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Dieskauer Hausherr offenbart 500 Besuchern seine Schätze und Kostbarkeiten

Dieskauer Hausherr offenbart 500 Besuchern seine Schätze und Kostbarkeiten

Für Leser dieser Zeitung öffnen Sachsens private Schlossherren ihre Tore. Am vergangenen Wochenende besuchten rund 500 Menschen das Schloss Dieskau, das von der FDJ lange Zeit als Bauruine dem Verfall preisgegeben war.

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Viele Menschen kamen am Wochenende auf das Schloss Dieskau, um mehr über die Geschichte des kunsthistorisch vielfältigen und wertvollen Schlossensembles zu erfahren.

Quelle: Katrin Tominski

Dieskau. Thymo von Rauchhaupt hat es nicht leicht. Zu viele Besucher stehen neben dem verwunschenen alten Brunnen in der Mitte des Hofes. Der Schlossherr kann jedoch nur Führungen mit 30 Personen machen, mehr Platz ist nicht. Also ruft er: „Besuchen Sie die Kirche, in einer Stunde ist die nächste Führung.“ Doch niemand möchte weichen. Eilig drängt jeder auf den Schlossherrn im grünen Jägerpullover zu, um ein Ticket zu kaufen. Das Interesse an dem Renaissance-Schloss, das zu den bedeutendsten in Sachsen-Anhalt zählt, ist immens.

Dabei ist sein zukünftiges Traumschloss noch gar nicht fertig restauriert. Aus den zwei Säulen an der Eingangstür sind Steine herausgebröckelt, Moos hat sich abgesetzt. Drei Rapspflanzen und ein Löwenzahn lugen über dem Träger hervor. Drinnen hängt vor einer Tür, ein handgeschriebenes Schild „Baustelle. Betreten verboten.“ Trotzdem möchte von den 45 Besuchern keiner auf die nächste Führung warten. „Hier finden sie Stile aus sechs Jahrhunderten, von der Gotik bis zum Historismus“, eröffnet der Schlossherr den Rundgang. Dies sei so besonders, dass sowohl das Land als auch die Stiftung Denkmalschutz die Sanierung fördern. „Und sagen Sie jetzt nicht, hier gebe es noch viel zu tun“, fügt er mit einem Lächeln hinzu. „Das, was sie jetzt sehen, wäre vor zwölf Jahren unvorstellbar gewesen.“

Von Rauchhaupt erzählt, dass es gar keinen Schlossplatz gab, der Garten „nicht ansatzweise sichtbar und der Park ein Urwald war“. Heute ist die zum Schlossensemble gehörende Kirche frisch saniert, der Schlossplatz mit Pflastersteinen ausgelegt, ergießt sich der Park und angrenzende Garten in üppiges und geflegt-galantes Grün. Der Park in Dieskau gehört zu den schönsten historischen Gärten in Sachsen-Anhalt. Deswegen wurde er auch für das Landes-Projekt „Gartenträume“ ausgewählt. Das Schloss selbst wurde im 13. Jahrhundert das erste Mal erwähnt. Nach einer wechselvollen Geschichte nutzte es die Gemeinde zu DDR-Zeiten als Schule, bis es die Jugendorganisation FDJ 1984 übernahm und es 1986 als Bauruine zurückließ.

Thymob Rauchhaupt führt seine Gäste die Eingangstreppe hinauf und öffnet die Türen, hinter deren milchgläsernen Scheiben Schatten vorbeihuschen. Dem Besuchern offenbart sich ein verträumt-edles Restaurant. Die Wände sind holzvertäfelt, die Wände in einem warmen Rot gehalten. „Das ist der Historismus-Raum und war früher die Eingangshalle“, erklärt der Schlossherr. Weil nicht alle Besucher in den Raum passen, öffnet er eine zweite Tür. Dahinter verbirgt sich eine Baustelle. Kleine Risse ziehen sich über die Wand. Eine Spinnwebe weht im Zugwind. Von dort kann der Schlossherr beide Räume gut er-- klären. Den sanierten Historismus-Raum und die unsanierte chinesische Tee- stube. Von Rauchhaupt zieht ein Tuch zur Seite und legt ein bröckelndes chinesisches Wandgemälde frei. Er entführt seine Besucher in den Schlossalltag, erzählt von der Blickachse zum Teehaus und der geplanten Sanierung der Orangerie.

Vom Treppenhaus zeigt der Restaurator  nach oben: Der ovale Saal, der aufgrund der Bauarbeiten nicht betreten werden darf, wurde von Karl-Gotthardt Langhans entworfen, dem Architekten, der auch die Pläne für das Brandenburger Tor vorlegte. Der Schlossherr führt seine Gäste durch die Epochen: an den Resten der gotischen Blockstube vorbei, hin zu einer Renaissance-Stuckdecke mit biblischen Szenen, bis in den alten Kapellenraum, in dem die Mutter Georg Friedrich Händels getauft wurde. Die begeisterten Besucher löchern den Schlossbesitzer mit vielen Fragen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Denn auf dem Hof warten bereits die nächsten 40 Leute.

Katrin Tominski

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