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Schwaben in Güldengossa

Schwaben in Güldengossa

Geigers sind – auch nach eigener Einschätzung – waschechte Schwaben. Sie schaffen ohne Unterlass und rechnen dreimal, bevor  sie ein wirtschaftliches Risiko eingehen.

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Die Familie Geiger vor ihrem Schloss.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Nicht umsonst ist Schloss Güldengossa sowohl Wohnort der Familie als auch Unternehmenszentrale der Geiger Edelmetalle GmbH. Die handelt und vertreibt seit 2005 Gold, Silber, Platin und Palladium für private und institutionelle Anleger. „Wir  sind halt Schwaben und arbeiten rund um die Uhr“, lacht Irene Geiger. Es ist ein helles, herzliches Lachen und entspricht ihrer Natur. „Wir  hatten schon immer eine Affinität zu Edelmetallen: Mein Vater war Graveur. Meine Mutter war in einer Silberwarenfabrik tätig.“ Und ihr Mann  interessiere sich ohnehin dafür. Ein wenig stolz fügt sie hinzu: „Schwäbisch-Gmünd ist ja eine Gold- und Silber-Stadt.“ Vater Adalbert (44),  Mutter Irene (47) und die Kinder Johannes (16), Andreas (15), Patrizia (11) und Thomas (3) wohnen gemeinsam im Dachgeschoss.

Dass es   die Familie aus Schwäbisch-Gmünd nach Güldengossa vor die Tore Leipzigs verschlagen hat, war allerdings reiner Zufall. Ein Makler bot 2006  das Schloss aus einem Insolvenznachlass an und die Geigers schlugen zu. Begeistert von einem Haus mit wechselvoller Geschichte, die zu  DDR-Zeiten eigentlich im Tagebau enden sollte, Da die Bausubstanz noch akzeptabel war und die riesige Braunkohleheizung beinahe bis zum  Schluss funktionierte, ging es vor allem um die Trockenlegung des überschwemmten Kellers, um Schwammbekämpfung und  Dacherneuerung. „Als wir im Keller den Putz von den Wänden schlugen, begann so etwas wie eine Beziehung zu diesem Haus“, erinnert sich  Geiger. Noch heute hängen dort die Urkunden aus DDR-Zeiten für den „Bereich der vorbildlichen Ordnung und Sicherheit“ als ironische  Reminiszenz. Hat es mal einen Augenblick gegeben, wo die neuen Schlossbesitzer dachten, es wächst ihnen alles über den Kopf? Irene  Geiger überlegt kurz und lacht dann wieder: „Nö, da passen wir dann schon auf.“

2008 wurde Schloss Güldengossa wiedereröffnet. Während  außen der Barock dominiert, waren innen fast keine Spuren davon mehr zu finden. Fotos oder Abbildungen existierten nicht. So war nicht  einmal genau klar, wofür die Zimmer genutzt wurden. Das Inventar fehlte. Deshalb hielten sich Geigers schließlich an die Umbauzeit. Für die  Deckenbemalungen holten sie Freskenmaler aus Venedig. Die Tapeten und Vorhänge wurden dazu passend und abgestimmt mit dem Denkmalschutz ausgewählt. Das alte Parkett reichte immerhin noch fürs Erdgeschoss. Und im Vorraum der Toiletten wurde ein schmaler  Streifen Ursprungsfarbe konserviert. Warum aber Schloss Güldengossa? Historisch gibt es eigentlich nicht so viel her. Irene Geiger: „Weil es  besondere Reize hat. Zum Beispiel steht es ja noch als Gesamtensemble mit Schlosspark. In anderen Schlossgärten wurden zu DDR-Zeiten  Fußballplätze angelegt oder Plattenbauten errichtet.“ Vermutlich sei dieses Schicksal der Anlage nur deshalb erspart geblieben, weil sie  weggebaggert werden sollte. „Aber durch dieses große Baggerloch haben wir es jetzt nur ein paar Meter bis zum Störmthaler See“, freut sich  Geiger über die jähe Wendung in der deutschen Geschichte. „Und außerdem liegt es sehr nahe an Leipzig.“ Wohin es die Geigers allerdings  seltener verschlägt, eben wegen der Arbeit und wegen vieler Veranstaltungen – zum Beispiel die beliebten Musikabende im Konzertsaal. Aber auch sonst ist der Schlosspark nie verwaist. Der Barockgarten mit Schwanenpärchen und Pfauen steht tagsüber offen, in der Orangerie kann  man Kaffee schlürfen oder familiäre Feste aller Art ausrichten.

Geigers Privatleben findet quasi auf dem Präsentierteller statt. Man habe sich  schnell eingelebt, sagen sie von sich, Das Verhältnis mit den Einheimischen sei gut. Das Schloss verkörpere ja schließlich auch so was wie  eine Dorfentwicklungsmaßnahme. Jedes Gebäude im näheren Umkreis habe einen Wertzuwachs erfahren. Wie ist es nun aber, wenn man  plötzlich in so einem Schloss wohnt? Irene Geiger lacht wieder: „Sie werden es nicht glauben, wir wohnen im Dachgeschoss. Wir hatten in Schwaben eine weitaus größere Wohnung.“

Roland Herold

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