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Wurzener Geschichte(n) in Wort und Bild

Wurzener Geschichte(n) in Wort und Bild

Die Serie "Geschichte(n) aus dem Wurzener Land" findet Zuspruch. Ihren Ursprung hat sie im 2011 erschienenen Buch "ZeitReise. 1050 Jahre Leben in Wurzen und der Region".

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Wulf Skaun

Quelle: Andreas Röse

Wurzen. Darin erzählte Geschichten werden in der Serie weitergesponnen und um neue ergänzt. Anlass genug, mit Wulf Skaun, Mitautor der "Wurzener Land"-Chronik, zu sprechen.

Frage: Als Leipziger Stadtredakteur kannte ich die Zeit Reise Leipzig. Wie kam es zu einer Wurzener Ausgabe?

Wulf Skaun: Der Göttinger Verlag ASTtext+bild Medien GmbH hatte in seiner Edition ZeitReise bis dato im Osten nur Großstädte "porträtiert": Berlin, Leipzig, Magdeburg, Halle. Das Wurzen-Buch hat Klaus Richter initiiert. Der Göttinger, der 1992 als Notar hierher kam, hatte seiner zweiten Heimat schon als Pionier des Verschönerungsvereins und Rotarier Gutes getan. Zum 1050. Stadtjubiläum gewann er AST-Verleger Andreas Stephainski und LVZ-Regionalverlagsleiter Heinrich Lillie als Herausgeber für das Zeit Reise-Projekt Wurzen.

Und wer holte dich, Altersrentner seit 2010, als Mitautor ins Boot?

Mein Ex-Chef Heinrich Lillie traute mir im Februar 2011 die Aufgabe zu, bis August 60 Seiten der Chronik in Wort und Bild für die Zeitspanne 1945 bis 2011 zu übernehmen. Er wusste ja, dass ich 18 Jahre LVZ-Redakteur in Wurzen und der Region gewesen war.

Dennoch war das für dich eine unbekannte Herausforderung , oder?

Ja, in mehrfacher Hinsicht. Zunächst hatte ich geschichtsträchtige Jahresdaten für die Zeitleiste von 1945 bis 2011 festzulegen. An sie waren Geschichten von Wurzenern und Leuten der Region "anzudocken". Die "Zeittafel" von Stadtchronist Wolfgang Ebert half mir.

Und die nächste Herausforderung?

Bestand darin, die Ortsgeschichte in die Welt-, ost- und westdeutsche Historie einzuordnen. Als Orientierungshilfe für die Zeitgenossen, als Grundlage für die Nachgeborenen, allgemeine Zusammenhänge und Determinanten für die konkrete Entwicklung ihrer Heimatstadt zu verstehen. Das erforderte Hintergrundstudien historischer und sozialpolitischer Quellen und zeitfressende Recherchen in den Archiven von LVZ, Heimatmuseum, Geschichts- und Altstadtverein. Die Suche nach aussagefähigen Fotos geriet zu Erkundungstouren durchs Wurzener Land.

Besonders schwierig dürfte die Auswahl von Zeitzeugen gewesen sein, gerade für die Ära kurz nach 1945?

Ja, es waren Senioren zu finden, die bereit waren, über ihre Erkenntnisse, Erfahrungen und Erlebnisse zu erzählen. Ich danke allen, die mir dabei halfen. Viele Gesprächspartner habe ich vorher nicht einmal ihrem Namen nach gekannt. Vor allem danke ich jenen, die geduldig berichteten, in persönliche Dokumente Einblick nehmen ließen, alte Fotos hervorkramten. Unter ihnen Zeitzeugen, die sich eigentlich nie mehr öffentlich äußern wollten.

Das hört sich nach einem Kraftakt an. Gab es auch Schaffensfreuden?

Im Übermaß. Von meinen Gesprächspartnern lernte ich mehr über Wurzener Land und Leute als in 18 Jahren als Lokalredakteur. Ich hob Informations- und Fotoschätze, die selbst Heimatkundeprofis entzückten. Von den Bergen an Auskünften konnte ich nur die Gipfel für das Buch abtragen. So wuchs die Idee, "Übriggebliebenes" in einer Geschichten-Serie aufzubereiten. Freude bereiteten mir vor allem die Erzähler selbst, ihre Verbundenheit mit Heimatstadt und Region, ihr Engagement für die Chronik, ihr Vertrauen in mich, die oft sehr persönlichen Auskünfte verantwortungsbewusst zu verwenden.

Frust kam beim Schreiben nie auf?

Es hat schon Verstimmungen gegeben, wenn gravierende Unterschiede in der Wahrnehmung von Dingen oder Personen zu Änderungen am Manuskript führen sollten. Allein die Auswahl der Jahre und Ereignisse, der Umfang ihrer Darstellung, ihre layouterische Präsentation sind, wie wir Journalisten sagen, nonverbale Wertungen und Bewertungen. Auch dass die Begrifflichkeiten nicht immer übereinstimmten, war eine zwangsläufige Folge der unterschiedlichen Sozialisierungen von Herausgebern und mir. Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk von west- und ostdeutschen Akteuren mit ihren unterschiedlichen Weltanschauungen.

Zeit Reise rühmt sich, eine ganz andere Art der Rückschau zu sein als tradierte Ortschroniken...?

Fachwort Infotainment. Wir erzählen Geschichte unterhaltsam, eben auch mittels Geschichten, und nehmen den Leser in knapper, frischer Sprache und mit vielen, zum Teil erstmals gezeigten Fotos und anderen Illustrationen auf die Reise durch die Zeiten mit. Ich kenne keine Chronik, die diese Lebendigkeit, der seriöse Recherche zugrunde liegt, prägt. So konzentriert in der Sache und so vielfältig in der Anschauung erfährt man Wurzens Geschichte nirgendwo anders. Mich freut, dass der in Wurzen gebürtige Komponist und Musikwissenschaftler Professor Hannsgeorg Mühe das Buch einen "schönen Prachtband" genannt hat.

Journalisten agieren gern mit Fakten und Zahlen. Hast du solche für die ZeitReise Wurzen?

Das Buch über die Kleinstadt Wurzen hat mit 185 Seiten denselben Umfang wie das über die Großstadt Halle. Wie in Halle mit rund 234000 Einwohnern, haben auch in Wurzen mit unter 17000 Seelen 40 Betriebe, Institutionen und Gewerbetreibende das Projekt mitfinanziert. Spitze unter allen ZeitReisen dürfte die Zahl der Personen mit ihren Klarnamen sein. Allein auf meinen 60 Seiten mit 250 Fotos werden 353 Personen genannt - als Erzähler, zeitgenössische Akteure, als konkrete Subjekte der Geschichte.

Die Wurzener Land-Geschichte(n) als fortgesetzte ZeitReise - können unsere Leser noch weitere erwarten?

Bisher gab es 35 Folgen. Ich hoffe, noch manche Hirn und Herz bewegende Geschichte aufschreiben zu können.

Interview: Kai-Uwe Brandt

iDie ZeitReise ist für den Preis von 19,50 Euro in der Geschäftsstelle der LVZ Muldentalzeitung in Wurzen, Badergraben 2c, erhältlich sowie in jeder Buchhandlung - ISBN 978-3-9814391-1-3.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2013

Kai-Uwe Brandt

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