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Wurzen Wurzener Pfarrer Peukert zwischen Orgel, Glocken und Reform
Region Wurzen Wurzener Pfarrer Peukert zwischen Orgel, Glocken und Reform
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00:20 16.11.2017
So wie ihn die Wurzener kennen: Pfarrer Uwe Peukert bei der Predigt. Quelle: Foto: Andreas Döring
Wurzen/Grimma

Eigentlich ein Wunder, dass Wurzens katholischer Pfarrer Uwe Peukert keinen Helm trägt. Denn er ist heute, morgen und in den nächsten Jahren gleich auf mehreren „Baustellen“ gefordert: In spätestens anderthalb Jahren werden sich die beiden jetzt noch selbstständigen Pfarreien Wurzen und Grimma zusammenschließen. Das gehe nicht von jetzt auf gleich, sagt der 52-Jährige der LVZ: „Es ist ein Prozess, bei dem wir gemeinsam Antworten auf drängende Fragen finden müssen.“ Letztlich stehe auch zur Debatte, ob auf Dauer tatsächlich alle Immobilien der dann vereinigten Pfarrei gehalten werden könnten. „Wir werden halt nicht mehr Leute, deshalb müssen wir schauen, was finanziell noch leistbar ist.“

Er werde der Pfarrer des dann neuen Gebildes sein, sagt Peukert. Schon jetzt moderiert er die Gespräche. Er schreibt E-Mails, trifft Absprachen mit den Referenten und berät sich mit seinem Grimmaer Pfarrerkollegen Gregor Hansel. Der 50-Jährige wird am Sonntag offiziell verabschiedet. Den Grimmaern bleibt er aber noch bis einschließlich 26. November erhalten, ehe er seine neue Pfarrstelle in Gera-Lusan antritt und Nachfolger Bernd Fischer am 10. Dezember eingeführt wird. „Es waren sechs recht erfüllte Jahre – mit Hochwasser, Katholikentag und Reformationsjubiläum“, sagt der scheidende Geistliche. Bis zuletzt ist Hansel in die Überlegungen eingebunden, wie sinkende Gemeindegliederzahlen auch finanziell aufgefangen werden könnten: „Ich denke, es wird uns nur gelingen, wenn die Gläubigen vor Ort künftig noch eigenständiger arbeiten.“ Verantwortungsgemeinschaft lautet das Zauberwort.

Bauliche Mängel

Es sind eben auch ganz irdische Probleme, die den Wurzener Pfarrer Peukert beschäftigen: Schwester Maria Wolfsberger und Matthias Liebich, die beiden Orgelsachverständigen, hätten in der Herz-Jesu-Kirche verschiedene Mängel an der Königin der Instrumente festgestellt: „Im nächsten Jahr wird die Firma Jehmlich die nötigen Reparaturen vornehmen. Der Vertrag ist schon geschlossen. Kostenpunkt 26 500 Euro.“ Bis dahin wird Rose-Marie Schimmel beim Gottesdienst jedoch weiter spielen können. Problematischer dagegen der Zustand der Glocken: „Experte Sebastian Ruffert hat Rost und Risse festgestellt. Daher dürfen wir vorerst nicht mehr läuten.“ Neue Glocken, neuer Glockenstuhl – Peukert geht für das 2019 geplante Projekt von Kosten um die 130 000 Euro aus. Eine ähnliche Summe veranschlagt die Gemeinde auch für die bis 2020 anstehenden Arbeiten an Dach und Fassade. Der Pfarrer setzt auf die Hilfe seines Bistums, der Stadt, der Denkmalbehörde, der Firmen und natürlich der Gemeinde selbst: „Ohne Spenden wird es nicht gehen. Noch vor Weihnachten schicken wir einen entsprechenden Brief mit Überweisungsträger raus.“ Ein Benefizkonzert zugunsten der Orgel sei geplant, Jonas Wilfert, der aus der Pfarrgemeinde stammende Berliner Organist, bereits angefragt.

„Kirche muss leben“

Die Pfarrei Wurzen hat 910 Mitglieder, eine Kirche und ein Pfarrhaus. Zur Pfarrei Grimma mit 1100 Gläubigen zählen Kirchen in Grimma, Beucha und Naunhof. Zwei weitere Kapellen in Seelingstädt und Grimma befinden sich im Caritas-Pflegeheim „Claudine Thévenet“. Dessen Leiter Manfred Müller hatte anfangs auch in der Arbeitsgruppe „Verantwortungsgemeinschaft“ mitgearbeitet: „Die Gottesdienstbesucher werden älter und damit weniger. Die Sorge um das fehlende Geld ist auch eine Chance, neue Wege zu suchen. Kirche muss leben. Kirche ist nicht nur das, was unter einem Dach stattfindet, sondern vor allem was zwischen den Menschen spürbar sein sollte – und zwischen den Kirchen. Dabei denke ich in besonderer Weise an die Ökumene.“

Von Haig Latchinian

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