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Wurzen Wurzener Wettin-Säule fehlt der Unterbau – Sockel in China falsch verschifft
Region Wurzen Wurzener Wettin-Säule fehlt der Unterbau – Sockel in China falsch verschifft
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Krönender Abschluss steht noch aus: Projektverantwortlicher Michael Zerbs auf dem Wettinerplatz mit Inormationstafel aber noch ohne Obelisk. Quelle: Haig Latchinian
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Wurzen

"Eigentlich wollten wir die Wettin-Säule zum Nachtshopping am 13. November feierlich übergeben. Der aufwendig restaurierte Obelisk liegt auch schon abholbereit beim Steinmetz in Leipzig - allein die drei Stufen des Podestes fehlen noch." Projektleiter Michael Zerbs von der Stadtverwaltung Wurzen bedauert, dass die Treppen bei der Verladung in China auf ein anderes Schiff gerieten. "Die Lieferscheine waren korrekt, doch als der Container im Hamburger Hafen geöffnet wurde, stellte man die Verwechslung fest." Nach der Irrfahrt auf hoher See werden die Stufen für die Wettin-Säule nun Ende der Woche in Deutschland erwartet.

Gern hätte die Stadt Wurzen den Natursteinsockel aus heimischer Produktion verwendet, doch seien in der Region nur Stufen in halber Länge verfügbar gewesen: "Auf der Suche nach der vollen Länge, die unterste der drei Stufen misst immerhin fast drei Meter, wurden wir in China fündig", sagt Zerbs. So es das Wetter erlaubt, beginnt unmittelbar nach dem Nachtshopping der Bau des Podestes. Und zwar auf dem mit Platten auszulegenden Platz genau im Schnittpunkt der Hauptachsen von Karl-Marx- und Friedrich-Engels-Straße.

Zu der Zeit sollen die noch ausstehenden zwölf Linden bereits im Boden sein. Zehn kommen an die Karl-Marx-Straße, je eine vor das einstige Café Sanne sowie das Gebäude "Sächsischer Hof". Auf die rötlich gepflasterte Freifläche nahe des Asia-Restaurants wird eine doppelseitige Bank platziert - mit Blick auf den Baum sowie die Wettin-Säule.

Wenn alles fertig ist, werden fast eine Million Euro in die Neugestaltung des schon jetzt sehenswerten Wettinerplatzes samt Karl-Marx-Straße geflossen sein. Das Land Sachsen fördert das in diesem Jahr größte städtische Infrastrukturprojekt, zu dem auf 300 Metern auch ein neuer Mischwasserkanal samt Hausanschlüssen gehört, mit 440.000 Euro. Allein die um Zwischenplatte und Sockelteil ergänzte Wettin-Säule mit sieben mal sieben Meter Natursteinpflaster und 25 Zentimeter hohen Sitzstufen kostet 50.000 Euro.

Wie berichtet, plädierte Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Geschichts- und Altstadtvereins für einen würdigen Rahmen der Wiederaufstellung der Säule. Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) entsprach seiner Bitte. Und das nicht ohne Grund: Am 2. September 1889, anlässlich des 800-jährigen Jubiläums des Hauses Wettin, wurde sie als Denkmal für die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Wurzener eingeweiht. 1958 wurde die Säule auf dem ehemaligen Gelände des Bauhofes am Wasserturm vergraben, ehe sie am 29. September 1996 in Anwesenheit des Enkels des letzten sächsischen Königs, Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen, wieder eingeweiht wurde.

Laut Michael Zerbs soll der Obelisk illuminiert werden - die Verkabelung liege bereits an. Nach derzeitigem Stand könnte in der zweiten Dezemberwoche, also pünktlich zur Wurzener Wichtelweihnacht, Bescherung sein.

Haig Latchinian

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