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Wurzen Wurzener Rockmusiker bezeichnet Özil-Debatte als Ablenkungsmanöver
Region Wurzen Wurzener Rockmusiker bezeichnet Özil-Debatte als Ablenkungsmanöver
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16:48 25.07.2018
Norbert Winkler (49) ist Rockmusiker und Kabarettist aus Wurzen. Quelle: Haig Latchinian
Wurzen

„Vielleicht hat der nur was geraucht, ich glaube, er wollte weder Wurzen noch die Sachsen beleidigen“, sagt Rockmusiker und Kabarettist Norbert Winkler: „Sicher, auch ich musste mich doch sehr wundern. Aber Jan Delay ist nun mal Künstler. Er braucht Klickzahlen im Internet und ist daher gewohnt zu provozieren. Mit netten Dingen wirst du schon lange nicht mehr gehört.“ Angesprochen auf die deutschlandweit geführte Debatte über Özil, Delay und die Sachsen rät der 49-jährige Wurzener zu mehr Gelassenheit, auch wenn es schwer falle.

Hip-Hoper holt gegen die Sachsen aus

Mit einem langen Post auf Instagram stärkte Hip-Hop-Star Jan Delay (42) dem türkisch-stämmigen, langjährigen deutschen Fußballnationalspieler Mesut Özil demonstrativ den Rücken: „Du bist, warst, und wirst immer der Derbste sein. Einzigartig, geschmeidig, elegant und magisch. Lass’ dir das bloß nicht von ein paar beschränkten Kartoffeln kaputt machen! Da wird erstmal keiner kommen, der in deine Fußstapfen treten kann. Und das ist auch gut so.“ Einige der Leute, die Özil nach dessen Rücktritt vehement kritisierten, nennt Delay auch beim Namen: „Und ich wünsche Grindel, Bierhoff und Pocher, dass sie ihr Rest-Leben in Wurzen/Sachsen oder am Ballermann verbringen müssen!!“

Wurzener kritisiert aggressive Grundstimmung

Der Wurzener Musiker Norbert Winkler winkt ab. Für ihn ist die ganze Özil-Diskussion ohnehin nur ein Ablenkungsmanöver: „Wenn wir keine brennenderen Probleme als Özil haben, muss es uns gut gehen.“ Er schätze beide, Özil, als Fußballer, und Delay, den Sänger. Umso mehr bedauere er die allgegenwärtige aggressive Grundstimmung: „Wir hauen uns nur noch in die Fresse, jeder gegen jeden. Die Gesellschaft wird immer narzisstischer. Kaum einer kann sich noch in den anderen hinein versetzen, da wird gepostet, ganz egal, wie der andere empfindet.“

Den Mann, der mit Elektro van Tee und Trio de Janeiro etliche Konzerte in Wurzen spielte, nerve es, dass die Stadt einmal mehr als Synonym für Rechtsradikalismus herhalten muss.

Soziale Schieflage kein Thema in der Politik

„Wir haben in der Stadt einfach sehr viele Menschen am unteren Ende der Gesellschaft, die von kaum einem ernst genommen werden – ihre Themen finden in der Politik gar nicht statt.“ Es sei beschämend, dass schon Grundschüler wüssten, dass sie irgendwann von Hartz IV leben. Die Integrationsdebatte spüle aus seiner Sicht nur nach oben, was vor der Flüchtlingskrise noch unter der Decke gehalten wurde: die enorme soziale Schieflage. Wer ohnehin nur wenig habe, der fürchte, auch noch das wenige zu verlieren, erst recht, wenn so viele Menschen wie 2015 ins Land kämen. „Deshalb muss man die Angst ernst nehmen.“ Unbedachte, flapsige Verallgemeinerungen seien da eher kontraproduktiv und träfen zumeist die Falschen: „Der Fisch stinkt vom Kopf her!“

Delay rudert zurück

Nach vereinzelter Kritik seiner Fans, die ihm das Pauschalurteil über die Sachsen übel nahmen, ruderte Musiker Jan Delay teilweise zurück. Er kommentierte den Tweet eines Nutzers mit den Worten: „Ja, hast recht.“ Dieser hatte sich ebenfalls über das undifferenzierte Sachsen-Bashing beschwert und darauf hingewiesen, dass Sachsen „zum Glück nicht nur AfD-Land“ sei.

Von Haig Latchinian

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