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Die Seenland-Macher hoffen auf viele Touristen

Lausitzer Seenland Die Seenland-Macher hoffen auf viele Touristen

Zwischen Dresden und Berlin entsteht aus gefluteten ehemaligen Braunkohle-Tagebauen die größte künstliche Gewässerlandschaft Europas. Dazu braucht es viele Partner - und große Visionen.

Schwimmende Ferienhäuser auf dem Wasser des Geierswalder Sees in Geierswalde (Sachsen), der unmittelbar an der Landesgrenze zu Brandenburg liegt.

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Hoyerswerda/Kleinkoschen. Geruhsam tuckert das Motorboot vom Senftenberger See in den Koschener Kanal. Die Urlauber ziehen den Hebel am metallenen Tor der Schleuse zum Geierswalder See. Vom Ufer beobachtet Schleusenwart Dirk Hartmann vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg den Vorgang. „Stellen sie mal den Motor aus“, ruft er den beiden Urlaubern zu. In der Ferne meldet sich schon das nächste kleine Schiff an.

Die Schleuse an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen steht für Aufbruch und Neuanfang im Lausitzer Seenland. Vor zwei Jahren öffnete sich mit dem Koschener Kanal die erste schiffbare Verbindung zwischen den beiden Seen. Nun wartet Dirk Hartmann auf das nächste große Ereignis. Mitte Juli soll hier ein Fahrgastschiff den Linienverkehr zwischen dem Senftenberger und dem Geierswalder aufnehmen. „Ich freue mich auf diesen Tag“, sagt der ehemalige Elektriker einer Braunkohleförderbrücke. Quietschend schließt sich das Schleusentor.

An Wochenenden passieren bis zu 200 Boote diese Landmarke. Perspektivisch sind acht Anlegestellen für großen Personenschiffe im schiffbaren Verbund geplant. Doch noch warten mancherorts ehemalige Tagebaue auf den richtigen Wasserstand. So liegt die künftige Bucht in Großräschen derzeit noch im Trocknen. Die Seebrücke ragt aus einer Sandlandschaft heraus. Cornelia Wobar schaut vom Weinberg hinunter auf den näher rückenden See. Um 5000 Rebstöcke kümmert sie sich mit ihrem Mann auf Brandenburgs steilstem Weinberg. Darüber hinaus ist die Hobby-Winzerin im Ort mit knapp 9000 Einwohnern für die Wirtschaftsförderung zuständig. „Die Bauarbeiten am Hafen sind Ende des Jahres fertig, die Flutung 2017/19. Die Touristen erleben derzeit eine Region im Umbruch. Dort drüben erkennt man noch den alten Tagebau Meuro, hier dagegen findet sich unsere Zukunft“, sagt sie. Cornelia Wobar kennt noch den Anblick der Braunkohlebagger.

Vor 16 Jahren verließen die letzten Maschinen die ausgekohlte Fläche. Im schwarzen Nichts waren die Orte Sauo, Rauno und Reppist sowie Bückgen verschwunden. Dieses Schicksal verbindet die meisten der derzeit 23 künstlichen Seen in der Lausitz. Seit Mitte der 1990er Jahre verantwortet die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV) die Sanierung der Bergbaualtlasten. Mit 14 000 Hektar wächst im einstigen Lausitzer Braunkohlerevier die größte künstliche Gewässerlandschaft Europas. Diese Vision gerät jedoch zuweilen ins Rutschen. Der Knappensee bei Lohsa (Landkreis Bautzen) ist seit März 2014 gesperrt, um die langfristig geplanten Uferverfestigungsarbeiten durchzuführen. Der Friedersdorfer Strand am Silbersee (Landkreis Bautzen) lädt erst seit dieser Saison wieder zum Baden ein.

Auf den Prüfstand kamen alle Tagebauseen nach dem Erdrutsch von Nachterstedt. Im Juli 2009 hatte dort eine Erdlawine Teile des Orts in den Concordia-See im ehemaligen Braunkohlerevier im Harzvorland gerissen. Mit Fragen zur Sicherheit der Gewässer konfrontieren Urlauber auch die Mitarbeiter des länderübergreifenden Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Auf dessen Initiative kamen im vergangenen Jahr alle Gemeinden und Partner in der Region am Tisch zusammen, um einen regionalen Entwicklungsplan für den Tourismus aufzustellen. „Wir zeigen unseren Gästen ein Stück Industriekultur und machen die Künstlichkeit der Landschaft sehr bewusst“, sagt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Lausitzer Seenland.

Im Stadthafen des Senftenberger Sees herrscht an diesem Frühsommertag maritime Stimmung. Im Wasser ankern kleinere Boote und größere Schiffe. Die MS „Santa Barbara“ liefert eine Gruppe Touristen nach ihrer Rundtour auf dem See an der Seebrücke ab. 500 000 Übernachtungen im Jahr zählen die Vermieter im Lausitzer Seeland, die Hälfte davon entfällt auf den Senftenberger See. Die „Dresdner Badewanne“ wird schon seit 1973 touristisch genutzt. 

Kathrin Winkler hält an ihren Visionen fest. „Ich wünsche mir, dass jeder See seine Charakteristik findet.“ Das Lausitzer Seenland biete sportliches Abenteuer genauso wie naturnahe Erholung. Das Ziel: 1,5 Millionen Übernachtungen im Jahr. „Vor allem Sachsen muss jetzt aufholen.“ Das lassen sich die Seeland-Macher jenseits der Brandenburger Grenze nicht zweimal sagen. Noreen Knappik vom Lausitz Resort vermietet zwei schwimmende Häuser und ein Strandhaus am Geierswalder See. „Wir sind komplett ausgebucht“, sagt sie. 85 Prozent der Gäste kommen aus dem Großraum Dresden. Wo früher Kohle zutage gefördert wurde, wird heute geplanscht, gesegelt und getaucht.

Vor einem Jahr kam Ludwig Müller mit seinem Wohnmobil aus der Oberpfalz nach Boxberg (Landkreis Görlitz). Damals war am Strand des Bärwalder Sees nur der Campingplatz zu erahnen. Jetzt stehen die ersten Camper auf dem Areal direkt am Wasser. „Wir haben uns einfach in diese Stückchen Erde verliebt. Wir sind von Anfang dabei, ein touristisches Konzept zu entwickeln. Das reizt uns“, sagt der Pächter des Sternencamps. Auf solche Partner zählt Tourismusverbandschefin Kathrin Winkler: „Wir haben die Gleise ausgelegt, den Zug darauf gestellt und gesagt, welche Waggons wir anhängen. Jetzt brauchen wir Menschen, die diesen Zug so attraktiv wie möglich machen, damit Gäste einsteigen.“

Miriam Schönbach, dpa

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