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Mutige Brüder auf Schloss Wurzen

Mutige Brüder auf Schloss Wurzen

Sachsens private Schlosseigentümer öffnen wieder ihre Türen für Leser dieser Zeitung. Am kommenden Wochenende gibt es Einblicke im Schloss Wurzen.Der Weg zum Schloss ist in Wurzen unspektakulär.

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Schlossbesitzerfamilie: Sirko Wedekind (l.) mit Freundin Yvonn Klaus (2.v.l.) und Ronny Wedekind mit Freundin Susan Ackermann sowie William.

Quelle: Andreas Döring

Wurzen. r. Keine kurvenreiche Straße ist zu befahren, kein beschwerlicher Fußweg zu meistern. Das Auto einfach mitten in der Muldentalstadt abstellen und Richtung Dom - selbst so ein Bauwerk gibt es hier - laufen. Nach wenigen Metern ist man damit auch auf Schloss Wurzen angekommen.

Die Herren des als Hotel und Gaststätte betriebenen Anwesens passen auch nicht in die Norm. Sie sind jung, von adliger Herkunft keine Spur, und Wurzener Ur- und mithin Ostbewohner. Die Brüder Ronny (32) und Sirko (36) Wedekind betrieben um 2000 in der Muldentalstadt, sagen wir mal, eher normale Gaststätten. Sie suchten was besonderes. Als ihnen seitens der Stadt die Offerte gemacht wurde, das quasi vor der eigenen Haustür liegende Schloss zu erwerben, erschreckten sich die Wedekinds zwar zunächst, ließen sich aber - es war der 17. Juni 2002 - doch darauf ein und schlugen zu. Im Schloss war zu DDR- und in folgenden neudeutschen Zeiten die Polizei untergebracht, auch als Amtsgericht firmierte der Bau mal, der um 1500 entstand.

Die Haus-Geschichte hat viel zu bieten. "Schloss Wurzen gilt als das älteste im deutschsprachigen Raum. Der massige Baukörper auf rechteckigem Grundriss mit südöstlichen und nordwestlichen Ecken kennzeichnen den Übergang von der mittelalterlichen gotischen Burg zum Renaissanceschloss", weiß Ronny. "Die Baukosten sollen einst 14 000 Reichstaler betragen haben. Kein Vergleich zu unserem Millionenkredit", so der Schlossbesitzer. Die Geschichte(n) hat Ronny aus dem Stegreif drauf. Er ist begeistert davon, ein Schloss zu besitzen. "Das war freilich nicht immer so. Zwischenzeitlich schien uns schon mal der Mut zu verlassen", erinnert er sich an schwierige Zeiten als Investor. Mittlerweile glaubt man aber über den Berg zu sein. Die Wedekind-Brüder und ihre Lebenspartnerinnen verdienen ganz gut, können 15 Leuten Arbeit geben und investieren sofort wieder, um ihr Haus perfekter zu gestalten. Von den 3300 Quadratmetern räumliche Fläche ist bis dato erst ein Drittel restauriert.

Gäste kommen, mittlerweile selbst die aus Wurzen, es wird geheiratet im historischen Trausaal. Firmen des Muldentals sind wichtige Partner, weil sie ihre Geschäftskunden zur Nacht aufs Schloss schicken. Und wenn im nahen Leipzig eine Messe oder sonst ein Event stattfindet, profitieren auch Wurzens Schlossbesitzer davon. 15 Zimmer stehen derzeit zur Nächtigung zur Verfügung. Insgesamt 45 sollen es mal sein, wenn auch der große Rest des historischen Baus saniert worden ist.

"Wir bieten Einmaliges für Deutschland: Hotel und Gastronomie in einem so alten Schloss und gleich neben dem Frühstückstisch im Freien noch einen richtigen Dom", sagt Ronny Wedekind. Genau: St. Marien, 1114 geweiht und mithin ältestes Bauwerk der Stadt, mit den Kunstwerken des Bildhauers Georg Wrba. Ganz zu schweigen vom hiesigen Urgestein Joachim Ringelnatz, das irgendwann am Schloss vorbeispaziert sein muss. Wedekind: "Unsere Stadt hat so viel zu bieten, man muss es nur so anbieten, damit es auch komplex wahrgenommen wird." Zum Beispiel so: Im Dom befindet sich das Grab­denk­mal für den Urschlossherrn Jo­hann VI. Und im Al­tar­raum ist die Kreu­zi­gungs­gruppe von Georg Wrba auf­ge­stellt. Hier in der Provinz passt eben irgendwie alles zusammen.

www.schloss-wurzen.de

Thomas Mayer

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