandt

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