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Wein, Erfolg und Ärger - das Weingut in Proschwitz zieht Bilanz

Wein, Erfolg und Ärger - das Weingut in Proschwitz zieht Bilanz

Nach zwei schlechten Jahrgängen und herben finanziellen Verlusten sieht sich das sächsische Weingut Schloss Proschwitz wieder auf gutem Weg. "Wir haben hervorragende Weine und denken jetzt verstärkt an den Export", so Georg Prinz zur Lippe am Montag auf der zweiten Hausmesse.

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Der Kellermeister des Weingutes „Schloß Proschwitz“ nahe Meißen in Sachsen erklärt Besuchern den Weinkeller.

Quelle: dpa

Proschwitz. Edle Tropfen kommen auch von seinen Lagen bei Weimar - willkommen ist der Sachsen-Prinz in Thüringen aber immer noch nicht.

"2012 war ein wundervolles Weinjahr", schwärmt der Chef auf Schloss Proschwitz. Von 600.000 Flaschen geht Georg Prinz zur Lippe aus, die in den Handel gelangen. Neben dem deutschen Markt denkt der Winzer verstärkt an den Export. "Wir waren gerade mit Volkswagen zur Automesse in Shanghai. Unsere Weine sind gefeiert worden." Jetzt sollen auch Polen und Tschechen in den Genuss seiner edlen, wie teuren Tropfen kommen - dank der deutschen Botschaft dürfen die Proschwitzer auf Festen den Nachbarn einschenken. Kontakte wurden auch nach Russland und den USA geknüpft.

Die gute Laune ist nicht gespielt. "Nach zwei miesen Jahren atmen wir jetzt wieder richtig durch", sagt der Winzer. Starkfröste führten zu enormen Ausfällen. Um die Verluste wettzumachen, habe er 1,3 Millionen Euro aus dem Eigenkapital ins Unternehmen schießen müssen. Weniger von Schwankungen betroffen seien zum Glück die Geschäfte "drumherum", sagt Schlossherrin Alexandra Prinzessin zur Lippe und zählt auf: "Kulturveranstaltungen, Seminare, Gastronomie, Übernachtungen."

Der Prinz, der nach der Wende die Weinberge seiner Familie bei Meißen zurückgekauft und - wie er sagt - jedes Jahr rund eine Million Euro in den Aufbau eines Weinguts investiert hat, rückte davon auch im Vorjahr nicht ab. Die Proschwitzer bauten eine zweite Kellerei, um auch Weine benachbarter Winzer verarbeiten zu können. 3,3 Millionen Euro habe das Vorhaben verschlungen. Zur Lippe, der vor seiner Sachsen-Zeit in München als Unternehmensberater tätig war, spricht von antizyklischem Handeln. "Das Haus" sei jetzt jedenfalls gut bestellt.

Erhebliche Schäden durch Frost mussten die Sachsen auch in ihren Thüringer Lagen hinnehmen. "Schon im Vorjahr haben wir 21500 Reben nachgepflanzt, weitere 30000 kommen noch in die Erde", berichtet Björn Probst - er leidet die Geschicke der Sachsen in Thüringen. Alles andere als ein Traumjob, denn noch immer haben die Sachsen keine Immobilie im Nachbarland, um ein eigenes Weingut vor Ort aufbauen zu können, fahren deshalb bislang die Trauben nach Proschwitz zur Verarbeitung. Dabei fing alles so gut an: Dank guter Kontakte in die Politik erwarb der Prinz in Kromsdorf vor den Toren Weimars Land. Mittlerweile hat er 43 Hektar aufgerebt und damit die sehr überschaubare Thüringer Weinanbaufläche faktisch verdoppelt. Vielleicht wegen seiner guten Kontakte, vielleicht auch nur weil er aus Sachsen kommt - willkommen ist der Adlige bis heute nicht bei allen. So scheiterte er beim Kauf des Kromsdorfer Schlosses und liegt jetzt nach Erwerb der mittelalterlichen Ordensburg Liebstedt im Clinch mit der klagenden Gemeinde. "Wir haben richtig viel Geld in Konzepte gesteckt und letztlich verbrannt", ist zur Lippe sauer. Dass er jetzt Schadensersatzklagen ankündigt, macht die Aufbauarbeit von seinem Vorkämpfer Probst nicht leichter.

Auf der Hausmesse ist dessen Stand allerdings besonders frequentiert. "Das hier ist mein persönlicher Favorit", sagte er und zeigt auf einen 2012er Sauvignon Blanc aus dem Weinhaus zu Weimar (ausgebaut in Sachsen). "Ein wunderbarer Tropfen, aber werben muss ich für den eigentlich nicht mehr. Denn im Prinzip ist er so gut wie ausverkauft." Auch der Weißburgunder und der Dornfelder würden gut nachgefragt - insbesondere aus Thüringen selbst. "Bei einer Aktion vor Kurzem verkauften wir in Weimar an einem Tag 6000 Flaschen", sagt Probst und fügt an. "So gewinnen wir."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2013

Andreas Dunte

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