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Wurzener erinnern an Todesmarsch 1945 – Netzwerk denkt über alternative Form nach

Gedenken Wurzener erinnern an Todesmarsch 1945 – Netzwerk denkt über alternative Form nach

Mit einem Gedenkmarsch erinnert der Verein Netzwerk für Demokratische Kultur seit Jahren an die Opfer der Todesmärsche 1945 in Borsdorf. Doch das Interesse, sich an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern, sinkt.Jetzt haben die Organisatoren die Route verkürzt.

Borsdorfs Bürgermeister Ludwig Martin (r.) bläst im Duett mit Sohn Ilko am Startplatz des Gedenkmarsches.

Quelle: Roger Dietze

Borsdorf/Wurzen. „Stell dir vor, es gibt nichts, wofür man morden oder sterben müsste.“ Vor 46 Jahren vertonte John Lennon seinen Traum von einer friedlichen Welt in seinem Song „Imagine“, zu Deutsch „Vorstellung“ oder „Träumerei“, der am gestrigen Vormittag am Beginn des 18. Gedenkmarsches für die Opfer der Todesmärsche 1945 in Borsdorf erklang.

Intoniert von Schülerinnen des Tauchaer Geschwister-Scholl-Gymnasiums, die mit ihrem Auftritt ein wenig über das Grundproblem der im Muldental vom Wurzener Verein Netzwerk für Demokratische Kultur (NDK) organisierten Veranstaltung hinwegtäuschte. Weil nämlich die Zahl derjenigen, die in den vergangenen Jahren tatsächlich den Gedenkmarsch mit ihren Füßen bestritten, stetig gesunken ist, hat sich die Initiativgruppe beim NDK in diesem Jahr dazu entschlossen, die Route auf den Teilabschnitt Bennewitz-Wurzen zu verkürzen und an den weiteren Stationen Gerichshain und Machern kleine Gedenkveranstaltungen durchzuführen.

„Wir zerbrechen uns seit einiger Zeit die Köpfe darüber, wie wir es hinbekommen, dass sich die Jugend mit dieser Thematik auseinandersetzt“, berichtet Ingo Stange vom NDK-Organisationsteam. „Es wird künftig sicherlich keine Märsche mehr in dieser Form geben, wir sind jedoch offen für alternative Formate, wenn an ihrem Ende das Ergebnis steht, dass dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.“

Dazu mahnte auch Borsdorfs Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) in seiner Ansprache. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Leids, das dem Menschen von seinesgleichen nach wie vor rund um den Globus angetan wird. „Es kann niemand sagen, dass Gräueltaten der Art, wie sie damals von der SS begangen worden sind, heute nicht mehr möglich seien“, so Martin, dessen Amtskollegen aus Machern, Bennewitz und Wurzen die gestrige Veranstaltung ebenfalls persönlich unterstützen. Wofür ihnen neben Ingo Stange auch die langjährige Borsdorfer Linken-Gemeinderätin Edith Hoffmann ihren Dank aussprach. „Ich für mein Teil werde bezüglich der Vergehen des Nazi-Regimes und neonazistischer Umtriebe solange Flagge zeigen, wie es mir körperlich irgend möglich ist“, sagte die 88-Jährige.

Für ihren klaren Standpunkt in dieser Sache bekannt ist auch die Muldentaler Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz, die an der Bennewitzer Zwischenstation die Gelegenheit nutzte, einen Bogen vom Mai 1945 zur aktuellen Flüchtlingsthematik zu spannen. „Ich kann es nur als verbrecherisch bezeichnen, wenn es die Regierungen des so genannten ‚Freien Westens’ stillschweigend akzeptieren, dass das Mittelmeer zu einem Meer voller Leichen geworden ist, in dem täglich weitere Tote hinzukommen“, so Köditz.

Von Roger Dietze

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