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Wurzener Land: Feuerwehrübung im großen Stil

Säurefässer und Waldbrand Wurzener Land: Feuerwehrübung im großen Stil

Gerichshain, Wurzen, Röcknitz. In diesen drei Orten dominierte in den letzten Tagen das Blaulicht. Eine groß angelegte Unfallübung mit eingebundener Rettungskette des Krankenhauses sowie eine Katastrophenschutzübung des Landkreises mit 140 Feuerwehrleuten wurden absolviert.

In Gerichshain, Wurzen und Röcknitz wurden groß angelegte Unfallübungen absolviert.

Quelle: Frank Schmidt

Machern/Wurzen. Gerichshain, Wurzen, Röcknitz. In diesen drei Orten dominierte in den letzten Tagen das Blaulicht. Bereits am Donnerstagabend absolvierte die Gemeindefeuerwehr Machern mit etwa 50 Einsatzkräften eine groß angelegte Unfallübung und hatte dafür auch die Rettungskette des Krankenhauses Wurzen eingebunden. Am Sonnabend fand in der Gemeinde Thallwitz eine Katastrophenschutzübung statt, für die 140 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus zwölf Orten des Landkreises ihre Freizeit opferten.

Am Donnerstagabend absolvierte die Gemeindefeuerwehr Machern mit etwa 50 Einsatzkräften eine groß angelegte Unfallübung und hatte dafür auch die Rettungskette des Krankenhauses Wurzen eingebunden.

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In Gerichshain, so das Szenario, kollidierten zwei Pkws in einer Kurve, ein Auto lag auf der Seite. Alle vier Insassen - in jedem Pkw zwei - wurden schwer verletzt. Für die praxisnahe Übung wurden die Unfallopfer von Philipp Pätz und Tobias Ude so geschminkt, dass die Einsatzkräfte nicht sofort den Übungscharakter erkennen konnten. "Ich habe mit Eintreffen der Feuerwehr um Hilfe gerufen und an deren Reaktion erkannt, dass sie nichts ahnten", war sich Kevin Rudolph als einer der Probanden sicher. Da er sich gerade in der Ausbildung zum Notfallsanitäter befindet, sei für ihn die Opferrolle interessant gewesen, sagte der im Auto eingeklemmte 21-Jährige.

Zu dieser Zeit lag Fabian Maier noch in der Wanne. "Mit dem Alarm habe ich nur an eines gedacht: Du musst jetzt raus und helfen", entschloss er sich, sein Adamskostüm gegen die Einsatzkluft einzutauschen. Am Einsatzort notierte Gemeindewehrleiter David Kolodziej "sehr gute drei bis vier Minuten bis zum Eintreffen der ersten Kameraden." Sofort begann die Rettung. "Die Unfallstelle ist von der Einsatzleitung gleich in zwei Schwerpunkte gesplittet worden - Pkw 1 und Pkw 2. So konnten noch vor Eintreffen der Sanitäter die Opfer gesichtet und betreut werden", stellte Kolodziej fest. Ein anderer Schwerpunkt war die Sicherung der Unfallstelle. "Das hat für den Eigenschutz der Kameraden Vorrang", ließ Gruppenführer Axel Maune aus Machern wissen. Mit der Alarmierung versuchte Manuel Mayer alles auszublenden. "Klar macht man sich so seine Gedanken, was da passiert sein könnte. Aber am Einsatzort schaltet man um und funktioniert einfach", bestätigte er, der als Einsatzleiter fungierte.

Das galt auch für die medizinische Erstversorgung der Unfallopfer samt Abtransport ins Krankenhaus. Dort kümmerten sich gut ein Dutzend Ärzte und Schwestern um die Verletzten. Das Fachsimpeln unter den Medizinern war Indiz dafür, dass auch hier der Ernstfall geprobt wurde. Wichtig dabei war die Kommunikation zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst, bestätigte der leitende Arzt Markus Wehner. Denn vier Verletzte auf einmal seien schon eine "ungewöhnliche Schadenslage". Und da stieg freilich der Adrenalinspiegel, habe die langjährige leitende Notfallschwester Bettina Mühlner die Erfahrung gemacht. "Dann kommt es auf die Organisation an. Was habe ich an Personal zur Verfügung und was zur Reserve? Denn der normale Krankenhausbetrieb darf unter so einer Situation nicht leiden."

Die Katastrophenschutzübung hat sich auf den Raum Röcknitz konzentriert. Hier sah das Übungstagebuch vor, einen Waldbrand unter Kontrolle zu bringen. Dafür musste vom Freibad Böhlitz ausgehend, eine bis zu drei Kilometer lange Wasserversorgung aufgebaut werden. Zudem wurde ein Gefahrstoffaustritt im Gelände des Röcknitzer Spezialbetriebes für Bohr- und Sprengtechnik Maxam simuliert. Auf einem Lkw drohten falsch gelagerte und beschädigte Fässer mit Essigsäure zum Problem für Mensch und Umwelt zu werden.

Am Sonnabend fand in der Gemeinde Thallwitz eine Katastrophenschutzübung statt, für die 140 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus zwölf Orten des Landkreises zur Verfügung standen.

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Dieses Szenario bedurfte einer straffen Organisation. Dafür ist erstmals eine neue Führungsebene geprobt worden, die auf Erfahrungen beruhen, welche der neue Kreisbrandmeister Nils Adam aus der Berufsfeuerwehr mit eingebracht habe, war von Jürgen Jubisch zu erfahren. Demnach, so der 56-jährige Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt weiter, sei es ganz gleich, wo ein Schadensereignis eintritt: die örtlichen Feuerwehren wären logischerweise immer zuerst vor Ort. Im Bedarfsfall würden Katastrophenschutzeinheiten hinzugezogen.

Die neue Hierarchie sieht nun vor, so fuhr Jubisch fort, "dass die zuerst eintreffende Feuerwehr den Einsatz führen soll. Dafür müssen die Kameraden eine Führungsstruktur aufbauen, ähnlich einer technischen Einsatzleitung. Angenommen das Schadensereignis ufert aus, könnte man die Führung über den Einsatzleitwagen zur technischen Einsatzleitung aufwachsen zu lassen." Ortskenntnisse der installierten Einsatzleitung sei ein wesentlicher Vorteil der neuen Führungsebenen.

Doch die funktioniert nur dank vieler ehrenamtlicher Kameraden, darunter auch Frauen, die beispielsweise beim simulierten Waldbrand am C-Schlauch ihren Mann standen. "Wenn ich heute hier bin, kann ich zu Hause nicht putzen", witzelte Ines Friedrich aus Röcknitz. "Aber das ist nicht das erste Mal in den 27 Jahren, in denen ich schon bei der Feuerwehr bin", ließ sie aufhorchen.

Aus dem fiktiven Gefahrenbereich und in voller Montur, das heißt im schweißtreibenden Chemikalienschutzanzug (CSA), kehrten Heiko Panitz und Vitali Benn zurück und mussten sich einer Dekontaminierung unterziehen. Von oben bis unten sind sie von Dritten abgespült worden und mussten zudem durch eine Art Duschzelt. Danach erst durften sie sich auspellen. "Die Sauna kann ich mir heute sparen", hatte Panitz einen lockeren Spruch auf den Lippen. Obwohl auch der 26-Jährige das Wochenende anders hätte gestalten können. "Kino fällt wohl heute aus. Aber das ist okay, denn Feuerwehr hat mich schon immer begeistert, es ist eben mein Hobby. Und Motivation ist der Kick, helfen zu können, Menschenleben zu retten." Genau das wusste der Kreisbrandmeister zu schätzen. "Was hier ehrenamtlich geleistet wird, ist wirklich toll", sagte Nils Adam zufrieden.

Frank Schmidt

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