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Wurzen Zur achten Kneipennacht geht's in Wurzen gesellig zu
Region Wurzen Zur achten Kneipennacht geht's in Wurzen gesellig zu
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Wohl bekomm’s: Daniel Seiffert ist einer der Veranstalter der Kneipennacht, zu der morgen nach Wurzen eingeladen wird. Quelle: Haig Latchinian
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Wurzen

Wer früher in Wurzen einen über den Durst trank, sah manche Null doppelt. Und so hielt sich hartnäckig der Beiname "Stadt der 1000 Kneipen" - wenn auch auf wackligen Beinen. Historiker verbannen die Legenden längst ins Reich von Tausendundeiner Nacht. Tatsächlich, so Ortschronist Wolfgang Ebert, waren von den vielleicht 100 Lokalen niemals mehr als 20 bis 30 gleichzeitig bewirtschaftet. Aber immerhin! Davon träumt Wurzen heute.

Zur 8. Kneipennacht am Sonnabend wollen die Wirte von Altem Hut, Kleiner Kneipe, Wartburg, Amadeus und Nr. 18 an jene längst verflossenen Zeiten erinnern, als es noch keinen Fernseher gab und die Schluckspechte den beengten Wohnverhältnissen daheim zumindest kurzzeitig entfliehen wollten. Ab 19 Uhr gibt es in allen fünf Clubs handgemachte Musik. Für sechs Euro ist in der jeweils ersten Kneipe ein Bändchen der Sympathie erhältlich, das zum Besuch aller teilnehmenden Lokale berechtigt.

"Die Eintrittsgelder kommen alle in einen Topf und werden brüderlich geteilt", sagt Daniel Seiffert. Der 42-jährige Kneiper vom Alten Hut am Markt 4 betont, dass sich die Wurzener Wirte nicht als Konkurrenten sehen. Im Gegenteil: "Weil die Kneipennacht in Wurzen seit 2008 mit jeweils fast 1000 Besuchern ein Renner ist, etablierten wir inzwischen zusätzlich den Rock in den Mai - als Biergarteneröffnung."

Die Wirte treffen sich das Jahr über regelmäßig zum Kneiper-Stammtisch. Dabei tauschen sie sich aus und stellen fest, dass derzeit nicht nur das Bier laufe, sondern auch das Geschäft: Früher habe man deutlich gemerkt, wann der Monat zu Ende ist. Das sei mittlerweile nicht mehr ganz so. Das Publikum ist gemischt. Ob Arbeitsloser oder Selbstständiger - über Flüchtlinge und Fußballer werde genauso gesprochen wie übers Seelen- und Geschäftsleben: Der eine hat einen Transporter, der andere ist Dachdecker - man hilft sich. Ohne Stammgäste gehe gar nichts, wissen die Wirte. Und: Niemand werde vor die Tür geschickt. Feuer frei! Es dürfe geraucht werden, 90 Prozent der Kneipengänger wüssten das zu schätzen.

Die Macher Marlies Kotyza, Detlef Kube, Thomas Baum, Sven Reiche und Daniel Seiffert freuen sich morgen zur Kneipennacht auf das volle Programm - von Blues über Swing bis Rock. Erwartet werden innerörtliche Bands wie Trio D. Janeiro und solche mit außerirdischem Namen: Felix Kralaceks Kultivierte Koffer-Kapelle. Da alles - nur keine elektronische Musik - erlaubt ist, stellen sich die Veranstalter sowohl auf jüngere Semester als auch auf Oldies ein.

Daniel Seiffert, der zusammen mit Partnerin Kathrin Wedekind seit 2007 im Alten Hut hinterm Tresen steht, ist ein Nachtarbeiter: "Wir fangen abends an und kommen nicht vor vier Uhr ins Bett. Zum Glück teile ich mich mit meiner Guten in den Dienst, so ist tagsüber immer einer von uns beiden für den achtjährigen Sohn da. Wir gehen Kegeln, ins Kino oder auf den Rummel."

Wofür Wurzens Kneipennächte ganz nebenbei auch noch bekannt sind? Für die kurzen Wege! Jedes der fünf Lokale ist zu Fuß zu erreichen. Und je nachdem, wer wie viel gebechert hat, werden aus fünf Kneipen ganz schnell mal 10, dann 100 und vielleicht sogar 1000. Aber das hatten wir ja schon.

Haig Latchinian

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