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Wurzener Schüler erobern die Theaterbühne

Kunstprojekt Wurzener Schüler erobern die Theaterbühne

Die kulturelle Tradition währt bereits 15 Jahre: Schüler des Lichtwer-Gymnasiums Wurzen und der Brücke-Schule spielen gemeinsam Theater. Die 29 Darsteller, die seit über einem Jahr probten, erzählen in diesem Jahr eine etwas andere Weihnachtsgeschichte.

Schüler des Lichtwergymnasiums Wurzen und der Brücke-Schule stehen gemeinsam auf der Theaterbühne.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Die Tradition der künstlerischen Zusammenarbeit zwischen behinderten Schülern der Brücke-Schule und Teenagern des benachbarten Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasiums in Wurzen ist schon so innig und intensiv, dass die Lehrerin für Kunsterziehung, Ines Meinhard, überlegen musste, um auf die mittlerweile 15 Jahre zu kommen. Für diese Symbiose ist das künstlerische Profil der Gymnasiasten und der Kunstunterricht der Brücke-Schüler ineinander verschmolzen. Was mit Musikprojekten begonnen habe, führte zur künstlerischen Gestaltung vom Masken und Puppen und gipfelte in gemeinsamen Bühnenstücken. Und solch ein Projekt, welches mit einer neuen Theateraufführung seit über einem Jahr einstudiert wurde, feierte in der Aula des Gymnasiums Premiere.

Von Beginn an stand für die 29 Protagonisten auf der Bühne fest – darunter acht aus der Brücke-Schule – dem Stück mit einer gehörigen Portion Improvisation Esprit zu verleihen. Das beweist allein schon der Titel des Bühnenstückes: „Weihnachten mal anders – feat.db“. Feat steht frei übersetzt für Meisterleistung, die, jedoch ironisch gemeint, nur mit Unterstützung der Deutschen Bahn vollbracht wurde, worauf das „db“ hinter dem Punkt aufmerksam macht. „Das Stück ist eine Mischung aus Puppentheater und Laienspiel und handelt auf einem fiktiven Bahnhof. Und dort müssen die Reisenden aufgrund eines Schneesturms auf dem Bahnsteig ausharren, denn alle Züge sind ausgefallen“, ließ Celia Uhlemann einen Blick in das ausschließlich von den Schülern geschriebene Drehbuch zu. Und um Kurzweil bemüht, bilden sich auf dem Bahnhof urplötzlich kleine Nebenschauplätze, die mit Fokus auf besagte Puppenspiele für Amüsement sorgen. Dennoch, für die Reisenden ist die Situation weiter angespannt, sodass die Neuntklässlerin nicht wirklich zu sagen vermochte, ob die Wartenden von Halluzinationen geplagt, oder vom Wunschdenken befallen wurden. Ihr Klassenkamerad, Benjamin Ernst, definierte das mit „Fiktionen, weil da eben etwas passiert“. Er mimte übrigens neben Leoni Klemm als Weihnachtsengel die Hauptrolle des Weihnachtsmanns. Sozusagen eine saisonale Autorität, die, nachdem sich das Schneetreiben gelegt hatte und alle Züge wieder fuhren, beinahe staatsmännisch den Schlusssatz sprechen durfte: „So, nun aber schnell nach Hause. Nur keine Hektik mehr, es weihnachtet sehr.“

Dass die Brücke-Schüler mit den Gymnasiasten gleichberechtigt auf einer Bühne stehen, „würde ich gerne für absolut normal bezeichnen“, sagte Ines Meinhardt. „Na klar, denn beide Schülergruppen hatten am Anfang Berührungsängste und waren aufgeregt“, konnte ihre Kollegin Heike Hofmann beobachten. Dem stimmte die Leiterin der Brücke-Schule, Birgit Fischer, grundsätzlich zu. „Weil das alles über viele Jahre gewachsen ist, kann man das wirklich als ein Selbstverständnis ansehen, was aber in unserer Gesellschaft noch nicht überall so ist.“ Für die Schulpädagogin, die erst im Sommer an die Brücke-Schule kam, sei es selbst eine neue Erfahrung. „Aber dieses Miteinander, die Akzeptanz und die gegenseitige Bestätigung stärkt das Selbstbewusstsein unserer Schüler. Denn sie können sich beweisen, was sie zurecht stolz macht“, sagte Fischer.

Von Frank Schmidt

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