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Förster im Wald: „Vermittler zwischen Mensch und Baum“

Förster im Wald: „Vermittler zwischen Mensch und Baum“

Der Försterberuf ist eigentlich ein einsamer. Allerdings nicht für Frank Weidemeier: Der 50-Jährige empfängt regelmäßig dutzende Besucher, informiert und berät sie.

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Quelle: dpa

Schönebeck. Die Menschen kommen zu ihm in den Wald, um ihre letzte Ruhestätte auszusuchen. Viele besuchen „ihren“ Baum immer wieder, wollen ihn wachsen sehen. Weidemeier ist Friedwaldförster in Schönebeck an der Elbe in Sachsen-Anhalt.

Seit der Eröffnung im Juni begleitet er diejenigen, die eher nicht auf dem Friedhof bestattet werden wollen, sondern in freier Natur. „Ich fühle mich als Vermittler zwischen Mensch und Baum“, sagt Weidemeier. Deutschlandweit lassen sich immer mehr Menschen im Wald bestatten. Der ruhige, freundliche Mann mit Brille und Bart streift mit seinem Hund durch den Wald. Bunte Blätter liegen auf dem Waldboden, an mehreren Bäumen hängen farbige Bänder: Rund um diese Bäume können Urnen Platz finden. Schon 168 Bäume unterschiedlicher Arten und Größen hat Weidemeierm im Angebot. Eiche, Hainbuche, Ahorn, Ulme, Esche, Linde stehen zur Auswahl.

Neben dem Friedwald in Schönebeck sind in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr zwei weitere Wälder für Bestattungen eröffnet worden - in Freyburg/Unstrut und im Harbker Forst an der Landesgrenze zu Niedersachsen. Zusammen gibt es nun sechs. Vier Wälder gehören zur FriedWald GmbH, die bundesweit 52 Standorte betreibt. Laut Unternehmenssprecherin Corinna Brod wurden bei FriedWald in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr etwas mehr als 200 Menschen bestattet; 2011 waren es noch 117. Im Ruheforst Harz-Falkenstein, der vom Kreiskirchenamt Sangerhausen verwaltet wird, sind seit der Eröffnung im April 2009 rund 120 Menschen bestattet worden.

Jährlich würden zwischen 40 und 50 Verträge über künftige Ruhestätten abgeschlossen, hieß es. Förster Weidemeier, der aus Andreasberg im Harz stammt, hat schon Erfahrungen mit Naturbestattungen nahe Köln und in Dessau-Wörlitz gemacht. Er hat für sich Kategorien von Kunden ausgemacht: Die einen wollen einen besonders großen Baum, möglichst eine dicke Eiche. Andere suchen etwas kleines mit möglichst uriger Wuchsform - das sind eher die Individualisten. Viele wollten ihrem Baum beim Wachsen zugucken. Es gibt aber auch eine Reihe von Leuten, die gar keinen besonderen Wert auf „ihren“ Baum legen, sondern mehr auf die Bestattung im Wald an sich.

Der Förster ist im Schönebecker Wald derjenige, der die Trauergesellschaft am Parkplatz empfängt, die Urne trägt, im Waldboden versenkt und das Grab verschließt. An seine erste Beisetzung erinnert sich der 50-Jährige noch genau. „Das war überhaupt nicht dramatisch.“ Die Familie habe ihm alle Arbeiten abgenommen - er ebnete hinterher nur noch den Waldboden über der Urne. „Als Einstieg war das optimal.“ Die Beisetzungen im Wald könnten sehr individuell gestaltet werden. Grabbeigaben wie besondere Steine oder Briefe seien möglich. Die Trauergesellschaften reichten von ganz klein bis zu 70, 80 Gästen. Es ist ein Rundweg durch den 26 Hektar großen Wald angelegt, befestigt ist er aber nicht. „Das ist kein Park“, sagte Weidemann. Wichtig ist ihm, dass der Wald natürlich bleibt.

Deshalb ist auch jeder Grabschmuck untersagt. Kleine Plaketten an den Bäumen zeigen, wo Menschen bestattet wurden. Die Konkurrenz im Bestattungswesen hat mit den Beisetzungen im Wald zugenommen, und die städtischen Friedhöfe reagieren inzwischen. Die Stadt Halle an der Saale antwortet auf die Frage, wie sie denn mit den neuen privaten Mitbewerbern umgeht: „Die Stadt stellt sich mit gepflegten Friedhöfen, guter Infrastruktur beim ÖPNV und neuen Grabarten der Konkurrenz.“ Naturnahe Bestattungen gebe es ebenso wie Baumgrabstätten für Urnen und Rasengrabstätten. Die Magdeburger Friedhofsverwaltung spürt die Konkurrenz der Privaten noch nicht bei den Bestattungszahlen. Inzwischen werde aber auch hier ein Naturgrabfeld angeboten; kleine blattförmige Natursteine tragen die Namen der Verstorbenen. Förster Weidemeier will seine letzte Ruhe auch im Wald unter einem Baum finden. „Ich will einmal unter einer Eibe landen, das ist der Baum der Mythen und Sagen.“ Eine Eibe gibt es allerdings im Schönebecker Friedwald nicht. Weidemeier ist noch auf der Suche nach dem richtigen Baum.

dpa

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