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Zauberschloss Kuckuckstein mit Zugbrücke und allem Drum und Dran

Zauberschloss Kuckuckstein mit Zugbrücke und allem Drum und Dran

Spinnt denn das Navigationssystem? 500 Meter vor dem Ziel ist von Schloss Kuckuckstein reinweg gar nichts zu sehen. Dann aber lichtet sich das dichte Grün an der Straße und rechts am Hang taucht das Zauberschloss auf.

Zauberschloss im doppelten Sinne. Zum einen, weil es zu DDR-Zeiten Drehort für die Fernsehsendung „Zauber auf Schloss Kuckuckstein“ war. Zum Zweiten, weil es die Besucher mit seinem Flair verzaubert. Ralph Neunteufel, 47-jähriger Finanzberater mit österreichischen Wurzeln, und Michaela Kirstein, gelernte Kauffrau aus Radebeul mit Bau-Erfahrung, wissen das zu schätzen. „Das Schloss hat viele Geheimnisse. Das ist sooo schön“, schwärmt die 37 Jahre alte Kirstein. Und Neunteufel ergänzt: „Wissen Sie eigentlich, was für ein Gefühl das ist, über den Sandstein zu streichen? Sehr sinnlich.“

Eigentlicher Schlossbesitzer ist die Global Castle Management GmbH und Neunteufel ihr Geschäftsführer. Kirstein dagegen verwaltet das Haus mit allem Drum und Dran. „Mädchen für alles“, konstatiert Neunteufel sachlich. „Gute Fee“, kontert Kirstein romantisch. Und deshalb haben beide nicht nur private Gemächer im Schloss, sondern im Fall der Fälle das unschätzbare Privileg, eine Zugbrücke hochziehen zu können.

Im Herbst 2007 übernahmen sie das Haus von der 1400 Einwohner zählenden Stadt Liebstadt (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). „Eigentlich ist es kurios, dass sich jemand, der lieber nach vorn schaut, für Vergangenheit interessiert“, philosophiert Neunteufel in der gotischen Halle. „Aber das Entfernen vom Hier und Jetzt und der Blick in die Vergangenheit machen mich immer wieder Staunen. Man kann kaum fassen, dass so ein Haus über 1000 Jahre alt ist.“

Kein Zweifel: Die alte Bausubstanz und die Geschichte, die dahintersteht, haben es ihnen angetan. „Wir planen, das Haus, die Nebengebäude und den romantischen Landschaftspark aus dem späten 18. Jahrhundert als Gesamtensemble zu rekonstruieren“, sagt Neunteufel. Aber das werde behutsam geschehen. „Mit einfachem Durchsanieren macht man nur die Bausubstanz kaputt.“ Deshalb gibt es eine mit dem Denkmalschutz abgestimmte Gesamtkonzeption.

Schloss Kuckuckstein ist historistisch geprägt mit wesentlichen Bestandteilen aus dem 19. Jahrhundert. Die Einrichtung des Heimatmuseums im Jahre 1954 erweist sich heute als Segen. Kirstein: „Dadurch ist dem Haus wahrscheinlich viel erspart geblieben ist.“ Brandflecken auf dem Boden der Hofgalerie, verursacht durch Feuerstellen von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg, eine zu DDR-Zeiten lackierte Sandsteintreppe oder von ABM-Kräften colorierte Türrahmen - die Schäden halten sich vergleichsweise in Grenzen. Auch die schweren Medizinbälle, die im Rittersaal gegen die Holzvertäfelung flogen, als dort die Turnhalle von Liebstadt war, haben keine bleibenden Schäden hinterlassen.

Dagegen sind viele Exponate im Zuge der Weltkriege für immer verschwunden. Die alten Öfen aber, zum Teil aus dem 17.Jahrhundert, sind geblieben und der Renaissance-Esstisch mit der Bleiplatte auch. Den können nur zwölf starke Männer tragen, und bevor er nach Kuckuckstein kam, wurden auf ihm Leichen seziert.

Da wären wir also beim Thema Grusel, einem wesentlichen Element der Romantik. „Wir hatten früher sogar Leichen im Keller“, sagt Neunteufel, ohne die Miene zu verziehen. Denn hier im Osterzgebirge können die Winter extrem kalt und die Böden betonhart sein. Deshalb nutzte man in grauer Vorzeit den Keller des Schlosses zur Aufbewahrung der Toten, die nicht sofort bestattet werden konnten.

Ein anderes romantisches Element sind Geheimnisse. Die bedient die Freimaurerloge, in der heute eine kleine, aber feine Ausstellung untergebracht ist. Novalis, Kleist und Fichte besuchten wegen der Loge Kuckuckstein. Und noch heute gibt es Anfragen von Freimaurern, die hier gern ihre Tempelarbeit verrichten möchten.

Doch zur Romantik gehören vor allem Liebe und Rosen. Und deshalb plant Kirstein am liebsten Hochzeiten mit allem Drum und Dran - gern auch mittelalterlich in historischen Kostümen und mit zeitgenössischen Mahlzeiten.

Nur einmal im Jahr gehört Kirstein und Neunteufel der Rittersaal, in dem die Trauungen vollzogen werden, ganz allein. Zu Weihnachten stellen sie den Baum hier auf und entzünden das Feuer im Sandsteinkamin. Und dann feiern sie mit vier glücklichen Kindern. Denn die haben auf Schloss Kuckuckstein den schönsten Spielplatz der Welt.

Roland Herold

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