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Rund 500 Leser staunen in Reichstädt

Rund 500 Leser staunen in Reichstädt

Für Leser dieser Zeitung öffnen Sachsens private Schlossherren wieder ihre Tore. Am Sonntag strömten rund 500 Besucher ins Schloss Reichstädt bei Dippoldiswalde und ließen sich von Ilse von Schönberg das restaurierte Gemäuer zeigen.

Dippoldiswalde. Die Schlossherrin stammt vom adeligen Vorbesitzer Adam Rudolph von Schönberg ab. Standesgemäß zeigt sie sich an diesem sonnigen Sonntagnachmittag in einem blauen Kleid, um den  Besuchern ihr Anwesen zu zeigen. Redegewandt und immer zu Scherzen aufgelegt führt sie eine etwa 30-köpfige Gruppe um den Schlosshof. „Wenn man das Gebäude von vorn betrachtet, sieht es aus wie ein hübsches kleines Landschlösschen“, sagt Ilse von Schönberg. „Aber wenn man die Seitengebäude dazu zählt, dann ist es größer als das Regierungsschloss von Angela Merkel, das Gästehaus der Bundesregierung, in Meseburg. Da hab’ ich selber gestaunt.“

Gelächter macht sich breit unter den Anwesenden, die vom Garten in den Weinkeller und von dort ins beinahe fertig sanierte Obergeschoss des Schlosses geführt werden. Dabei treffen sie häufig auf andere Besucher. Insgesamt werden vier Führungen gleichzeitig gegeben, um die Gäste nicht zu lange auf den Rundgang warten zu lassen. Im Rosenzimmer wandern staunende Blicke über die Wände, die scheinbar mit edelstem Stoff bezogen sind. „Das ist normale Papiertapete, neun Euro die Rolle“, klärt die Schlossherrin auf.

„Das sieht wirklich toll aus, wie echte Seide“, findet Helga Kegel aus Dresden. „Es ist wirklich lobenswert, wie sie das Schloss wieder hergerichtet hat. Ich wusste, dass es das hier gibt, aber dass schon alles wieder so schön aussieht, hätte ich nicht erwartet.“

Die meisten Räume und die Flure sind restauriert. An manchen Stellen wurden alte Wandbemalungen offen gelassen. Die Waschräume, die für die Nutzung als Pionierhaus zu DDR-Zeiten eingebaut wurden, werden derzeit abgerissen. „Das Schloss ist gerade so interessant, weil es eben noch unvollendet ist. Man sieht als Besucher noch, welche Arbeit hier geleistet wird“, sagt Alexandra Jenke aus Dresden, die mit ihrer zehnjährigen Tochter Emilie und Freunden aus Leipzig gekommen ist.

Auch seinen traditionellen Status als Hort der Kunst hat das Schloss schon wieder eingenommen. Ein aufgeschlitztes Ölgemälde erregt das Interesse der Besucher. „Das waren die sowjetischen Soldaten, die hier am 8. Mai 1945 ankamen“, berichtet Ilse von Schönberg. „Die haben hier das Kriegsende gefeiert und ihrer Wut auf die Deutschen freien Lauf gelassen.“ Neben den 200 Jahre alten Gemälden hängen für diesen Sommer die Bilder von Malerin Gabi Keil. Sie hat ihr Atelier von Dresden ins Schloss verlegt und lässt sich vom historischen Gemäuer, das einst August der Starke als Jagdschloss nutzte, inspirieren. „Das Schloss ist ein ruhiger und entspannter Ort zum Arbeiten“, schwärmt die 39-Jährige, die an diesem Tag aber nicht künstlerisch tätig ist, sondern bei der Bewirtung der Gäste im Schlosshof hilft.

Oben im Schloss ist die Gruppe im Hochzeitszimmer angekommen, das regelmäßig vom Standesamt Dippoldiswalde für Trauungen gebucht wird. Auch hier hat Ilse von Schönberg eine Anekdote zu erzählen. „Vor einem Jahr hat hier das erste Paar geheiratet. Der Bräutigam war Stuckateur und meinte, da fehle noch der alte Stuck an der Decke“, erzählt die 66-Jährige. „Er machte mir ein Angebot: ,Ich besorge den Stuck günstig und baue ihn selbst ein, dafür machen Sie mir eine günstige Hochzeit.’ Und so kam es dann auch.“

Wieder kommt Gelächter auf bei den Gästen, die nach dem Rundgang ihre Schlosserlebnisse austauschen. „Es ist schon toll, dass hier Jahrhunderte alte Parkettfußböden drin liegen, und kaum Spuren davon zu sehen sind“, sagt Reinhard Kirsten aus Wurzen begeistert. „Auch, dass die Fenster schon 250 Jahre alt sind, hätte ich nicht gedacht“, fügt Begleiter Gerd Winkler aus Brandis bei. Beide haben mit ihren Familien schon mehrere Schlösser der Serie dieser Zeitung besucht. „Wir waren schon in Ehrenberg, Markkleeberg und Güldengossa“, sagt Winkler. „Da ist jedes Schloss anders saniert und alle Besitzer sind unterschiedlich, so wie das Leben selbst.“

Sebastian Fink

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