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Schloss Hartenfels mehr als ein Touristenmagnet - Torgau war Hotspot der Reformation

Schloss Hartenfels mehr als ein Touristenmagnet - Torgau war Hotspot der Reformation

Majestätisch thront Schloss Hartenfels am Torgauer Elbufer. Das größte vollständig erhaltene Schloss der Frührenaissance in Deutschland ist architektonisches Juwel und Touristenmagnet - aber noch viel mehr: Die einstige Residenz der Kurfürsten von Sachsen war das politische Zentrum der Reformation.

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Quelle: Hendrik Schmidt

Dresden/Torgau. „Die Macht der Herrscher schützte Luther und sie unterstützten die Verbreitung seiner Ideen“, sagt der Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer in Dresden, Dirk Syndram. Diese Bedeutung des authentischen Ortes geriet fast in Vergessenheit, er wurde in diesem Zusammenhang aus Expertensicht bisher zu wenig betrachtet. Das soll sich im Zuge des 500. Jubiläums der Reformation 2017 ändern.

Die Rolle Torgaus bei der wichtigen Umwälzung im 16. Jahrhundert ist Gegenstand der Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ (15. Mai bis 31. Oktober), die derzeit in Regie der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) vorbereitet wird. „Ein vergessener Ort der Reformation wird wiederentdeckt“, nennt Kurator Syndram das erklärte Ziel. Es ist die erste von vier Präsentationen zum Reformationsjubiläum 2017 - und für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) „ein Meilenstein auf dem Weg zum Jubiläumsjahr“.

Der Bund gibt 2,5 Millionen Euro für Sanierung und Rekonstruktion von Schloss Hartenfels sowie weitere 750 000 Euro für die Schau. Sie soll Torgau als Stätte der Reformation wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken - auch international. Momentan fehlt der Name selbst in der Liste der Stätten der Reformation auf der Homepage der Feierlichkeiten 2017. Dabei predigte Reformator Martin Luther dort und weihte 1544 mit der Schlosskapelle den ersten protestantischen Kirchenbau - entworfen nach seinen Ideen.

Zudem gründeten sich wichtige Bündnisse zum Schutze der Glaubensfreiheit, 1530 wurden die „Torgauer Artikel“ als Grundlage der Augsburger Konfession zu Maßnahmen der Kirchenreform und ihrer Verteidigung erarbeitet. „Das ist eine ausgesprochen spannende Zeit“, sagt Kurator Syndram. „Wir wollen zeigen, dass Torgau unverzichtbar für die Entwicklung der Reformation war und wie keine andere Stadt das Gefühl dieser Zeit erleben lässt.“ In der Sonderschau sollen auch die gegenreformatorische Reaktion der katholischen Seite, die Auswirkungen des Protestantismus auf die Gesellschaft der heutigen Zeit sowie Sprache und Verwaltung Deutschlands betrachtet werden.

Die politische Geschichte der Reformation wird ab 1515, dem Jahr des Generalablasses, bis zum Torgauer Bündnis 1591 mit rund 300 Objekten aus Deutschland, Europa und den USA nachgezeichnet. Sie spannen den Bogen von Kursachsen als Ursprung der lutherischen Lehren bis zu der von den Reformatoren infrage gestellten Herrschaftsvorstellung des Kaisers. Dafür kommen Objekte großer Fürstensammlungen aus Wien, Madrid, Gotha und Dresden nach Torgau: Harnische aus der Schlacht von Mühlberg von Karl V. und Sachsen-Kurfürst Moritz, das Manuskript von Luthers Übersetzung des Alten Testaments und ein Interimspokal aus dem Lüneburger Ratssilber.

Etwa die Hälfte der Exponate stammt aus SKD-Beständen, wie Luthers Siegelring und ein vergoldeter Deckelpokal aus dem Grünen Gewölbe. Fürstliche Textilien, Prunkwaffen, Gemälde und Kupferstiche ergänzen Hauptstücke wie das Rittergewand des Calatrava-Ordens von Karl V.. „Dessen Eroberung durch Kurfürst Moritz verkörperte den Sieg des Protestantismus“, erklärt Syndram. „Damals wurde die Entwicklung unserer Epoche, unserer Gegenwart begründet.“ Torgau sei bis zur Konversion von Kurfürst August dem Starken 1697 „so etwas wie die religiöse Schutzmacht der Lutheraner“ gewesen. Nachdem der Herrscher aber katholisch wurde, habe sich keiner mehr für die religiöse Residenz interessiert, die Weltgeschichte schrieb: „Ohne Torgau hätte es kein Wittenberg gegeben und keine Reformation.“

dpa

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