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Wurzen Wurzener Gotteshaus erhält 2018 drei neue Glocken aus Bronze
Region Wurzen Wurzener Gotteshaus erhält 2018 drei neue Glocken aus Bronze
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00:20 07.08.2017
Die Stadtkirche St. Wenceslai: Im Herbst 2014 wurden an der Aufhängung, dem Glockenjoch, irreparable Risse entdeckt. Außerdem zeigten sich an den drei Stahlglocken, die erstmals am 31. Juli 1919 schlugen, sogenannte Lunker – Hohlräume, die das Metall von innen nach außen rosten lassen. Quelle: Foto: Andreas Döring
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Wurzen

Voraussichtlich 2018 schlagen im 54 Meter hohen Turm der Stadtkirche St. Wenceslai die neuen Glocken. Denn dank eines Hauptsponsors konnte die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde und der Förderverein des Gotteshauses nunmehr die Sammelaktion fürs neue Geläut abschließen. Zum Namen des Förderers schweigt Hans-Otto Jurich. „Er will nicht genannt werden, und seiner Bitte entsprechen wir gern“, so das Vorstandsmitglied des Fördervereins.

„Natürlich sind wir froh über den Abschluss der Aktion“, fügt der 69-Jährige an. Immerhin hieß es noch Anfang des Jahres im Gemeindebrief, dass von den benötigten 165 000 Euro für drei neue Glocken und einen Glockenstuhl aus Eiche etwas über 70 000 Euro fehlen. 50 000 Euro steuert die Landeskirche bei und 43 000 Euro akquirierten die Organisatoren in den Monaten zuvor.

Das heutige Glockentrio aus Stahlguss wurde als Ersatz für die 1917 eingeschmolzenen Bronzeglocken vor fast 100 Jahren installiert – am 31. Juli 1919. Die Größte misst 190 Zentimeter und wiegt 2,7 Tonnen, die Mittlere ist 148 Zentimeter hoch und bringt 1,25 Tonnen auf die Waage. Selbst die Kleinste hat ein Gewicht von 700 Kilogramm und kommt auf 124 Zentimeter. Alle drei Glocken stiftete einst August Wilhelm Kaniß (1847 – 1927), Besitzer des Drahtseilwerkes an der Dresdener Straße.

„Die Zeit hinterließ ihre Spuren“, berichtet Jurich. So zeigten sich im Herbst 2014 irreparable Risse am ebenfalls stählernen Joch. Die mittlere Glocke musste außer Betrieb genommen werden. „Außerdem stellten wir sogenannte Lunker fest. Das sind Hohlräume, die beim Gießen auftreten, wodurch das Metall von innen nach außen rostet.“ Daher entschieden sich die Kirchgemeinde und der Förderverein, die Glockenanlage zu erneuern. Es folgten umfangreiche Untersuchungen zum Schwingungsverhalten und statische Berechnungen. Metallgestalter Peter Luban aus Rößnitz (Vogtlandkreis) erhielt den Auftrag zur künstlerischen Gestaltung und legte im Vorjahr seinen Entwurf dem Glockenausschuss vor, in dem auch Jurich sitzt. „Seit Januar 2016 liegt die Baugenehmigung vor.“

Doch bei allem galt es von Beginn an Spenden zu sammeln und Sponsoren zu gewinnen. Schließlich, so Jurich, sei dies vor circa 30 Jahren schon einmal gelungen. Mit Hilfe der Wurzener Bürger gelang es, die vom Verfall bedrohte Stadtkirche zu sanieren und das Hauptschiff für Veranstaltungen und Ausstellungen zu nutzen. Zum Beispiel stellte der Wurzener Metalldrücker Christoph Müller fürs aktuelle Projekt kleine Handglocken aus Messing her, die für 15 Euro verkauft wurden. Eine Versteigerung zum Kirchweihfest 2015 und das ein Jahr später durchgeführte Kirchweihkonzert sowie viele große und kleine Beträge trugen zum Wachsen der Summe bei.

„Momentan wird die Ausschreibung durch den Glockensachverständigen vorbereitet“, erläutert Jurich. Und danach der Auftrag ausgelöst. Jedoch richtet sich die Gemeinde auf eine gewisse Wartezeit bis zur Herstellung der Glocken ein, da es nur wenige Fachfirmen gibt und diese volle Auftragsbücher haben. „Insofern gehen wir 2018 von der Glockenweihe aus.“ Übrigens, so Jurich, erhält die Stadtkirche dann wieder Bronzeglocken wie vor 1917. Aber ein Problem stehe noch an. „Wir wissen bislang nicht, wie wir die große, über zweieinhalb Tonnen schwere Glocke aus dem Dachstuhl nach unten bringen können.“

Nach der gelungenen Spendenaktion machen die gut 70 Mitglieder des Fördervereins „St. Wenceslai“ mit ihrem Vorsitzenden Carl Rößler weiter. „Nach der Trockenlegung der Außenwände im Vorjahr benötigt der Altarraum eine neue Heizung.“ Zudem plant die 1994 gegründete Gemeinschaft das Verfugen der Risse und einen frischen Anstrich für das Gewölbe.

Von Kai-Uwe Brandt

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