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Zuckertüten-Plauderei im Museum Grimma

Zuckertüten-Plauderei im Museum Grimma


Grimma. Eigentlich wollte das Team des Kreismuseums am Sonntagnachmittag gemeinsam mit Kindern, Eltern und Großeltern Zuckertüten für den bevorstehenden Schulanfang basteln.

. Doch die werden offenbar lieber gekauft. Nur ein Kind traute sich mit Mutti und Oma an die schwierige Arbeit. Trotzdem wurde es ein interessanter Nachmittag.

 

Es folgten nämlich gleich vier ehemalige Mitarbeiterinnen der bis 1991 in Grimma existierenden Papierwarenfabrik Weißing dem Aufruf des Museums, das diesem Traditionsbetrieb eine Dauerausstellung gewidmet hat. Zu den überlieferten Sammelstücken gehören auch vier Holzkegel, von denen das Museumsteam noch nicht genau wusste, wozu sie dienten. Ilke Frauendorf konnte sofort helfen. Auf drei dieser Kegel wurden Zuckertüten verschiedener Größen gewickelt und mit dem vierten, einem dicken, abgekanteten Kegel, stellte man Faschingshüte her.

 

Ilke Frauendorf hatte selbst viele Jahre Zuckertüten hergestellt. Sie bastelte schon als Kind gern mit Papier und lernte als Schülerin die Papierwarenfabrik kennen. Ihre Klasse hatte dort eine Patenbrigade und die Schüler besuchten ab und zu den Betrieb. Fasziniert von der bunten Produktionspalette fand sie ihren Berufswunsch und begann nach der Schule ihre Lehre in dem Betrieb.

 

Bald gehörte sie zu den drei ausgewählten Personen, die in der Zuckertütenproduktion eingesetzt wurden. Der Saisonartikel wurde nur von Dezember bis August gefertigt. In der übrigen Zeit arbeitete sie in anderen Abteilungen.

 

In die Geschäfte der Region seien damals, zu DDR-Zeiten, nur Zuckertüten zweiter Güte gekommen. Die 1. Wahl war fast ausschließlich ein Exportartikel. Auch die Knallbonbons und Girlanden der Papierfabrik gab es nur sehr selten für die Grimmaer Bürger zu kaufen. Mit den Fest- und Scherzartikeln wurden damals begehrte Devisen erzielt. Und zwar überall auf der Welt, von Großbritannien bis nach Haiti und Neuseeland. Mitarbeiter der Papierwarenfabrik waren natürlich etwas besser dran. Spätestens bei der Einschulung sah man an der Zuckertüte, wessen Mutti dort arbeitete.

 

Im Werk waren tatsächlich überwiegend Frauen beschäftigt, die Quote lag bei 95 Prozent. Marlies Zalesky war von 1982 bis 1986 Mitarbeiterin der Finanzbuchhaltung. Sie brachte dem Museum einige Bögen Einschlagpapier mit. Auf einem stand noch der Preis: 21 Pfennige. Marlies Zalesky kannte sich aber nicht nur in der Buchhaltung aus, sondern auch in der Produktion. War die Planerfüllung in Gefahr, mussten auch die Büroangestellten mitarbeiten.Neben den Festangestellten gab es noch eine große Zahl Heimarbeiterinnen, denen das Material nach Hause geliefert wurde. Marlies Zalesky erinnerte sich, dass etwa Faschingshüte und die kleinen Zuckertüten hauptsächlich in Heimarbeit hergestellt wurden.

 

Die Museumsmitarbeiter freuten sich nicht nur über den Besuch der früheren Betriebsangehörigen sondern auch über deren Versprechen, zu Hause noch einmal nach Erzeugnissen der Papierwarenfabrik zu suchen. Stücke zur Erweiterung der Sammlung sind immer willkommen.

André Neumann

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