Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Markkleeberger Domizil wieder in Familienbesitz

Markkleeberger Domizil wieder in Familienbesitz

Sachsens private Schlosseigentümer öffnen wieder ihre Türen für Leser dieser Zeitung. Am kommenden Wochenende gibt es Einblicke im Schloss Markkleeberg.„Wir wollten nicht irgendein Schloss haben, sondern das der Familie“, sagt Wolfgang Gerlach.

Voriger Artikel
Rund 500 Besucher wandern durch die Gebäude des Ritterguts Ehrenberg
Nächster Artikel
Schloss-Serie: 800 Besucher kommen nach Markkleeberg

Stolze Schlossbesitzer: Wolfgang und Angelika Gerlach mit Sohn Joachim.

Quelle: Andreas Döring

Markkleeberg. h. 2000 geht der Wunsch in Erfüllung. „Was einst meinem Großvater Paul Hoppe gehörte, befindet sich mit dem Kauf nun wieder in Familienbesitz“, ergänzt Gerlachs Frau Angelika. Ihr Vater Ralf Treviranus, verheiratet mit der Tochter Hoppes, war jahrelang Pächter des Schlosses in Markkleeberg-Ost (Kreis Leipzig). 1945 verliert die Familie ihr Zuhause. Mit der Bodenreform wird jeder enteignet, der über 100 Hektar besitzt. Angelika ist da knapp zwei Jahre alt. An die Zeit im Schloss kann sie sich nicht mehr erinnern, doch sie verfolgt später sehr genau, was damit passiert.

Erst dient es als Versuchsgut der Universität Leipzig, später wird es als Kinderkrankenhaus genutzt, danach als Alters- und Pflegeheim. „Als Kind bin ich dort mit dem Kirchenchor aufgetreten“, erinnert sich Joachim Gerlach. Als die Gerlachs die Immobilie erwerben, kauft der Sohn sich ein Viertel davon. Während die Eltern in ihrem Haus in Markkleeberg bleiben, zieht der 37-Jährige ins Schloss, in eine Wohnung im Obergeschoss. „Als Schlossherr fühle ich mich deshalb nicht, aber ich bin schon stolz, dass ich die Familientradition weiterführe“, sagt er. In vierter Generation mittlerweile.

Traditionen pflegen wird bei den Gerlachs groß geschrieben. Schließlich befindet sich das Schloss auf historischem Boden. Am 16. Oktober 1813 stehen sich hier österreichische und französische Soldaten gegenüber. Etwa 800 Männer sollen bei den Kämpfen ihr Leben verloren haben. Den Angriff der Franzosen auf das Torhaus zeigt auch ein Gemälde. „Es hat wie viele andere Möbelstücke meines Großvaters die Zeit überlebt und befindet sich nun wieder am ursprünglichen Ort“, freut sich Angelika Gerlach. Ihren Mann Wolfgang lässt die Geschichte nicht los: Er gründet am 16. Oktober 1996 mit elf engagierten Bürgern den Förderverein „Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813“. Im gleichen Jahr kauft die Familie das Torhaus, quasi den Eingang zum Schlossareal. „Unsere Freunde haben gesagt, ihr seid ja verrückt“, lächelt Angelika Gerlach. Der Dachstuhl war kaputt, der Keller vollkommen vermüllt. Wo heute gemütlich gefeiert werden kann, erinnert nichts mehr an den desolaten Zustand vor 14 Jahren.

Wie schon beim Torhaus legen die Gerlachs auch später beim Schloss selbst fleißig mit Hand an. „Fünf Jahre lang haben wir nach Feierabend Putz an den Wänden abgehackt, den Winter über Tapeten abgekratzt“, sagt der Sohn. Er pflastert auch teilweise die Steine im Schlosshof, die er auf umliegenden Feldern sammelt. Das Schloss, das über die Jahrhunderte mehrere Male umgebaut wurde, gleicht nun wieder seinem Aussehen von 1880. Im Inneren konnten Parkettfußböden aus der Barockzeit erhalten werden, ein original restaurierter Spiegel ziert die Wände im Foyer, das Herrenzimmer schmückt eine Kassettendecke mit Kastanienblattdekor. Vom Musiksalon aus blickt man auf den schönen Park. „Leider ist die Orangerie noch nicht fertig“, bedauert Wolfgang Gerlach.

Nach der Arbeit, er ist gemeinsam mit Sohn Joachim Geschäftsführer der Gerlach-Zubehörtechnik GmbH in Leipzig-Großzschocher, ist er fast jeden Tag im Park zu finden. Dem Hobby-Botaniker haben es besonders die vielen Rhododendren angetan. „Das Schloss muss leben“, so lautet von Anfang an die Devise der neuen, alten Eigentümer. Zwei Wohnungen sind vermietet, außerdem hat das Kultur- und Umweltzentrum Räume bezogen. Im Torhaus hat der Förderverein sein Domizil gefunden, es beherbergt auch ein Museum zur Völkerschlacht sowie eine Heimatstube. Ob Maibaumsetzen, Erntedankfest, Schlosskonzert oder Weihnachtsmarkt, regelmäßig finden Veranstaltungen statt, auch die jährlichen Rhododendrontage haben schon ihre Stammbesucher.

Anke Jackowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Reisenews
  • Regionalverband Thüringer Wald
    Regionalverband Thüringer Wald

    Entdecken Sie Deutschlands ältesten, bekanntesten und beliebtesten Höhenwanderweg, den RENNSTEIG und genießen Sie in unverwechselbarer Natur im Thü... mehr

Leserreisen

Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das Richtige. mehr