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Wurzens Voliere auf dem Alten Friedhof gehört bald der Geschichte an

Alter Friedhof Wurzens Voliere auf dem Alten Friedhof gehört bald der Geschichte an

Bis Ende des Jahres soll die Voliere mit den 17 Gitterboxen auf dem Alten Friedhof abgerissen werden. Noch vor Jahren war die Anlage das Domizil von bis zu 200 exotischer Vögel. Allerdings fand sich kein Betreiber mehr. Auf dem Gelände soll in Zukunft ein Trimm-dich-Pfad entstehen, kündigte das Stadthaus an.

Herausgerissenes Gitterfeld: Die Zeiten, als die Voliere auf dem Alten Friedhof die Besucher und Spaziergänger anzog, sind längst vorbei.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Abriss oder Neuanfang? Diese Frage stellte sich noch im Vorjahr für die Voliere auf dem Alten Friedhof in Wurzen. Doch nachdem der letzte Versuch scheiterte, die Käfige wieder mit exotischen Vögeln zu besetzen und als Besuchermagnet zu erhalten, zieht die Stadtverwaltung demnächst einen Schlussstrich unter den Bau aus den 70er-Jahren. Wie Kathrin Höhme jetzt mitteilte, werden die Gitter noch dieses Jahr entfernt.

Ursache dafür sei, so die Sachbearbeiterin für Grünflächen und Gewässer auf Nachfrage, dass sich bis zum heutigen Tage niemand gefunden habe, die Voliere zu betreiben. Zuletzt starteten zwar einige Interessenten über das soziale Netzwerk Facebook den Versuch, einen Verein zum Erhalt der Voliere zu gründen. Aber ihr Werben mit Flyern und per digitalem Aufruf fand kein zukunftsträchtiges Echo. Und so endet 2016 nach genau vierzig Jahren die wechselvolle Geschichte der 17 Boxen unterm dichten Blätterdach der Parklinden. Begonnen hatte diese übrigens mit der kostenlosen Übernahme des Alten Friedhofes aus dem Kirchenlehen Wurzen durch die Stadt. Seinerzeit verpflichtete sich die Kommune, das verwilderte Areal in eine öffentliche Grünfläche umzugestalten.

Schon im April 1976 begannen die Aufräumarbeiten, denen am 19. Juni auch die Reste der einstigen Heiliggeistkirche zum Opfer fielen. An der Westseite der Friedhofsgrenze errichtete dann die Jugendgruppe des damaligen Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter zwischen Juli und Oktober 1976 das Domizil für Sittiche und Papageien und erweiterten es 1985 nach Osten hin. Bis zu seinem Tod 2003 kümmerte sich Klaus Lichtenberger um die zeitweise 150 bis 200 Vögel – 25 Jahre lang. Danach trat sein Sohn Frank Lichtenberger in die Fußstapfen und im Februar 2005 Uwe Sack. Letzter Bewohner hinter Gittern war unter der Obhut von André Leupold schließlich ein Nymphensittich, weshalb Höhme im Juli 2014 das Schild „Nicht in Betrieb“ anbringen ließ. Bereits zu dieser Zeit plädierte Frank Lichtenberger auf einen Rückbau – unter anderem aus „Rentabilitätsgründen“. Immerhin sei die Anlage für jeden privaten Betreiber ein finanzielles „Fass ohne Boden“. Allein die monatlichen Fixkosten schätzte er auf 500 Euro. Außerdem gebe es lediglich Strom vor Ort, weder Heizung noch fließendes Wasser. Auch Thomas Zittier teilte damals die Bedenken. Der Vorsitzende des Wurzener Verschönerungsvereins „Die Stadtwandler“ liebäugelte zwischenzeitlich mit der Renaissance der Anlage.

„Den Abriss erledigen die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs als nächstes“, kündigte Höhme an und ließ außerdem wissen, was mit dem Areal danach passiert. „Angedacht ist, eine Art Trimm-dich-Pfad mit verschiedenen Bewegungsangeboten für Jung und Alt zu errichten.“ Gerade die Nähe zu Kindereinrichtungen, der Diesterweg-Grundschule und ebenso zum Mehrgenerationenhaus des Vereins Zuversicht in der Stephanstraße gaben den Ausschlag für die Standortwahl. Die Untere Denkmalschutzbehörde jedenfalls befürwortete bereits die Pläne. „Und vielleicht findet sich sogar eine Möglichkeit, die dortige Mauer in Erinnerung an die Voliere zu gestalten“, sagte Höhme.

Von Kai-Uwe Brandt

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