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Wurzen Wurzener Museumskeller zeigt sich nach Sanierung im neuen Gewand
Region Wurzen Wurzener Museumskeller zeigt sich nach Sanierung im neuen Gewand
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13:24 07.02.2017
Freut sich auf die Besucher: „Unsere Fundstücke dokumentieren 6000 Jahre permanente Besiedlung der Region“, unterstreicht Museumsleiterin Sabine Jung den eigentlichen Wert der Sammlung.  Quelle: Foto: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

 Ganz in Weiß präsentiert sich seit kurzem das Kellergewölbe des Kulturhistorischen Museums in der Domgasse 2. Bereits Mitte Oktober starteten hier, 22 Treppenstufen tief, die Sanierungsarbeiten des Ausstellungsbereiches „Ton, Steine, Scherben“.

Die drei Meter dicken Grundmauern eines der schönsten Renaissancegebäude der Stadt mit dem 21,5 Meter hohen Giebel sind so alt wie die Dom- und Johannisgasse und wurden zwischen 1280 und 1300 errichtet. Weitaus älter seien indes die Exponate unter dem stubengroßen Ofengewölbe, berichtet Museumsleiterin Sabine Jung. „Insofern freue ich mich, dass die Sammlung für Besucher wieder zugänglich ist.“ Schließlich dokumentieren sie die 6000 Jahre permanente Besiedlung der Region. Und das gebe es sonst kaum. Doch erst Ende 2012 konnte der vor- und frühgeschichtliche Schatz inventarisiert werden. Bis dato fristeten die Gefäßscherben und Knochensplitter über Jahrzehnte auf dem Dachboden des Alten Rathauses ein Schattendasein – sage und schreibe fünf Kubikmeter. In mühevoller Kleinarbeit sichteten die beiden Studenten Dorothea Küster und Patrick Schön von der Universität Leipzig für ihre Bachelorarbeit die Fundstücke des Gräberfeldes Doktorteich im Wurzener Ortsteil Sachsendorf. Teils sogar unter erschwerten Bedingungen, wie sich Jung gut erinnert. Schwarzschimmel und Moder zwang das Duo nämlich zum Einsatz von Atemmasken.

„Insgesamt 110 Kartons holte das Landesamt für Archäologie Sachsen am 10. November 2016 ab. Einige schöne Stücke beherbergt allerdings noch unser Gewölbekeller.“ Darunter auch die Nachbildung eines Wendelhalsringes. Das Original fanden Arbeiter beim Bau des Kraftwerkskanals 1926 etwa 500 Meter südlich von Canitz. Den fragilen Schmuckreif der Altvorderen, der sich im Naturkundemuseum Leipzig befindet, ließ Jung von der freischaffenden Diplomrestauratorin Silke Rohmer nachbilden. Doch nicht nur das Duplikat bringt mittlerweile Glanz ins Gewölbe. „Zumindest die Bruchsteinwände des großen Kellers wurden bei der jüngsten Sanierung gekalkt, die Vitrinen und Hinweistafeln gründlich gereinigt und der Arkadenziegelfußboden gesäubert“, zählt die promovierte Kunsthistorikerin auf, um sich zugleich bei den beiden freiwilligen Helfern, Christine Biller und Rainer Sachse, zu bedanken.

Übrigens blickt die städtische Einrichtung auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück, die ihren Anfang 1899 mit einer Ausstellung von Altertümern im Schweizergarten nahm. Damals misslang jedoch eine Gründung, die Besitzer erhielten ihre Exponate zurück. Auserlesene Stücke erwarb Otto Jacob , Mitinhaber der Buchdruckerei Jacob, und eröffnete 1906 im Domplatz 12 das „Private-Orts-Museum zu Wurzen“. Vier Jahre später übernahm Professor Ernst Mäschel, Geschichtsforscher und Vorsitzender des 1909 ins Leben gerufenen Wurzener Geschichts- und Altertumsvereins, die Arbeit der Museumsgestaltung. Der Erste Weltkrieg und die wirtschaftliche Notlage verhinderten allerdings seine Bemühungen, so dass das „Städtische Heimatmuseum“ erst 1927 im Alten Rathaus eröffnete. 1934 kündigte Bürgermeister Martin Seyfert (NSDAP) die Räume. Das Museumsgut kam deswegen 1935 ins Stadthaus, dem heutigen Plenarsaal.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges schloss es erneut sein Pforten. Die verpackten und eingekellerten Exponate wanderten 1944 aufgrund der vielen Fliegeralarme nach Grimma und Püchau. Erst am 30. Juli 1945 erfolgte die Rückführung. Im gleichen Jahr überließ die Hermann-Ilgen-Stiftung in Dresden der Stadt Wurzen nach erfolgreichen Verhandlungen das Grundstück Domgasse 2. Zwei Jahre dauerte dann die Instandsetzung des Hauses. Am 2. Mai 1948 konnte das Museum endlich der Öffentlichkeit übergeben werden – zum dritten Mal in nur zwei Jahrzehnten.

Von Kai-Uwe Brandt

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