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Wurzen lockt mit Ringelnatz

Wurzen lockt mit Ringelnatz

Hans Gustav Bötticher übte auf sein Publikum eine besondere Anziehungskraft aus. Und wie sich zeigte, waren darunter viele Frauen, die den Weg des Dichters, Malers und Seemanns kreuzten.

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Das Foto zeigt Joachim Ringelnatz im Kreise von Schülerinnen des Pensionats in Eisenach­, das von Dora Kurtius (3.v.r.) geleitet wurde.

Quelle: Museum

Wurzen. Anlässlich des 130. Geburtstages von Bötticher am 7. August, besser bekannt als Joachim Ringelnatz (1883 - 1934), wird am Mittwoch die Ausstellung "Die Frauen um Ringelnatz" eröffnet. Denn sie bildeten einen Mosaikstein im Kosmos des Künstlers und jener Zeit, in der Wurzens berühmter Sohn lebte.

Doch mit welchen Frauen umgab er sich, wie lernte er sie kennen? Was zeichnete deren Beziehungen zu ihm aus? "Die Quellenlage ist sehr schwierig, da aufgrund des Krieges viele Dokumente verloren gingen", erzählt Museumsleiterin Sabine Jung. Und dennoch hat sie es geschafft, 22 Autoren zu gewinnen, die in 26 Texten 28 Frauen näher vorstellen. "Darunter natürlich die Angehörigen, wie Mutter, Schwester, Ehefrau und deren Halbschwestern." Aber ebenso adlige Damen, gestandene Wirtsfrauen; Frauen, die malten, bildhauerten oder Geige spielten. Frauen, die Löwen bändigten oder ein Pensionat leiteten. Chansonnetten, Diseusen (Kabarettkünstlerinnen) und Filmstars.

"Die Recherchegrundlagen hierfür ermöglichte dank der finanziellen Projektförderung durch die Provenienz-Forschungsstelle Berlin vor allem das hauseigene Ringelnatz-Archiv im Kulturgeschichtlichen Museum Wurzen", betont die promovierte Kunsthistorikerin. Was letztlich zu sehen sein wird, sei dann die Fleißarbeit der Autoren. Auf 26 Schautafeln inklusive Vita zur Person lassen die Schreiber jene Frauen wieder auferstehen. Zum Beispiel Maria und Tula Reemy, die Ende September 1915 den damals 32-jährigen Minen-Maat Bötticher im Zug von Warnemünde nach Rostock kennenlernten. Aus dieser kurzen Begegnung entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Übrigens, so Jung, besuchte eine Tochter von Maria Reemy, sie starb 1977 in Wolfenbüttel, sogar schon das Wurzener Museum, verfügt zudem über Briefe, die sich ihre Tante Tulla und Ringelnatz schrieben.

Auf die Frage hin, ob Ringelnatz angesichts der vielen Frauen ein Schwerenöter gewesen sei, sagt Jung: "Keineswegs. Ihm den treuen Ehemann abzusprechen oder ihn gar als Frauenheld zu sehen, wäre sicherlich unzutreffend." Vielmehr förderten ihn seine Bekanntschaften als Künstler und Freund, indem sie Ringelnatz zu Anstellungen und Aufträgen verhalfen, ihn inspirierten und unterstützen.

Begleitet wird die Ausstellung "Die Frauen um Ringelnatz" von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Die Palette des Angebotes reicht von Führungen über Kinderworkshops bis hin zu Vorträgen und Lesungen. "Darüber hinaus bereiten wir in der Stadtgalerie neben den Schautafeln drei Inszenierungen im Form von zwei mal ein Meter großen Bühnen vor", verrät Jung. Sie zeigen Ringelnatz' Arbeitszimmer, eine Kneipensituation und die Künstlerkolonie Hiddensee, zu deren Gästen auch das Multitalent gehört. Die Gegenstände stammten aus dem Depotbestand des Museum. Zwei Hörstationen und Musik der 20er-Jahre komplettieren schließlich das Rundum-Paket aus Anlass des 130. Geburtstages von Hans Gustav Bötticher.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.08.2013

Kai-Uwe Brandt

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