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Wurzen Zwei Varianten für Radweg Polenz-Brandis
Region Wurzen Zwei Varianten für Radweg Polenz-Brandis
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05:00 27.08.2018
Anhand einer Karte stellten die Planer zwei Varianten für den Verlauf des Radweges Brandis-Polenz vor. Quelle: Fotos:
Brandis/Polenz

„Eigentlich wollte ich mit dem Rad kommen, aber dann hätte ich den Termin nicht geschafft“, sagte Arno Jesse. Es wäre eine Erfahrung für den Brandiser Bürgermeister gewesen, die die Polenzer, die nach Brandis mit dem Fahrrad wollen, immer wieder machen: Sie fühlen sich vor allem vom LKW-Verkehr an der dazu noch stellenweise unübersichtlichen Staatsstraße 45 an den Rand gedrängt. Seit rund 20 Jahren kämpfen sie deshalb um einen Radweg Brandis-Polenz. Am Mittwochabend nun lag zur Ortschaftsratssitzung im Gemeindehaus Polenz eine Variantenuntersuchung für dessen möglichen Verlauf auf dem Tisch, vorgestellt von der IHB GmbH für Ingenieurdienstleistungen Leipzig. Erreicht habe man das, „weil aus dem Ort der Druck aufrecht erhalten wurde“, betonte Jesse.

Plakat am Sportplatz: In Rot leuchtet den Benutzern der Staatsstraße 45 die Forderung der Polenzer nach einem Radweg entgegen. Quelle: Ines Alekowa

In der Radwegekonzeption des Freistaates war der 1,1 Kilometer lange Abschnitt in die Priorität I eingestuft worden. „Somit konnten wir mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) verhandeln“, rekapitulierte Jesse die entscheidenden Schritte. Die Stadt schloss mit dem personell unterbesetzten Lasuv einen Vertrag, dessen Inhalt Jesse in Kurzform so beschreibt: „Wir machen die Arbeit, das Lasuv bezahlt.“ Dass seitdem auch schon wieder zwei Jahre ins Land gegangen sind, erklärte er mit der langwierigen Kommunikation: „Wir mussten uns jeden Schritt vom Lasuv absegnen lassen.“ Zudem hätten Bodengutachten und Umweltprüfung das Vorhaben um ein halbes Jahr ausgebremst.

Staatsstraße 45 im Bestand ausgebaut

Das Ergebnis der bisherigen Überlegungen stellte Simon Endig, Projektleiter Straßen- und Verkehrsplanung, vor. IHB, so Endig, habe den Auftrag, sowohl den Ausbau der S45 in Brandis, also vom Grimmaischen Platz bis zum Ortsausgang in Richtung Polenz, zu planen – auch hier gibt es Probleme und zwar hinsichtlich der mit dem AZV abzustimmenden Entwässerung – als auch deren Ausbau östlich von Brandis plus Radweg. Untersucht wurde die Möglichkeit, die Straße regelkonform auszubauen, sprich: die Kurven zu entschärfen. „Aber der dafür erforderliche Eingriff in den Wald würde ein wirtschaftlich vertretbares Maß überschreiten“, sagte Endig. Zudem handele es sich hier um ein Naturschutzgebiet und das europäische Vogelschutzgebiet „Laubwaldgebiete östlich von Leipzig“. „Das“, stellte Endig klar, „spricht gegen eine Neutrassierung der S45.“ Die Straße solle vielmehr im Bestand ausgebaut werden. „Die Frage ist, ob sie nur eine Deckensanierung erhalten oder grundhaft ausgebaut werden soll.“

Nord- und Südvariante für den Radweg

Für den straßenbegleitenden Radweg wurde eine Nord- und eine Südvariante betrachtet. „Das Baugrundgutachten spricht nicht für eine bestimmte Seite“, sagte Endig. Die Nordvariante, stadtauswärts links, hätte den Vorzug, dass es hier keinen Anlieger gibt, allerdings wäre die Freileitung zu verlegen. Den Kreisel vorm Ortseingang Polenz müssten Radfahrer mitdrehen, eine zweite Querungshilfe lehne das Lasuv ab, sagte Endig. Eine soll es bereits in Höhe Plötner angelegt werden, weil der Radweg in Brandis auf der Fahrbahn weitergeführt wird.

Im Gegensatz zum Straßenbau sah Florian Walther, bei IHB für Umweltfragen zuständig, im Platzanspruch des Radweges kein Konfliktpotenzial. Der Radweg soll 2,50 Meter breit werden und durch einen 1,50 Meter breiten Grünstreifen von der Fahrbahn getrennt sein, was Schutzplanken erspart. Die benötigten 1,5 Hektar stellten angesichts des 4130 Hektar großen Vogelschutzgebietes nur „einen minimalen Eingriff“ dar. Unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit favorisierte er allerdings die Südvariante. „Hier gehen weniger Gehölze und Biotope verloren“, sagte Walther, der auf der Nordseite temporäre Tümpel, mögliche Rückzugsorte für Amphibien, registriert hat. Ortschaftsratsvorsitzender Andreas Böhme hält die Nordvariante zwar für effektiver, am Ende aber sei die „Hauptsache, der Radweg kommt“.

Lasuv fällt die Entscheidung für den Bau

„Wir stellen die Ergebnisse jetzt zusammen“, sagte Endig, „am Ende entscheidet das Lasuv.“ Als zeitliche Perspektive nannte er ein bis zwei Monate. Damit wäre die Vorplanung abgeschlossen. Als nächstes werde man sich um den nötigen Grunderwerb bemühen – so gehört das Areal auf der Nordseite der Tonwerk Brandis GmbH –, „und dann ist die Frage, ob hier eine Einigung erzielt wird oder man in die Planfeststellung gehen muss. Und dann reden wir von mehreren Jahren“, rückte Endig die Erwartung zurecht, demnächst könnte der Bagger anrollen. Jesse untermauerte das: „Meiner Information nach soll 2020/21 der Bau der S45 in Brandis erfolgen, und der Radweg käme erst danach.“

Von Ines Alekowa

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