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Wurzener Volkssolidarität nimmt Abschied von betreutem Wohnen in Marienstraße

Senioren Wurzener Volkssolidarität nimmt Abschied von betreutem Wohnen in Marienstraße

Nur zwei Jahre nach Beginn des Projektes „Wohnen mit Betreuung“ in der Marienstraße 43 ist das Kooperationsvorhaben zwischen Volkssolidarität und Wohnungsgesellschaft gescheitert. Zum 1. April muss der Wohlfahrtsverein sein Angebot für Senioren einstellen.

Über eine Million Euro investierte die Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH in die Sanierung des Objektes, um hier „Wohnen mit Betreuung“ anzubieten. Die ersten Mieter zogen im März 2015 ein.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Die Enttäuschung sitzt tief – bei den Betroffenen wie beim Regionalverband der Volkssolidarität. Denn was als Gemeinschaftsprojekt mit der Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft  (WGW) so verheißungsvoll in der Marienstraße 43 begann, endet zwei Jahre später mit einem Paukenschlag. „Es tut mir leid, ihnen mitteilen zu müssen, dass es hier ab 1. April kein betreutes Wohnen mehr gibt“, informierte Astrid Nowak die neun verbliebenen Senioren. Schuld am Scheitern trage der einstige Partner WGW, fügte die Vorstandsvorsitzende des Wohlfahrtsvereins im Beisein von VS-Geschäftsführerin Ingeburg Fahl an.

Doch zur Vorgeschichte: Bereits im Januar 2011 erfolgte das erste Gespräch zwischen der VS und der WGW über eine Kooperation nach der Sanierung der Immobilie in der Marienstraße. Das Gebäude wurde Ende der 70er-Jahre als „Haus für ältere Bürger“ errichtet und ging 1994 in den Bestand des städtischen Großvermieters über. 1,3 Millionen Euro investierte die WGW in die Erneuerung des Objektes, damals unter Leitung von Geschäftsführerin Heike Pönicke. Den Plänen nach und im Schulterschluss mit der VS entstanden bis zum Einzug der ersten Mieter am 1. März 2015 insgesamt 29 Zwei-Raum-Wohnungen, sechs Ein-Raum-Wohnungen sowie ein Büro zur Nutzung durch die VS. Für das Projekt „Betreutes Wohnen“ hatte die Volkssolidarität damals sogar ein Konzept erstellt und auf Bitte des Bauherrn im Juli 2013 für die Beantragung des Darlehens abgegeben. Im Februar 2014 ließ die WGW dann 500 Flyer drucken, auf denen für das künftige „Wohnen mit Betreuung“ geworben wurde.

Nur Tage nach der Einweihungsfeier am 28. April 2015 mit Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) und der städtischen Politprominenz fühlte sich laut Nowak die WGW jedoch nicht mehr an die mündlichen Absprachen gebunden. Daher bezogen schon ab 1. Mai 2015 die ersten Senioren ihre neuen vier Wände ohne Abschluss eines Betreuungsvertrages mit der VS. Was folgte, nannte Nowak einen „Dominoeffekt“, weil nach und nach Mieter ihre Dienstleistungsvereinbarungen kündigten. Übrig blieben bis heute neun Senioren. Eine Zahl, die sich für die VS nicht rechnet. Pro Jahr verursache die aktuelle Situation nämlich ein Defizit in fünfstelliger Höhe, erwähnte Geschäftsführerin Fahl. „Damit ist die Wirtschaftlichkeit des Projektes nicht mehr gegeben.“

Deshalb zog die VS nun die Reißleine und kündigte das Büro in der Marienstraße 43. Sigrid König als Ansprechpartnerin vor Ort verliert ihren Job, den sie vor zwei Jahren antrat. Auf die Frage hin, wie es weitergeht, antwortete Nowak: „Dies ist ab 1. April ein ganz normales Haus.“ Gleichwohl, so Fahl, „wir seinerzeit angetreten sind, so viel Freiheit wie möglich und so viel Hilfe wie nötig anzubieten“. Für die eine oder andere Teilnehmerin der Runde sei gerade jener Grundsatz Anlass gewesen, den Wohnort zu wechseln. „Die Betreuung war für mich das A und O“, ließ Mieterin Virginia Schwarzer wissen: „Frau König hat vielen von uns Kraft gegeben, eine sehr gute Arbeit gemacht und unser Vertrauen gewonnen. Warum unterstützt uns keiner?“

Hilfe erhofften sich Nowak und Fahl übrigens vom Oberbürgermeister und WGW-Aufsichtsratsvorsitzenden Röglin sowie den Lokalpolitikern. Per Brief schilderten sie deshalb allen 15 Mitgliedern der WGW-Gesellschafterversammlung die Lage inklusive einer Chronologie der Ereignisse. Vergeblich. „Bis auf den telefonischen Rückruf des SPD-Fraktionsvorsitzenden Heinz Richerdt erhielten wir nicht einmal eine Resonanz darauf“, so Nowak. Und die WGW? Pönicke wurde zum 30. Juni 2016 abberufen. Seither führt Peter Sauer die Geschäfte des stadteigenen Unternehmens. Seiner Auffassung zufolge sei die Kopplung zwischen Miet- und Betreuungsvertrag in dieser Art „rechtlich bedenklich“. Zudem gab es zwischen WGW und VS nie eine schriftliche Vereinbarung für das „Wohnen mit Betreuung“ in der Marienstraße 43.

Von Kai-Uwe Brandt

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