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Region Wurzen Wurzens OB Jörg Röglin ehrt eine junge Libyerin
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18:43 16.06.2017
Bekam gestern nicht nur ihr Zeugnis: Sondus Elkiskas freute sich über die Glückwünsche ihres Schulleiters Steffen Rößler und später über die Auszeichnung. Quelle: Foto: Haig Latchinian
Wurzen

Sie glaubte zunächst, sich verhört zu haben. Ich? Wieso ich? Kann nicht sein. – Oh, doch. Kein Traum. Wurzens Oberbürgermeister hatte tatsächlich sie auf die Bühne gebeten – Freitag Abend bei der feierlichen Übergabe der Abschlusszeugnisse im „Schweizergarten“. Die 17-jährige Sondus Elkiskas, die sonst nichts erschüttern kann, war sichtlich bewegt. Aus den Händen von Jörg Röglin (parteilos) erhielt sie den erstmals verliehenen „Anerkennungspreis des Oberbürgermeisters für besondere schulische Leistungen“ – einen silbernen Stern samt Urkunde.

Sie sei doch weder eine Einserin noch eine Streberin. Und auch die mündliche Deutschprüfung, für die sie sich freiwillig meldete, lief nicht wie gewünscht ..., arbeitete es in dem Mädchen aus Libyen. Oberbürgermeister Röglin schien Gedanken lesen zu können: „Schüler mit herausragenden Noten werden zurecht geehrt. Was aber ist mit denen, die vielleicht einen mittelprächtigen Durchschnitt haben, sich aber richtig anstrengen mussten, um das überhaupt zu schaffen? Die für andere da waren? Gute Laune verbreiteten? Brücken bauten?“ Röglin freute sich, den von ihm selbst gestifteten Preis einer jungen Frau überreichen zu dürfen, die auf ganz verschiedene Weise beispielhaft sei.

Steffen Rößler, Direktor der Pestalozzi-Schule, ist voll des Lobes über die zeitweilige Klassensprecherin, die auch im Schülerrat ihren Überzeugungen treu blieb: „Sondus kam vor gut zwei Jahren mit ihren Eltern und Geschwistern nach Wurzen. Von Anfang an trat sie souverän und selbstbewusst auf. Sie hat einen unbändigen Gerechtigkeitssinn. Bei Streitereien zwischen deutschen und nichtdeutschen Schülern vermittelte sie stets.“ Die Herkunft der Streithähne war für sie unwichtig: „Wenn ein Ausländer angefangen hatte, stand ich auf der Seite der Deutschen – und umgekehrt“, sagt das Mädchen mit dem Kopftuch. Sie möchte studieren und Richterin werden. Da sie aber erst seit zwei Jahren Deutsch lernt, müsse sie sich noch gedulden, besuche nun erst einmal die Fachoberschule. „Sie ist fleißig, sie schafft das“, ist sich Bruder Abdulsalam sicher. Auch Klassenkameradin Angelina Borgenc und Lehrerin Christine Kaschmierzeck würden es der „freundlichen und hilfsbereiten“ Sondus gönnen.

Arabisch, Ungarisch, Englisch und nun Deutsch – die junge Schulabgängerin, die mit ihrer Familie lange in Budapest gelebt hatte, ist ein Sprachgenie. Um in Deutsch noch besser zu werden, trifft sie sich mit Freunden, liest sie und schaut deutsche Filme mit arabischen Untertiteln. Nur dadurch konnte sie jetzt auch die Prüfungen bestehen – musste sich anfreunden mit Shakespeares Romeo und Julia sowie den Fabelwesen Fuchs und Rabe.

Sie möchte weiter in Wurzen bleiben, sie mag die Stadt: „Der eine sagt Hallo, der andere nicht – ich nehme es mit einem Lächeln.“ Oberbürgermeister Röglin hörte das gern. Auch wenn es derzeit noch utopisch klinge: „Sondus Elkiskas wird eine gute Richterin. Sie ist nicht nur klug, mutig und engagiert – sie ist vor allem ein Mensch, mit dem man lachen und fair diskutieren kann, der bleibende positive Emotionen weckt.“

Von Haig Latchinian

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