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150 Jahre Klettern - Gipfelbücher aus der Sächsischen Schweiz

150 Jahre Klettern - Gipfelbücher aus der Sächsischen Schweiz

Es ist eine der neuesten Raritäten im Archiv des Sächsischen Bergsteigerbundes: Das Gipfelbuch des Frühlingsturms im Elbsandsteingebirge. 75 Jahre lang lag es in einer Kassette in luftiger Höhe.

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Elbsandsteingebirge

Quelle: Tanja Tröger

Dresden. Im Juli holten es Kletterer vom Gipfel. Alte Eintragungen in geschwungener Schrift stechen hervor, das Papier überstand die vergangenen 70 Jahre erstaunlich gut. Üblicherweise kommen die Bücher der über 1100 Gipfel erst dann ins Archiv, wenn sie mit Namen, Daten und Kletterwegen vollgeschrieben sind.

Doch beim Frühlingsturm ging es um eine Vorsichtsmaßnahme - vor Souvenir-Jägern. „Wegen Diebstahlsgefahr gewechselt“, heißt nun der letzte Eintrag. Der Bergsteigerbund verwahrt das Buch nun lieber sicher in seiner Dresdner Geschäftsstelle. Dort reihen sich in unauffälligen grauen Büroschränken über 4000 Gipfelbücher aneinander, zum Teil noch vom Ende des 19. Jahrhunderts. Geschäftsführer Christian Walter spricht von „Geschichte, die man in die Hand nehmen kann“ - denn das Archiv steht Neugierigen offen. Sachsens Bergsteiger erinnern in diesem Jahr an die Anfänge ihres Sports vor 150 Jahren. 1864 bestiegen Turner aus Bad Schandau den nahe gelegenen Falkenstein, einen der mächtigsten Klettergipfel der Sächsischen Schweiz. Sie benutzten noch künstliche Hilfsmittel für die Besteigung. Doch später setzte sich der Verzicht darauf durch und Sachsen wurde zur Wiege des freien Kletterns. Seile, Felsringe und Karabiner dienen allein der Sicherung. Der Sprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV), Thomas Bucher, schreibt dem sächsischen Stil eine „weltweite Bedeutung“ für die Bergsteigerei zu.

„Sächsische Kletterer, die nach Nordamerika auswanderten, brachten ihre Regeln dorthin mit“, sagt er. Das Gipfelbucharchiv ist ein Kulturgut und spiegelt auch die Entwicklung zu immer schwierigeren Kletterwegen wider. In den alten und neuen Büchern finden sich große Namen und Beschreibungen legendärer Erstbegehungen. Geschäftsführer Walter zufolge brachte der Kletterpionier Oscar Schuster die Idee des Gipfelbuchs aus der Schweiz nach Sachsen. Er legte jenes Buch auf den Gipfel Sommerwand, das die Besteigungen ab 1886 verzeichnet und als ältestes Exemplar im Archiv gilt. Die Sammlung mit den alten Raritäten dürfte einmalig sein, bestätigt auch DAV-Sprecher Bucher. Aus den Alpen seien zwar auch alte Exemplare aus den 1880er Jahren bekannt. Sie stammten meist von Gipfeln für Wanderer und würden nicht zentral, sondern regional von DAV-Sektionen, Gemeinden oder Wirten gesammelt. Auch aus anderem Klettergebieten sei ihm kein vergleichbares Archiv bekannt, sagt Bucher. Die Gipfelbücher listen nicht nur sportliche Leistungen auf, sondern atmen immer ein Stück Zeitgeist. Gerade aus der DDR-Zeit findet sich ein Sammelsurium von kritisch-spöttischen Sprüchen - vor allem zum Thema Reisefreiheit. In einer Eintragung von 1984 heißt es: „Man möchte ja gar nicht immerfort woanders hin, aber es können dürfen“. DDR-Gipfelbücher hatten zudem einen vorgedruckten Standardspruch auf der ersten Seite, der die Kletterer nicht nur zur Liebe ihrer Heimat und Berge aufrief, sondern auch zur Bereitschaft, die DDR „jederzeit“ zu verteidigen. Die ungeliebten Zeilen wurden entweder kurzerhand weggeschnitten oder die Passage mit der Verteidigung durchgestrichen. Neben geschichtlichen Informationen suchen Kletterer im Archiv nach eigenen Eintragungen oder denen „vom Großvater“, sagt Christian Walter. Für seinen Bergsteigerbund ergeben sich noch andere Einblicke: Die Auszählung von Besteigungen lässt Aussagen über die Frequentierung von Klettergebieten zu.

dpa

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