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Wurzen Wurzener Metalldrückermeister erhält Hilfe von wanderndem Goldschmied-Gesellen
Region Wurzen Wurzener Metalldrückermeister erhält Hilfe von wanderndem Goldschmied-Gesellen
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05:00 24.12.2009

. Aufträge drücken. Zum Glück hat der Meister einen zusätzlichen Helfer – den Goldschmied Kai Schöffel, der als wandernder Geselle in der Ringelnatzstadt Station macht.

„Es ist gut mal über den Tellerrand zu schauen“, sagt der 28-Jährige und blinzelt über seine kleine Brille. „Das was ich hier mache, hat nur bedingt mit dem Goldschmiedehandwerk zu tun. Aber ich mache das gerne, habe während meiner Wanderschaft auch schon in echten Schwarzschmieden gearbeitet.“

Hier in Wurzen restauriert der Bamberger mit seinem Meister auf Zeit gerade 16 Messingleuchter und ein Altarkreuz aus der Wermsdorfer Schlosskapelle St. Hubertus. „Die Leuchter, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen, sehen aus wie die wunderbaren Stücke aus der Dresdener Hofkirche. Sie sind nur etwas kleiner“, schwärmt Christoph Müller. Ihr Zustand lässt allerdings zu wünschen übrig. Meister und Geselle haben viel zu tun. Alter Lack muss ab, Teile müssen neu gegossen, gelötet und ersetzt werden. Ein Großteil der Leuchter schmückt schon wieder die Kapelle. Und vor zwei Tagen, gerade noch rechtzeitig zum Fest, konnte Pfarrer Martin Brause, das Altarkreuz wieder in Besitz nehmen. „Ich freue mich, dass es noch geklappt hat“, so der katholische Gottesmann erleichtert. Auf die letzten beiden Leuchter muss er allerdings noch ein paar Tage warten. Denn Wandergeselle Schöffel wird über Weihnachten die Werkstatt verlassen. Doch er kommt wieder, beendet seine Arbeit. „So ist es Sitte in den wandernden Zünften“, sagt Christoph Müller.

Kai Schöffel dreht sich ein Zigarette, schiebt seinen Hut aus der Stirn und schaut Hans-Günter Müller über die Schulter. Der Bruder des Werkstatt-Meisters, ebenfalls Metalldrücker, steht an der Drückbank. Mit routinierten Handgriffen und unendlich viel Gefühl lässt er an der Maschine, die an eine Drehbank erinnert, mit Hilfe einer so genannten Hebelrolle aus Blechscheiben topfähnliche Gefäße entstehen. „Das Drücken ist das spanlose Verformen von Blechen, von Metallen wie Alu, Eisen, Bunt- und Edelmetallen oder Legierungen. Unser Goldschmied hat sich auch schon versucht“, frotzelt Hans-Günter Müller, der mit seinem Bruder zu den nur noch Wenigen seiner Zunft gehört. Vater Kurt Müller gründete die Werkstatt in den 1950er Jahren. Nach seinem Tod übernahmen die Söhne den Betrieb.

Auch die dritte Generation der Familie Müller ist längst in der Werkstatt unweit der katholischen Herz-Jesu-Kirche aktiv. Thomas Müller, der Sohn des Meisters, ist als gelernter Metalldrücker und Gürtler der Dritte im Bunde. Qualifizierungen als Meister und Restaurator hat er in der Tasche. Der Jüngste des Werkstattteams ist dieser Tage ebenfalls mit Arbeit eingedeckt. „Es geht um Gold“, lacht Kai Schöffel und weist auf einen abgetrennten Teil der Werkstatt. Dort kniet Thomas zwischen Dachreitern und Wetterfahnen. Vor ihm liegen hauchdünne Goldblättchen und ein extraweicher Pinsel. Das Blattgold soll den Abschluss für zwei Turmbekrönungen, den Dachreiter und die Wetterfahnen bilden. „Die Sachen sind für die Kirche in Westerhausen bei Wernigerode. Insgesamt verarbeiten wir zwölf Quadratmeter Blattgold“, erklärt der Restaurator.

Auch weil es so abwechslungreich zugeht, habe er sich für die Werkstatt von Christoph Müller in Wurzen entschieden, sagt Schöffel, der seit Anfang 2007 auf der Walz ist. Nächstes Jahr hat er die Wanderjahre – es müssen genau drei und ein Tag sein – hinter sich. „Quer durch Deutschland bin ich gezogen, in Rumänien, Irland der Schweiz und Italien gewesen“, erzählt der junge Mann und sein Kinnbärtchen wippt. Bereut habe er die Zeit nicht. „Die Freiheit und Leichtigkeit ist schon was wert“, lobt er. Anfang 2010 bricht Schöffel Richtung Süden auf, gen Heimat – in der traditionellen Kluft natürlich. Und wo wird Weihnachten gefeiert? „Vermutlich in der Gesellenherberge in Leipzig“, kündigt der Bamberger Goldschmied und Wurzener auf Zeit an.

 

Drago Bock

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