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Erfolgreich im Land der Ahnen - Prinz zur Lippe ist wieder ein Sachse

Erfolgreich im Land der Ahnen - Prinz zur Lippe ist wieder ein Sachse

Meißen. Innovativer Unternehmer, bodenständiger Schlossherr und Winzer aus Leidenschaft: „Es war die richtige Entscheidung.“ Georg Prinz zur Lippe zögert nicht mit der Antwort auf die Frage, ob sich die Rückkehr zu den Wurzeln seiner Familie gelohnt hat.

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Quelle: PR

„Aus einem Abenteuer wurde Realität und Heimat“, sagt der 56-Jährige, der mit Schloss Proschwitz Sachsens ältestes privates Weingut erfolgreich managt.

Geschenkt worden ist ihm in den vergangenen gut 20 Jahren nichts - im Gegenteil. Der Unternehmensberater musste das Weingut der Familie, Ländereien und nach langjähriger Verhandlung auch den einstigen Familiensitz Schloss Proschwitz zurückkaufen - mit Erspartem und hohen Krediten. Prinz Georgs Familie zählte 1918 zu Deutschlands regierenden Fürstenhäusern, ein Zweig hatte sich im 18. Jahrhundert in Sachsen angesiedelt. Dessen Mitglieder unterhielten Betriebe im Weinbau, in Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Steinindustrie sowie Sägewerke.

1945 entschädigungslos enteignet, wurden sie - nach Gefängnis und Konzentrationslager - gen Westen ausgewiesen. Nach dem Ende der DDR zog es Georg zur Lippe dann in die Heimat seiner Vorfahren - und er verliebte sich in die Landschaft. „Ich wollte schon immer mit Landwirtschaft und Boden zu tun haben, in der Natur wirtschaften.“ An der Elbe machte er das Hobby Weinbau dann zum Beruf. Sein Prinzip Qualität statt Quantität zahlte sich aus, die Rot- und Weißweine mit dem Familienwappen - der Lippischen Rose - gehörten schnell zu den Spitzentropfen, die auch bei Staatsempfängen gereicht werden. „Grenzen zu überwinden, etwas aufzubauen liegt im lippischen Blut“, erklärt er seine Motivation. Inzwischen werden in seiner Regie Weinberge in Sachsen und Thüringen bewirtschaftet.

 Für die Kellerei baute er einen mehr als 300 Jahre alten Vierseithof im benachbarten Zadel aus, wo die Tropfen in alten Holzfässern, aber auch Hightech überwacht in modernen Edelstahlbehältern reifen. Parallel dazu sanierten die Lippes das 1706 errichtete Proschwitzer Schloss, in dem Georgs Großmutter Friederike Freifrau von Carlowitz bis zu ihrem Tod 1943 lebte. Dann beschlagnahmten es die Nazis. Später diente es als Lazarett, Krankenhaus sowie Schule für behinderte Kinder. Nun finden dort und im nahen Weinberg bis zu 500 Veranstaltungen im Jahr statt. Unter der historischen Holzdecke im Kaminsaal, den die 32 Wappen der mit den Lippes verbundenen Adelsfamilien zieren, wird konzertiert, geheiratet, gefeiert oder getagt.

„Das Haus muss Geld verdienen“, sagt Prinzessin Alexandra. Die Lippes selbst sanierten ein Nebengebäude auf dem Schlossareal als Domizil. „Ich bin ohne goldenen Löffel aufgewachsen“, betont Prinz Georg, der ein entfernter Neffe von Hollands Königin Beatrix ist. Honorare und Erträge werden reinvestiert. Seine Frau arbeitet nebenher freiberuflich als Moderatorin und Journalistin. Seit fast elf Jahren komplettiert Sohn Moritz die Familie, „ein kluges Bürschchen“, wie der Vater nicht ohne Stolz sagt. Die Lippes mögen die Menschen der Region, trotz anfänglicher Widerstände unter den Einheimischen. „Inzwischen stehen die Leute uns eher positiv gegenüber, abgesehen von ein paar Altideologen“, sagt Prinz Georg. Wenn die Leute hörten, dass ihnen nichts geschenkt wurde, haben sie Respekt und die Vorbehalte schwinden. „Mein Vater hatte mir abgeraten“, berichtet er.

„Aber ich hätte es sehr bereut, wenn ich es nicht gemacht hätte.“ Dabei ist der Ausgang des Abenteuers, bei dem auch Lehrgeld gezahlt wurde, nach wie vor ungewiss. So kostete der Traum vom Weingut in der mittelalterlichen Burg Liebstedt bei Weimar viel Geld und Nerven - und scheiterte an einem „Klub der Ewiggestrigen“. Nun macht Prinz Georg mit kleinen Schritten weiter - und fährt die Ernte eben gen Osten in den Zadelschen Keller. Ob der Sohn wirklich in die Fußstapfen des Vaters tritt, ist offen. Prinz Georg denkt daher auch über eine Stiftung nach - und die Zukunft des Weinbaus an der Elbe. „Winter und Spätfröste machen den Wein teuer. Es ist schwierig, eine schwarze Null zu schreiben.“

dpa

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