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Grillparty auf Neumayer III: Ein Leipziger kocht auf Station in der Antarktis

Grillparty auf Neumayer III: Ein Leipziger kocht auf Station in der Antarktis

Dirk Peter lebt im ewigen Eis. Während in Leipzig der erste Schnee dieses Winters noch immer auf sich warten lässt, hat der 40-jährige Messestädter Gefrorenes im Überfluss.

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Dirk Peter vor der Polarstation Neumayer III.

Quelle: Dirk Peter

Leipzig. Peter arbeitet als Koch auf „Neumayer III“, der Polarforschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts am Rand der Antarktis. Seit zwei Monaten ist er in einer der unwirtlichsten Gegenden der Erde für das leibliche Wohl der Wissenschaftler und Techniker verantwortlich – ein echtes Abenteuer.

„Nach 20 Jahren als Koch in verschiedenen Restaurants und Hotels wollte ich einfach noch einmal wissen, was kann man mit diesem Beruf außerhalb der Norm noch erreichen“, erklärte Peter gegenüber LVZ-Online. Zuvor hatte er acht Jahre lang als Küchenchef des Plagwitzer „Stelzenhaus“ jede Norm übererfüllt, stand auch im Szene-Restaurant „Kitchen“ hinterm Herd. Dann lockte ihn die mögliche Grenzerfahrung – sachlich formuliert in einer profanen Anzeige auf der Internetseite des Alfred-Wegener-Instituts. „Schon in der Stellenbeschreibung wurde klar: Das wird kein normaler Job, kein Trip, bei dem man sich einfach mal ausprobieren kann“, erinnert sich der Leipziger.

Peter bewarb sich, wurde genommen und nach einer viermonatigen Vorbereitungszeit am Institut in Bremerhaven erreichte er am 1. Dezember 2011 die Polarforschungsstation auf dem Schelfeis an der Antarktisküste, 2500 Kilometer vom Südpol entfernt. „Unsere Verträge mit dem Institut gelten zwei Jahre. Auf Neumayer III selbst sind wir 14 Monate, danach kommen Urlaub und freie Tage“, sagt Peter. Erst im März 2013 ist das Abenteuer zu Ende.

60 Tonnen Proviant für 13 Monate im Eis

Doch daran ist jetzt noch nicht zu denken. Aktuell herrschen am Rand der Antarktis milde minus fünf Grad Celsius. Es ist Polarsommer und etwa 50 Personen, inklusive diverser Expeditionen und anderer Gäste, wohnen im fast 40 Millionen Euro teuren Forschungskonstrukt. „Ich bin für die komplette Verpflegung der Besatzung zuständig“, sagt Peter und fügt an: „Das umfasste auch schon den Einkauf von 60 Tonnen Proviant für insgesamt 13 Monate, der in Bremerhaven gepackt und hier nach Anlieferung durch den Eisbrecher ‚Polarstern’ eingelagert wurde. Insgesamt sind das grob 1500 Einzelartikel.“

Der Arbeitstag des Leipzigers auf der Antarktis-Station beginnt um 7 Uhr mit der Zubereitung eines insgesamt vier Meter langen Buffets – inklusive Obst, kalten Platten und Eiern. „Mittags gibt es ein Salatbuffet und solange es möglich ist, eine große warme Mahlzeit mit Dessert. Am Nachmittag mache ich Kaffee und Kuchen, oft auch selbst gebackenen“, erklärt Peter. Ab 18 Uhr bereitet er dann noch einmal ein großes Buffet mit warmen Speisen, um den im Sommer viel im Freien arbeitenden Kollegen gerecht zu werden. Mitunter organisiert der 40-Jährige auch kleine Feste auf der Station, wie am vergangenen Wochenende, als die Besatzung der südafrikanischen Nachbarstation Sanae IV zum Kurzbesuch vorbeikam. Der Leipziger lud die Gäste zu Grillwürsten ein.

Isolation im langen und dunklen Polarwinter

Ende Februar legt sich der Trubel auf der Forschungsstation dann aber schlagartig. Bis November herrscht der Polarwinter mit bis zu minus 40 Grad Celsius. Weil ein Arbeiten im Freien dann kaum noch möglich ist, verlässt ein Großteil der Besatzung die Antarktisküste. Neben Dirk Peter bleiben nur noch acht Teammitglieder auf der Station. „Da in dieser Zeit keine Möglichkeit für eine Hilfe von Außen besteht, ist ein enges Zusammenarbeiten und ein genaues Verständnis für die Arbeit des Anderen unabdingbar. Wir haben ja dann nur noch uns“, sagt der Leipziger. Spätestens in dieser Zeit wird er dann zum vielleicht wichtigsten Teammitglied, das in der Dunkelheit der Polarnacht mit seinem Essen einen zeitlichen Takt vorgibt und die Besatzung bei Laune hält.

Neben seiner Tätigkeit als Koch muss Peter im Polarwinter auch an anderen Stellen mitwirken. „Wir alle sind dann für den Erhalt der Station und aller Observatorien mitverantwortlich. Jeder packt mit an, wenn er Zeit hat. Zur Pflicht wird es in unserer Funktion als Feuerwehr der Station, für die wir ein hartes Training absolviert haben. Denn Feuer ist hier unser größter Feind – noch weit vor der Kälte. Gegen die haben wir ja warme Sachen, aber wenn diese verbrannt sind ...“, sagt Peter.

Arktische Naturschönheiten und Kontakt mit tierischen Nachbarn

Bis der Winter in ein paar Wochen klirrenden Frost und Dunkelheit bringt, nutzt der Leipziger seine Freizeit für kurze Ausflüge in die weiße Pracht. „Zugegeben, als Großstadtmensch ist man an andere Reize gewöhnt und die flache, weite, weiße Fläche ist erst einmal langweilig. Wenn man aber aufmerksam ist, beginnt man schnell Feinheiten und wunderschöne Änderungen im Erscheinungsbild der Natur wahrzunehmen“, sagt der 40-Jährige. Mit dem wechselnden Stand der Sonne werden Eisberge und Bucht in unterschiedliche Farben getaucht. „Die Vielfalt an Wettererscheinungen hier ist einfach faszinierend“, schwärmt Peter und fügt an: „Und dann kommt ja auch noch der Winter mit seinem unverfälschten Sternenhimmel und hoffentlich vielen Polarlichtern. Ich habe hier wirklich nicht das Gefühl, in einer Einöde gelandet zu sein.“

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Besuch von arktischen Eingeborenen: ein junger Kaiserpinguin bei der Kontaktaufnahme mit dem Leipziger Koch. (Das Foto wurde unter strenger Beachtung aller Regeln zum Schutz der Tierwelt in der Antarktis, speziell unter der Einhaltung der Mindestabs)

Quelle: Dirk Peter

Zumal die schöne Monotonie rings um die deutsche Polarstation auch gelegentlich noch von anderen Antarktisbewohnern aufgewertet wird. „So banal das klingt: Die beeindruckendsten Begegnungen hier hatte ich bisher mit Tieren. Die kennen kaum Scheu und sind teilweise sogar sehr neugierig. Wenn man sich an die Regeln hält, die wir während der Vorbereitung auf solche Begegnungen gelehrt bekommen haben, sind unvergessliche Momente möglich“, schwärmt Peter. Wenn man sich entsprechend verhalte, könnte fast der Eindruck entstehen, die Tiere wären zahm. „Dem Irrglauben sollte man aber angesichts einer vier Meter langen Robbe mit einem Gewicht von 500 Kilo nicht verfallen“, warnt er.

Dank der heutigen Kommunikationsmittel kann sich übrigens nicht nur Peters Familie an diesen Begegnungen mit Kaiserpinguinen und Robben erfreuen. Über seine Facebook-Seite bekommen Freunde und Bekannte regelmäßig Eindrücke vom aufregenden Leben am Südpol. „Der Kontakt nach Hause ist sehr gut, nicht selten genug verfällt man in ausschweifende Berichte und Beschreibungen“, sagt Peter und schiebt schnell hinterher: „Ich freu mich jedenfalls riesig über jedes Telefonat mit meinem Sohn Pele und meiner Familie. Und Freunde die unverhofft zum Hörer greifen, überraschen mich extra.“

Internet: www.awi.de

Matthias Puppe

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