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Reisenews Allein im Vampirschloss - Draculas Dubliner Wurzeln
Reisereporter Reisenews Allein im Vampirschloss - Draculas Dubliner Wurzeln
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05:09 27.10.2015
Wer hätte gedacht, dass Graf Dracula eine Verbindung nach Dublin hat. Quelle: dpa-infografik
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Dublin

Es liegt sich bequem in Draculas Sarg. Etwas zu klein ist er für mich, ich stoße unten mit den Füßen an, aber die purpurrote Polsterung ist weich und anschmiegsam. Fast könnte man in der Dunkelheit wegdämmern. Aber es ist auch ein wenig beklemmend, allein in einem Sarg im "Castle Dracula" zu liegen.

Normalerweise sind noch 50 andere Leute mit dabei. "Irlands spleenigster Abend in Dublins ausgefallenster Location" heißt es im Prospekt. Das Programm läuft allerdings nur freitags am Abend. Und jetzt ist Mittwoch.

Erbauer und Direktor Ronan hat das "Castle" nur ausnahmsweise für mich aufgeschlossen. Das passte ganz gut, weil er sowieso noch zwei Requisitenmacher begleiten muss. Wir sind zusammen durch das leere Schloss gelaufen und haben anfangs gelacht, denn das Schloss ist der Anbau eines edlen Fitness-Centers.

Wir stoßen mit den Köpfen an herunterbaumelnde Puppenleiber, die mit Kinderstimmen flüstern. Wir verlieren das Gleichgewicht, als wir über eine Brücke wanken, die durch einen sich drehenden Tunnel führt. Ronan ist plötzlich mit den Requisitenmachern fertig. "Ich bring' sie schon mal raus", sagt er zu mir. "Du kannst dich solange in den Sarg legen. Ich schalte die Hydraulik für dich ein."

"Castle Dracula" ist noch eine verhältnismäßig junge Attraktion. Vorher gab es an dieser Stelle ein "Bram Stoker Dracula Experience", aber das lief nicht so gut. Jetzt beleben Schauspieler und Spezialeffekte die Szenerie. Zutritt ab 14 Jahren.

Viele Touristen wissen gar nicht, dass Dublin etwas mit Dracula zu tun hat. Der Graf wird in Transsylvanien verortet. Völlig richtig. Aber Draculas Erfinder Bram Stoker (1847-1912) ist dort niemals gewesen. Er ist gegenüber auf der anderen Straßenseite geboren.

Bram Stoker hatte eine unglückliche Kindheit. Er war sehr krank, bis zu seinem siebten Lebensjahr konnte er nicht stehen. Aber dann erholte er sich und wuchs zu einem wahren Kleiderschrank heran, vollbärtig und muskelbepackt. Er wurde der Sportchampion von Trinity College im Zentrum von Dublin, wo er Literatur, Geschichte und Mathematik studierte.

Jäh erwacht "Castle Dracula" zum Leben. Kerzen und Augen flammen auf, Gardinen flattern. Das muss die Hydraulik sein. Ich schließe die Augen. So wie ich jetzt im Sarg liege, habe ich tags zuvor die Mumien von St. Michan's in ihren Totenkisten schlummern sehen. Der jugendliche Stoker soll diese Kirche mit seinen Eltern besucht haben. Auch heute kommen noch jeden Tag Besucher. Sie kommen für die Gruft. Dort stapeln sich im Staub von 1000 Jahren Särge. Viele Särge. Gesichtszüge, Zehen, ja Fingernägel - alles ist noch gut zu erkennen. Dabei sind die Leichen mindestens 400 Jahre alt.

Mittlerweile ist mir klar geworden: Ronan stellt mich auf die Probe. Er hat mich in seiner Burg eingeschlossen wie Graf Dracula seinen englischen Besucher Jonathan Harker. Ich setze mich im Sarg auf und blicke in die Augen dreier Vampirbräute. Es ist sehr kalt in diesen Gemächern. Muss es auch sein, hat Ronan erzählt, denn 50 Leute heizen jeden Raum mächtig auf. Im Moment bin ich aber der einzige. Ich klettere aus der Kiste und suche eigenständig den Rückweg.

Ich sage mir, dass es zutiefst albern ist, sich als erwachsener Mensch in einer Geisterbahn zu fürchten. Alles hier ist unecht - alles bis auf Bram Stokers Haarlocke, die ihm seine Frau im April 1912 auf dem Totenbett abschnitt. Sein Ableben wurde in den Zeitungen weitgehend übergangen - fünf Tage zuvor war die "Titanic" gesunken.

Da ist die Ausgangstür. Und da steht Ronan. "Hi Ronan", höre ich mich sagen. Keine Reaktion. "Wirklich sehr spooky hier." Er verzieht keine Miene. "Ich werde es weiterempfehlen!" Da breitet sich ein Lächeln über sein Gesicht aus. "Freut mich riesig, dass es dir gefällt. Da steckt sehr viel Herzblut drin, weißt du." Er öffnet mir die Tür. "Es wäre toll, wenn wir in Zukunft noch mehr deutsche Gäste hier hätten. Jeder liebt es doch, sich mal so richtig erschrecken zu lassen!"

dpa

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